#wasmachteigentlichderchef 5.3.2021

Einige Male mit dem Fahrrad. Es war kalt. Matschig. Die Brücke über die A3 wird ab und gesperrt scheint es mir. Anscheinend verlegen sie dort eine Drainage. Irgendwas. Neulich war der Kampfmittelräumdienst vor Ort. Ich weiß, die kommen vorsichtshalber und untersuchen, ob es sicher ist, irgendwo den Bagger einzusetzen.

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Und einmal war die Polizei dort.

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Morgens ist es halt neblig, manchmal.

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Aber Sonnenaufgang ist immer.

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Und wenn ich in der Stadt bin, wird es dann richtig hell.

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Und nein, ich bin keine Pimmelnase, was die Maske angeht. Das Problem ist eher, dass Brille und Visier beschlagen, wenn ich die Nase drunter stecke. So läuft sie zwar durchgehend, aber ich habe freie Sicht.

Und manchmal halte ich jetzt im Wald an und mache Vesper.

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Einfach so.

#wasmachteigentlichderchef Februar 2021

Natürlich macht der was. Irgendwas.
Habe dieser Tag bei Arne Paulsen nachgelesen. Und gemerkt, dass es mir ganz ähnlich geht. Und ihm das wortreich in einer Email beschrieben.
Ich habe ein mulmiges Gefühl hier loszuschreiben, weil ich nicht recht weiß, wo es hingehen soll und wer alles unter die Räder kommt.


Ich weiß nicht, die wievielte Woche das jetzt hier in der Schulschließung ist. Als es anfing, habe ich mich in mich hinein gefreut, weil ich recht kaputt war. Ich nahm es als Erholung und konnte eine Woche nicht mehr als 6, eher weniger, Stunden schlafen – weil ich so kaputt war. Dann die ganzen Feiertage, wo ich völlig das Zeitgefühl verlor. Dann Beginn des Distanzunterrichts. Und jetzt soll verlängert werden. In der letzten Woche bekam ich einen einzelnen erleuchtenden klaren Gedanken: Weil man nicht lüften kann, wenn draußen Minusgrade herrschen. Klingt zynisch, ist das einzige, was für mich Sinn macht. Seit diesem Gedanken geht es mir besser. Weil endlich mal was Sinn macht.


Gründe, von denen ich gehört habe, dass sie eine Schulöffnung notwendig machen:

  • Kinder brauchen soziale Kontakte
  • SchülerInnen verlieren den Anschluss
  • Eltern sind überfordert
  • Häusliche Gewalt nimmt zu
  • Eltern sollen arbeiten gehen können
  • Lehrer haben genug Ferien
  • Kinder sind nicht ansteckend
  • Bildung ist wichtig
  • Kinder sind wichtig
  • Kinder werden daheim traumatisiert (sic!)
  • Distanzunterricht funktioniert nicht
  • Wechselunterricht funktioniert nicht
  • es gibt ausreichende Hygienekonzepte
  • eine ganze Generation geht verloren

Gründe, von denen ich gehört habe, dass sie eine fortgesetzte Schulschließung notwendig machen:

  • Grad läuft eine Pandemie da draußen
  • es gibt Mutationen, die ansteckender sind
  • Kinder verbreiten auch den Virus
  • dauerhafte Kontaktvermeidung ist notwendig, um die Inzidenz zu senken
  • Distanzunterricht funktioniert
  • usw.

Ich komme über eine Diskussion in der letzten Woche nicht hinweg, in der ich mich vielleicht etwas seltsam verhalten habe. Jemand schickte mir ein Video, aufgenommen von einer Moderatorin von irgendeinem Frühstücksfernsehen daheim. Darin ging es im Groben um Themen, „die in der Diskussion um Lockdown zu wenig öffentlich diskutiert würden“. Mich regte der salbungsvolle Ton der Frau auf, ihre beständig in Bethaltung präsentierten Hände und der scheinheilige Unterton. Es ging um häusliche Gewalt und darum, wie sich die psychische Situation von Menschen daheim verschlechtere durch den Lockdown und dann kamen Vorschläge, dass die Omi doch in der Turnhalle mit anderen Omis Sport machen könne, damit sie nicht depressiv mehr so depressiv sei. Ich überspitze, natürlich, nein eigentlich nicht, das waren ihre Worte. Alles das Themen, die jetzt untergehen – ja wirklich?

Und das war mein Problem: Wann waren diese Themen denn überhaupt mal „en vogue“?


Und hier schließt sich der Kreis: Die Argumentation, die mir präsentiert wird, lautet: Im Lockdown gibt es mehr häusliche Gewalt und Depression, ergo würde eine Öffnung dabei helfen, dieses abzumildern. Und das halte ich wie so vieles für eine Milchmädchenrechnung.


Ich habe also das Problem wie viele andere auch: Mir fehlt der feste Punkt im Universum, an dem ich etwas befestigen könnte, um ein Argument so einzuhebeln, dass es trägt. Und ich leite eine Schule, auf der ich es auch stellenweise mit dysfunktionalen Familien zu tun habe, wo Familien in absolut beengten Verhältnissen leben, in Asylunterkünften, wo Familien abgeschoben werden, wo häusliche Gewalt ein Thema ist, prekäre Arbeitsverhältnisse und Arbeitslosigkeit. Wo ein sehr tapferer Sozialpädagoge 860 SchülerInnen betreut. Wo tapfere LehrerInnen nicht locker lassen. Wo wir Grenzen kennenlernen. Und das eben jetzt deutlicher.


Und ja, ich lese viel in meinem Twitterumfeld von gelingendem Unterricht. Dass alle dabei sind. Dass gelernt wird digital, was das Zeug hält. Ich freue mich. Ich kann’s nicht mehr hören.

Ich scheine der einzige zu sein (neben Arne Paulsen), der seinen Distanzunterricht macht und sich nicht sicher ist, ob er hier viel erreicht. Der eher das Gefühl hat, dass er mit noch weniger SchülerInnen als vorher Kontakt hat – also einfach einen dieser vielen Sozialkontakte, die man in der Schule hat. Und die vielen kleinen Hilfsmittel, die nur als Person, nur um Umgang miteinander funktionieren: Ein Lächeln, ein böser Blick, der Finger zum Mund, die geballte Siegesfaust, die Bro-Fist, das geflüsterte „gut gemacht“ im Vorbeigehen, das Verbessern der Aufgabenstellung, wenn ich merke, dass es nicht alle verstehen, das aufzuwertende „weiter so“, das ungehaltene „Schluss jetzt“. Lehrer zu sein bedeutet eben auch Pädagoge zu sein und nicht nur Lernmaschine (das merken ja die da draußen auch langsam, dass Schule nicht nur das Austeilen von Arbeitsblättern und ihre Korrektur ist), sondern Pädagoge ist, also jemand, der im direkten Kontakt arbeitet, sozusagen mit dem ganzen Körper – nicht nur mit dem Kopf.

Ich klinge romantisierend vielleicht. Aber man möge mich nicht falsch verstehen, ich sehe nicht in der Öffnung der Schule ein Heilmittel dafür.


Was helfen könnte, meiner Meinung nach, ist, dass man den aktuellen Zustand nicht als Übergang zwischen Vorher und Vorher betrachtet. Und das euphemistische Geschwafel von der „neuen Normalität“ mal sein lässt. Gut wäre es, mal loszulassen, um ein wenig Raum für Neues zu geben.

Unter anderem, weil das Alte eben grad nicht funktioniert: Unterricht im Klassenverbund, beständige Leistungsmessung, Lehrplanerfüllung.


Was ich höre: „Wir entlasten Schülerinnen und Lehrerinnen, indem wir den Lehrplan und Leistungsmessungen entschlacken.“

Was ich höre:“ Die Qualität der bayerischen Abschlüsse wird erhalten bleiben.“

Was ich erlebe: kognitive Dissonanz.


Vor etwa 30 Jahren hat mir jemand mal versucht den Begriff der Neurose (Verhaltensstörung) zu erklären – und seltsamerweise fiel mir das dieser Tage wieder ein. In meiner Erinnerung war die Argumentation, dass Menschen in ihrer Entwicklung bestimmte Verhaltensweisen erlernen, um Konflikte zu lösen. Wenn dies erfolgreich ist, festigen sich diese Verhaltensweisen. Neurotisch wird es dann, wenn sie im Erwachsenenalter die Verhaltensweisen des Kindes weiter verwenden, um erwachsene Probleme zu lösen.

Dem Sinn nach wiedergefunden:

In den kognitiv-behavorialen Ansätzen werden die Neurosen, wie andere psychische Störungen auch, auf fehlangepasste und erlernte Verhaltens- und Einstellungsmuster beschrieben, die auf der Grundlage von Vulnerabiltität und Stress entstehen.

Wikipedia: Neurose

Assoziatives Bloggen.

Ewald Arenz. Herr Müller, die verrückte Katze und Gott. Ars Vivendi.

Die Apokalypse beginnt, ausgelöst durch den Tod von Herrn Müller, das Jüngste Gericht steht bevor – und der Fürst der Finsternis befährt mit einer Straßenbahn und zwei verfluchten islamistischen Attentätern die A6 in Richtung Altdorf und wieder zurück nach Nürnberg – und bekommt mitten auf der Autobahn eine DHL-Lieferung mit dem Schwert des Erzengels Michaels zugestellt.

Pinguine kommen auch drin vor.

Lange nicht mehr so amüsiert beim Lesen.

#wasmachteigentlichderchef 120121

Auto. Es sollte schneien wie Hulle und eigentlich hatte ich nachmittags einen Termin zum Aufziehen der Winterräder für mein Fahrrad gebucht. Das habe ich aber abgesagt, ich kam später mit dem Auto nicht mal in die Nähe des Carports und musste es auf der Straße weiter unten am Hang irgendwo am Straßenrand zurücklassen.


Blick aus dem Haus

Erledigte Aufgaben

  • zwei Stunden Unterricht 10 SK als Audiokonferenz und dann Gruppenarbeit
  • Gespräch neue Kollegin als Teamlehrkraft, Unterschrift, Unterlagen klar machen
  • zweites Gespräch mit Kollegin über Stundenerhöhung, verzögert sich behördlicherseits, ich muss mal bisschen improvisieren morgen
  • Kontakt KM wegen Namensänderung einer Kollegin
  • KMS für Reffis lesen, einen Lehrprobentermin absprechen
  • Telefonat mit Eltern wegen Rücktritt aus Jahrgangsstufe
  • diverse Unterschriften
  • diverse Postangelegenheiten
  • Smalltalk mit dem Hausmeister
  • Gang durchs Schulhaus

Die Bildbetrachtung von gestern war etwas assoziativ und im Nachgang fiel mir noch viel mehr ein. Und alles nur wegen eines Fotos. Eine Schülerin des Jahrgangs 2003 z.B. , die ich korrigiert habe (Sie hatte eine 2), gehört seit vielen Jahren zu meinen engsten FreundInnen, und so viel habe ich ja auch nicht mehr. Die damals 16jährige ist nun 34.

In diesem Lehrerzimmer habe ich mal in fröhlicher Runde verkündet – das berichtet immer wieder der damalige Zweite Konrektor und mittlerweile Direktor und lange Zeit mein Chef – dass ich auch mal MB (=Ministerialbeauftragter) werde.

Damals brüllend gelacht, ich und alle anderen. Jetzt bin ich also schon mal Schulleiter.


Auf der Beerdigung des Kollegen von 2015 war ich nicht. Eine gemeinsame Freundin auch nicht. Und wir haben uns mal abgesprochen, dass wir irgendwann, wenn wir es können, zusammen zum Grab gehen werden. Und sind es bisher nicht. In den grad vergangenen Ferien haben wir uns flüchtig wieder verabredet zu gehen. Und wir waren wieder nicht.

#wasmachteigentlichderchef 110121

Home Office


Erledigte Aufgaben

  • morgens alle Kanäle aufgemacht, auf denen der Unterricht der Schule organisiert oder rückgemeldet wird (Threema, Teams,Webuntis, Whatsapp), dazu Twitter laufen lassen
  • Rückfragen beantwortet, manchmal fehlerhaft, weil halt dumm
  • irgendwann auf Twitter gelesen, dass die Clouds, Plattformen nacheinander abrauschen, meine Frau flucht aus dem Nachbarzimmer über die Videokonferenzsoftware; unsere System alle stabil, sogar mebis
  • gelesen, dass padlet nicht mehr geht, also die Plattform, wo ich meinen Unterricht für die 7. Klasse abgelegt habe => Unterrichtsgang auf Teams umgeschichtet
  • 2 Stunden Unterricht Geschichte 7, anfangs per Videokonferenz, dann Schülerarbeit
  • zwischendrin mit einzelnen KollegInnen abgesprochen
  • Arbeit für den nächsten Tag vorbereitet, an dem ich an der Schule sein werde

Natürlich hatte die Arbeit schon in den Tagen vorher stattgefunden, mit Organisatorischem. Mit Absprachen. SL-Videokonferenz am Freitag. Usw.


Nachmittags beim Aufräumen ein altes Foto in einem Notizbuch gefunden, welches nur zu einem Drittel benutzt worden war – ich habe mittlerweile gelesen, dass es mehr so komische Leute gibt wie mich, die Notizbücher anfangen aber nicht beenden.

Das Foto ist vom Mai 2002 und zeigt mich und zwei Kollegen im Raucherzimmer der Schule, an der ich damals war. Ja, damals gab es Raucherlehrerzimmer. Und es war das erste Jahr mit Faschingsferien, die man uns jetzt wegkürzt. Ich hatte einen Pferdeschwanz bis irgendwo, auf dem Tisch standen Sekt- und Biergläser komischerweise. Alle leer. Und ich blättere in irgendwas. Alle drei rauchen wir.

Ich sitze rechts. Ganz links sitzt ein Kollege, der 2017 verstorben ist. Da war er schon in Pension. Und er gehörte zu der Sorte Lehrer, an die sich Generationen von SchülerInnen auf Jahre hinaus erinnern. 2003 war er mein Zweitprüfer in Deutsch. Damals hatte ich zwei Klassen und entsprechend 65 Prüfungen. Die Zusammenarbeit mit dem Kollegen hat mir viel gebracht damals und auch die Jahre danach, auch was Entspanntheit angeht. Ich erinnere mich sehr lebendig daran, wie er nach einer Konferenz, auf der man ihm eine Urkunde über sein 25jähriges Dienstjubiläum überreicht hat, ins Raucherlehrerzimmer zurückkam und diese zerriss und wegwarf. So einer war er. Ich hab anfangs einige Zeit gedacht, er wäre ein fieser, harter Hund – habe ihn aber vor allem erlebt, wie er sich für SchülerInnen eingesetzt hat – und sich einmal vor mich und damit zwischen mich und den Chef stellte.

In der Mitte auf dem Foto sitzt ein Kollege, der mittlerweile an einer Realschule Stellvertretender Schulleiter ist. Und zwar genau an der Schule, an der ich im aktuellen Jahr der Prüfungsvorsitzende bin. Zur Erklärung: U.a. wenn eine Schule einen neuen Schulleiter bekommt, wird ein anderer Schulleiter zum Prüfungsvorsitzenden ernannt und „überwacht“ besser: begleitet den Ablauf der Prüfungen an jener Schule. Ist sehr spannend, weil man eine andere Schule erlebt und wie sie arbeitet. Ist dieses Jahr doppelt spannend.


Ich denke auch an den Kollegen, der 2015 gestorben ist. Den ich in meiner Antrittsrede erwähnt habe. Dessen Tod mich bis heute begleitet, was ich immer daran festmache, dass ich ihn erwähne, wenn ich beschreibe, was mich da hingebracht habe, wo ich heute stehe. Also, wenn mich jemand fragt: Wieso bist du jetzt eigentlich Schulleiter geworden? Viele erstaunt das ja noch immer, viele, die mich kennen oder kannten. Wenn mich jemand das fragt, dann geht mir als erstes der Tod dieses Kollegen durch den Kopf. Weil er so dermaßen abrupt und ohne Vorwarnung kam, dass ich ein wenig aus der Spur geraten bin. Und danach die ganze Zeit rumrannte und der Meinung war, ich muss jetzt etwas ganz anders machen. Alles musste sich ändern. Und ich traf Entscheidungen, die auch immer wieder ins Leere gingen und irgendwann hatte ich Probleme überhaupt noch Entscheidungen zu treffen. Und dann war ich Schulleiter und es wurde anfangs noch schlimmer als es vorher schon war.

Und er hätte mich ausgelacht.

Und ich hätte mitgelacht.


Manchmal denke ich, es muss absolut bizarr sein für LehrerInnen meines Kollegiums, die das hier lesen und mich daneben im Alltag erleben.

Aber vielleicht merkt man mir dies alles auch an.

#wasmachteigentlichderchef 21.12.

Zum ersten Mal seit Langem sieht es übersichtlich aus.


Erledigte Aufgaben:

  • Antrag auf Teamlehrkraft verarbeitet und abgeschickt
  • Telefonat Schulaufsicht über Antrag Teamlehrkraft
  • Telefonat KM, Personalfragen neues Schuljahr
  • Längeres Telefonat Schulleiter, an dessen Schule ich 2021 Prüfungsvorsitzender sein werde
  • Ablage
  • Letzter Postausgang des Jahres
  • Reste an Gummibärchen und Schoki gegessen

Rückfahrt nach Hause durch die Nürnberger Südstadt, Tradition beim mir. Dort wohnten wir 9 Jahre und ich bin danach vor allem vor Weihnachten durchgefahren, am letzten Schultag, um einige Einkäufe zu machen. Es gab schon immer dort auf einem Hinterhof den Dragon-Market. Oder früher die schlesische Metzgerei in der Nähe (mittlerweile geschlossen, weggezogen). Oder legendär den Celtic Travel / Whiskey. Seit ein paar Jahren einen üppigen Baklava-Laden (Albadry Baklava & Çerez Süßigkeitenladen, Wölckernstraße Ecke/Hummelsteiner Weg) – nicht der einzige, wie ich feststellen musste. Es gab einen amerikanischen Supermarkt (nicht mehr), einen Taschenladen, der noch Ledertaschen repariert (Lederwaren Albrecht). Das Atrium-Kino was schon lang geschlossen ist (weiter hinten rein aber das Casablanca, in dessen Verein ich Mitglied werden wollte. – auf die Todoliste damit). Den kleinen Kiosk gegenüber, der schon öfter überfallen wurde, wie mir die Besitzerin mit ihrem riesigen Schäferhund mal erklärte. Die Bäckerei Aydin. Später das Landbierparadies in der Allersberger und Wodanstraße, ohne die meine Instareihe „Kochen und Biertrinken“ sicher nicht möglich wäre. Und final dann am Gasthaus der Freunde des fränkischen Schäufeles vorbei und heim.

Der Lockdown führte dazu, dass ich gut durchgekommen bin und sehr wenig los war.

Und ich nichts eingekauft habe.

#wasmachteigentlichderchef 17.12.

Wollte nicht mehr

Ich spreche manchmal Dinge nicht so aus, wie ich es sollte, kann es auch schlecht mir selbst gegenüber zugeben, aber ich muss mal sagen, dass ich mit Ende der letzten Woche bedenklich erschöpft war. Deswegen wollte ich das Bloggen aufgeben, weil ich nicht mehr abends das durchkauen wollte, was tagsüber gelaufen war. Weil alles schon seit Tagen nur noch schwer fiel. Weil ich grad vielleicht einen weiteren Lernschritt als Schulleiter mache – wenn ich kann, werde ich ihn etwas später formulieren.

Quarantäne

Ich habe über Twitter immer wieder Erfahrungen mitgeteilt bekommen, dass jedes Bundesland – ich mag mittlerweile sogar sagen: jeder Regierungsbezirk – andere Regeln zum Umgang mit Corona-Infektionen in der Schule hat. Daher hier mal unser Konzept, selbst erstellt und erweitert unter Berücksichtigung der Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und aus dem Gespräch mit einer Kollegin einer anderen Reealschule. Bedenken Sie: Nürnberg hatte zwischendrin eine Inzidenz von über 390.

Auenland

Ich dachte immer, vorher, es läuft so ab, so wurde es mir jedenfalls vorgestellt:

  • Jemand macht einen Corona Test
  • Der ist positiv
  • Das Gesundheitsamt wird aktiv und betreibt dieses Contact Tracing
  • Alle werden informiert
  • Der Schulleiter bekommt Anweisungen, was er zu tun hat
  • Rosenduft steigt auf

Realität

  • Wir erfahren durch Eltern oder betreffende Personen, dass ein positiver Test vorliegt
  • Dies geschieht bevorzugt abends, Freitag oder so, oder schlimmer: morgens im laufenden Schulbetrieb
  • Danach wird versucht das Gesundheitsamt zu erreichen über die Nummern, die uns zur Verfügung stehen
  • In der Zwischenzeit greifen wir den Maßnahmen vor:
    • Rechnen: Zeitpunkt des Tests: 48h zurück ist die virulente Zeit für alles, was folgt
    • Klassen oder Klassengruppen identifizieren, die in dieser Zeit Kontakt zur infizierten Person hatten
    • Betroffene Lehrer nach Hause schicken
    • Klassen oder Klassengruppen isolieren
    • Eltern anrufen und die Kinder abholen lassen, einzeln
  • Parallel Absprachen mit dem Gesundheitsamt
  • Listen erstellen mit den Kontaktdaten der Kontaktpersonen
  • Brief erstellen zur Information über Quarantäne für die Eltern der Kinder
  • Rückfragen beantworten:
    • Wie lang war der Kontakt?
    • Welche Art Maske wurde getragen?
    • Ist der Lehrer durch die Klasse gegangen?
  • Abholung der Kinder organisieren
    • Eltern an der Pforte abholen
    • Kinder bringen
    • Mündliche Informationen über Quarantäne
  • Informationen ergänzen zur individuellen Quarantäne
  • Elternbriefe schreiben
  • Lehrerinfo schreiben
  • Schulhomepage ergänzen
  • Vertretungsplan machen

Am Tag danach müssen wir dann manchmal nacharbeiten, weil wir gern schnell reagieren, schnelle Entscheidungen treffen und geringstes Risiko eingehen.

Zusammenfassung

  • Wenn Lehrer infiziert:
    • KollegInnen, die engeren Kontakt hatten (> 15 Minuten, einfache Maske oder keine, weil z.B. beim Essen) gehen 14 Tage in Quarantäne, gelten als Kontaktperson 1
    • KollegInnen, die dem nicht entsprechen, aber Kontakt hatten, weil sie am selben Tisch im LZ saßen z.B., FFP2 Masken getragen haben, sind Kontaktpersonen 2
  • Unterschiede:
    • K1 machen einen Test nach 5 Tagen und nach 10 Tagen, wenn beide negativ sind, wird die Q aufgehoben
    • K2 können nach 5 Tagen einen Test machen, wenn der negativ ist, wird die Q aufgehoben
  • Diese Regeln wurden in letzter Zeit modifiziert, z.B. gab es irgendwann die Regel: Testen nach 5 Tagen, wenn negativ, kann die Lehrkraft wieder zur Arbeit und unterrichten, verbleibt aber in häuslicher Quarantäne, darf also NUR zum Arbeiten und auf dem direkten Weg in die Schule die Q. unterbrechen
  • Wenn SchülerIn infiziert:
    • Gesamte Klasse in Quarantäne für 14 Tage
    • ein negativer Test nach 5 Tagen hebt die Q auf

Ergänzung: Manchmal erfahren wir von einer Infektion bei einem Schüler nur durch Zufall.

Unterm Strich

Ja, die Schulleitung ist mit dem Sekretariat einen Vormittag lang blockiert:

  • Sekretärinnen telefonieren die Eltern an (zwischen 20 und 70) erstellen und ergänzen Listen
  • Ein Kollege informiert die KollegInnen und die vorgeordneten Behörden
  • Ein Kollege organisiert den Unterricht, der jetzt ohne Lehrer läuft
  • Ein Kollege telefoniert mit dem Gesundheitsamt und koordiniert die Kontakte zu den Kollegen
  • Ein Kollege sammelt die Informationen, bündelt sie, verteilt sie, verschriftlicht sie
  • Ein Kollege organisiert die Abholung der Kinder durch die Eltern

An extremen Tagen saßen Lehrer-KollegInnen mit am Telefon, sprangen ein und sorgten sich. Der Sicherheitsbeauftragte lief mit und organisierte. Nachdem wir das zwei Mal durchgespielt hatten, lief es irgendwie immer sehr flüssig.
Das Problem: Anweisungen aus dem Gesundheitsamt, die diese wiederum von anderer Stelle bekamen, änderten sich am Ende alle zwei Tage. Und wir taten es um unseren eigenen Unterricht herum.

Daher

War das ganze Chaos der letzten Tage bis zum Lockdown in meinem Erleben nur eine Fortführung dessen, was ich vorher schon hatte.
Wir hatten Ende letzter Woche zum zweiten Mal den Fall, dass wir ein Drittel des Kollegiums in Quarantäne schickten. Selbst mit Wechselunterricht war hier kein geregelter Unterrichtsbetrieb mehr möglich. Es gab sogar jemanden, die zum zweiten Mal in die Quarantäne musste. Schulen im Bezirk wurden geschlossen, weil die Lage kurzfristig unübersichtlich war oder aber eben einfach zu viele KollegInnen fehlten.
Wir haben also drei/vier Modelle nebeneinander geführt:

  • Klassen in Quarantäne: Distanzunterricht (live)
  • Klassen im Distanzunterricht (live, 8 und 9)
  • Klassen als vollständige Klassen im Schulhaus (10)
  • Klassen im Wechselunterricht (5-7)
    Problematisch waren SchülerInnen, die aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Religionsunterrichts in Quarantäne waren, ihre Klasse aber nicht.

Ab einem bestimmten Tag konnte ich Ihnen nicht mehr aus dem Stegreif sagen, wer und welche Klassen aktuell im Schulhaus sind.

Pause.

Ich meine das ernst. Pause.


Jemand riet mir mal, in der Woche an einem Tag früher aus der Schule zu gehen. – um mal an einem Tag zum Nachdenken zu kommen. Das hat sich mittlerweile zu einem Fluch entwickelt. Ich finde mich also mittags im Auto sitzend, wahlweise am McDrive, essend, grübelnd. Fahre heim, lege mich hin, wache auf, grüble weiter. Besser ich bleibe in der Schule und arbeite.


Heute wurden auf meine Anweisung hin 1000 (zertifizierte) FFP2 Masken bestellt, auf Schulkosten. Für die Kollegen. Vor zwei Wochen hatten wir die erste Lieferung von 300 Stck. bekommen. Vor zwei Tagen bekamen wir außerdem die nicht bestellten Masken von Staatsseite. Die Masken, die nicht dem „persönlichen Schutz des Personals“ dienen sollten, sondern für „besondere Situationen“ aufzubewahren seien. Wie diese Situationen aussehen sollten, wurde uns nicht mitgeteilt. Heute bekamen wir dazu von anderer Stelle eine Mail, dass diese Masken nicht zertifiziert seien und daher schlechter als Community-Masken. Es wäre fahrlässig, diese zu benutzen. Letzten Sonntag fand eine Pressekonferenz statt, auf der Maßnahmen auch die Schule betreffend verkündet wurden, die drei Tage später in Kraft treten sollten. Drei Tage lang bekamen wir danach keine konkreten Hinweise, wie das auszusehen hat, sodass wir/ich gestern ins Blaue hinein entschieden und die Eltern informierten. Ein paar Stunden später kam das KMS. Heute kam etwas von der Stadt. Ich habe vorgestern zwei Fleece-Jacken bestellt, weil es ziemlich kalt in den Klassenräumen ist, ebenfalls in meinem Büro. Ich möchte keine KMS mehr bekommen, in denen steht, man versteht. Ich bin einfach müde.


Ab jetzt nur noch Fotos. Ein Jahr lang. Jeden Tag eins. Klingt dramatisch. Soll es nicht sein.


Zur Erklärung der schwarzen Teppichfliese, die schon länger so ist: Der Ersatz war notwendig, weil der Schulleiter hier so isst, wie er im Auto isst. Ohne Teller. Vielen Dank an den Hausmeister.

Das Foto hier stammt aber von heute – erklären tu ich nix mehr.