Lebenszeichen – Kaleidoskop

Versuche reinzufinden.


Mitte August fuhr ich mit Arne zu einem Burgergrill irgendwo in Niedersachsen. Und dabei fragte er mich im Auto, ob ich es bereut hätte, mich damals als Schulleiter zu bewerben. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich für eine Antwort brauchte, gefühlt war es – er mag mich korrigieren – nicht lang. Jedenfalls beantwortete ich die Frage mit einem „Ja“.

Seitdem, also seit gut einem Monat, versuche ich das in Worte zu fassen und schaffe es nicht. Als ob es eine Erklärung braucht, um einigermaßen aufrecht weiterzumachen.


Heute habe ich abends um halb sechs ein paar Faxe aus dem Sekretariat versendet und mich danach kurz ins Büro gesetzt, um zu überlegen, was ich jetzt noch erledigen kann. Es war sowieso ein Tag, an dem nach jedem Telefongespräch vor jedem Telefongespräch war. Da merkte ich, dass mir die Ohren rauschten, mein Tinnitus frohen Aufstand feierte. Ich packte und ging.


Und tat das einzig Richtige: Braten essen, Bier trinken. Hastig.


Ich fahre seit drei Tagen ohne vorderes Nummernschild durch die Gegend. Dachte erst, das darf man nicht. Aber der Polizist, der meinen Wildunfall aufnahm, meinte, das ginge schon – aber ich glaube, er ging davon aus, dass es nicht dauerhaft sei. Meine Alfa-Front sieht ohne Nummernschild viel besser aus. Die Fellreste neben dem Scudetto trüben aber den Eindruck etwas.


Was mich am meisten bereuen lässt? Dass ich mir 5-7 Stunden an einem Arbeitstag (und darüber hinaus) nicht mehr selbst gehöre. Nicht mal meine Gedanken gehören mir. Dass ich unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem ich ins Bett gehe, um 5 wach werde. Und dass mir dann als erstes etwas Schulisches in den Kopf kommt.


Und ich wusste, dass der erste Urlaub seit Jahren eher schlecht für mich ist. Weil ich da eben plötzlich wieder eigene Gedanken habe.

Und weil ich auf einem klapprigen E-Scooter nachts um halb 12 vom Charlottenburger Schloss aufbreche und einmal quer bis zum Alexanderplatz rollern kann, durch den Tiergarten, an der Siegessäule vorbei bis zum Brandenburger Tor und Unter den Linden entlang bis zum Alexanderplatz.

Das sollten Sie mal machen.

Und dann drücken Sie halt jemandem das Smartphone in die Hand und lassen sich mit einem feisten Lachen fotografieren.


Es gibt Schlimmeres , sowieso immer, und ich habe viel vor, Braten und Bier, Berlin, die See und den Hafen in Hamburg. Immer wieder. Morgen werde ich 52.

2021-09-10 #wasmachteigentlichderchef

Auto, weil es regnen soll.

Dennoch: Ohne Autos sieht der Parkplatz in der untergehenden Sonne toll aus (vor ein paar Tagen).


Bauarbeiten in der Schule weitgehend abgeschlossen. Paar Umkleidekabinen brauchen noch Regips-Platten-Anstriche.

Im Laufe des Vormittags rinnt in der Lehrerküche Wasser von der Decke und tropft auf die Kaffeemaschine. Ein Lehrer bringt die Maschine in Sicherheit und stellt einen Topf drunter.

Ich zucke mit den Schultern und melde es der HVE.


Anfang der Woche hinter dieser Tür gearbeitet.

…und wie die Sekretärin versucht, Kontakt zu mir aufzunehmen, wenn ich mein Telefon nicht abnehme.


Die Spiele mögen beginnen.

Margaret Atwood. Der Report der Magd. Graphic Novel von Renée Nault.

Vorschauen im Serien-TV ja schon öfter gesehen, aber nie genau gewusst, worum es geht. Dachte immer, das wäre so eine Amish-Geschichte.

Dann aber die Graphic Novel in der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit gefunden und für den kleinen Pfennig bestellt. Und nicht bereut.

https://www.blz.bayern.de/publikation/der-report-der-magd-graphic-novel.html

In der BLZ auch gefunden als Graphic Novel: Das Tagebuch der Anne Frank.

15 Jahre Schulleiter – öffentlich reden

Anlass: Zeugnisübergabe an AbschlussschülerInnen

Ort: Turnhalle der Schule

Zeit: Mitten am Tag

Vorbereitungszeit: eine Woche, erste und einzige Version aufgeschrieben 16 Stunden vorher

Hintergrund: Wollte eigentlich die vom letzten Jahr nehmen, die ich im Drucker vergessen und völlig schräg improvisiert habe. Wäre keinem aufgefallen. Aber meine Ehre stand mir im Weg. Also arbeitete ich den Gedanken neu aus.

Beim ersten Durchgang (Hygienekonzept erlaubte uns zwei Durchgänge) hatte ich das Skript zwar dabei, aber auf dem Stuhl vergessen als ich auf die Bühne ging. Es ist zum Erbrechen. Also improvisierte ich. Diesmal jedoch inhaltsgleicher. Im zweiten Durchgang ließ ich Sophie Passmann weg. Das ging auch und die version war besser.


Manuskript

Liebe SchülerInnen,

Ich freue mich: Ihr bekommt heute Abschlusszeugnisse, die euch eine Reife attestieren, eine sogenannte „mittlere“, aber eine Reife. Und dies kann euch keiner mehr nehmen.

Liebe SchülerInnen,

Es tut mir leid: Ihr seid noch nicht am Ziel. Dies ist nur ein Durchgangsstadium, welches ihr gebührend feiern dürft und sollt. Und ihr erinnert euch später daran, 100pro, aber ob ihr wollt oder nicht: Es geht noch weiter.

Ich habe in meinem Leben oft den Satz auf Hochzeiten gehört, dies sei „der schönste Tag meines Lebens“. Und ich habe immer still in mich hineingewundert, dass es ziemlich komisch sein muss, wenn ich mit Mitte 20 oder früher schon den schönsten Tag in meinem Leben hatte. Was passiert dann noch im Rest meines Lebens?

Und das Leben? Ja, das Leben! Das ist so groß, dass es Platz hat für eine Unmenge an Partys, an Lachen und Glück – ebenso wie alles andere. Und letztlich kommt es doch immer so anders.

Ich bin alt, ich darf eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Wie ich es geschafft habe, dass ich im August ins Paradies fahre.

Und die Geschichte dazu geht so. Ich habe 1989 Abitur gemacht in der Nähe von Köln. Und ich habe ein richtig schlechtes Abitur gemacht mit einem Schnitt jenseits von 3,0 und nur weil eine Englischlehrerin Mitleid mit mir hatte – Danke!!! Es gab nur noch einen, der hieß auch Thomas, der hatte ein noch schlechteres Abitur. Mit dem bin ich in eine WG gezogen zum Studieren. Heute ist er Rechtsanwalt in Köln und ich, naja, ich bin halt ich. Schulleiter in Bayern. YOLO.

Es gab eine Schülerin bei uns, die ein sehr gutes Abitur gemacht hat. Damals mit einem Schnitt von besser als 1,0. Das geht, ja, wenn man besonders gut ist. Selbstredend hatte ich mit ihr an der Schule nichts zu tun. Andere Liga, ganz eindeutig. Ich stand ständig in der Raucherecke oder schwänzte mal die Schule. Sie war woanders. Es gab absolut keine Berührungspunkte.

Mehr als 30 Jahre später findet ein Abitur-Jubiläumstreffen statt und wir kommen ins Gespräch. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin und ist Kirchenmusikerin. Wir tauschten unsere Lebensgeschichten aus und nach so langer Zeit hatten wir uns plötzlich was zu sagen.

Und nachdem ich ihr von meinen Erfahrungen und Erlebnissen als Schulleiter erzählt habe, erzählt sie mir von ihrem Paradies, in welches sie sich regelmäßig mit der Familie zurückzieht – einem Camper auf der Insel Rügen. Und sie sagt zu mir: Komm nach Berlin, wenn die Sommerferien hier vorbei sind und ich gebe dir den Schlüssel. Und dann verbringst du einige Zeit im Paradies.

Wer kann so ein Angebot ablehnen?

Was ich euch sagen will: Hier und heute ist nichts zuende, nicht in eurem Leben nicht mit den Menschen, die euch umgeben. Hier fängt’s erst richtig an. Und vielleicht ist nicht alles möglich, aber doch mehr als ihr euch jetzt vorstellen könnt. Freut euch drauf.

Und am Ende lasse ich die große Philosophin Sophie Passmann dazu sprechen:

https://www.instagram.com/p/CCqBieBip5a

Max Porter. Lanny. Kein&Aber 2019

Heute mal etwas ausprobiert. Nach dem Heimkommen mit dem angefangen, was ich mir immer für später vornehme: Lesen – in diesem Fall den Roman zu Ende gelesen. Normalerweise nehme ich mir vor im Bett zu lesen, vor dem Schlafengehen, aber meist läuft es nur auf Schlafen hinaus.


Lanny ist ein Roman, als Thriller gekennzeichnet, der ein bisschen die Lesegewohnheiten durcheinander bringt. Und darin seinen größten Reiz hat.

Eindrucksvoll.

Perlentaucher.

Süddeutsche.


Ein Kollege beichtete mir neulich, dass er schon vor Wochen aufgehört hätte in meinem Blog zu lesen, weil die Einträge zu deprimierend waren. Und wahrscheinlich hat er recht.

Meine Müdigkeit hat wieder Ecken von mir erreicht, wo nicht mal Licht hinkommt.


Aufgaben und Termine, die ich mir aufgeschrieben habe:

  • Beurteilungen (Vorbereitung)
  • „Schüler“ nachfragen
  • Vorbereitung Gespräch Beratungslehrer Grundschule
  • Vorbereitung Bewerbergespräch
  • Terminierte Aufgaben
    • 08.20-09.05: Unterrichtsbesuch 1 . Stunde
    • 09:10 – 09.30 Besprechung Unterrichtsbesuch letzte Woche
    • (Vorbereitung andere Gespräche)
    • Telefonat KM
    • 10.55 – 11.15 Besprechung Unterrichtsbesuch letzte Woche
    • 12.30 Gespräch Grundschulberatungslehrer
    • 13.45 – 14.15 Gespräch neu gewählter Personalrat
    • 14.15 – 14.45 Bewerbergespräch

Was dazu kam:

  • Absprache Polizeistreife wegen neuem Vandalismus (die vierte Anzeige in 8 Tagen)
  • Drei Telefonate mit KM, statt einem
  • Einem Telefonat Schulaufsicht, eigentlich am Tag selbst auf 11.30 gelegt, dann aber erst 12 Uhr möglich
  • Absprachen wegen Abschlussprüfung morgen, weil Infektionen in zwei Familien von AbschlussschülerInnen (Orga machen die Konrektoren)
  • Gespräch über iPads und Probleme mit Wlan
  • Fünf (!!) KMSe gesichtet
  • Bewerberin kam eine halbe Stunde zu früh

Folgen:

  • keins meiner Gespräche konnte ich wirklich vorbereiten, was ich gern mache, damit ich mir nicht wie ein stotternder Idiot vorkomme, der ständig den Faden verliert
  • ich brauchte bei jedem Gespräch die ersten Minuten, um mich zu sammeln, weil ich noch im vorangegangenen steckte
  • zwei Kaffee waren die einzige Flüssigkeitszufuhr zwischen 8 und 15 Uhr
  • Müdigkeit
  • keine der nicht-terminierten Aufgaben habe ich auch nur angefasst

Ja, ziemlich deprimierend. Aber gut, das meiste kann ich ja beeinflussen.


Der Montag war schon genauso gewesen. Als ob deprimierend nicht manchmal auch schöne Folgen hat.

So endete der Montag.

2021-06-30 #wasmachteigentlichderchef

Ja, was macht der eigentlich?


Urkunden entgegennehmen z.B.


Lesen. (Im Bild: Das Papier, welches für die erste Woche Unterricht nach Ende der Pfingstferien zu bearbeiten war. Bedenken Sie: Dort begann hier in Nürnberg zum ersten Mal wieder der Vollpräsenzunterricht seit dem 16.12.2020)

Ich lese auf Papier, ja, mittlerweile wieder, weil ich seltsamerweise ein besseres Gedächtnis für Seiten habe, wenn ich sie auf Papier lese und markiere.

T-Shirt-Drucke überlegen


Neue Wege mit dem Rad beradeln.

Aber egal, wie ich neuerdings radle, am Ende bleibt immer der West-Park.


Oder der Flughafen bei Nacht.


Und so geht es eben weiter.


Und den noch, auch wenn ich nichts zu schreiben habe.

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https://youtu.be/-UtAV_azaBc

15 Jahre Schulleiter – Öffentlich reden

Anlass: Nachruf/Trauerrede auf einen verstorbenen Kollegen 2019
Ort: Katholische Kirche außerhalb von Nürnberg
Vorbereitungszeit: 9 Tage, von der Bitte, die an mich gerichtet wurde, bis zum Tag der Beerdigung; 3 Versionen, die letzte 12h vor Termin in einem Zug aufgeschrieben
Dauer: Weniger als 10 Minuten


Vor 1,5 Jahren das Manuskript nicht veröffentlicht. Im Jahresbericht ist sie allerdings vollständig erschienen. Im Folgenden überwiegend der Teil, der von mir handelt. Gekürzt, verändert.

In letzter Zeit auch zwei Beerdigungen von Schülern besucht, ein ehemaliger und vor wenigen Wochen ein aktueller (wahrscheinlich der Anlass für diesen Post), und mich an einen Gedanken erinnert, den ich seit der Beerdigung meines Vaters 1992 immer wieder habe: Dass man an einem Grab immer ein bisschen weniger den betrauert, der da nun liegt, sondern eher sich selbst, weil man zurückgelassen wird, etwas einsamer als man es vorher ohnehin schon war.


Sehr geehrte Trauergemeinde,

Ich bin kein Freund und kein Verwandter, ich habe den Verstorbenen „Herr _____“ genannt und er sagte „Chef“ zu mir. Und dennoch verbinde ich mit ihm einen Moment, vor dem ich mich ähnlich gefürchtet habe wie vor dem jetzigen. 

Es war im Februar 2018 die Nacht, in der ich als Stellvertretender Schulleiter schlafen ging und als kommissarischer Schulleiter wieder aufwachen sollte. Um kurz nach Mitternacht erreichte mich auf Whatsapp eine Nachricht, an die ein Video angehängt war. Dort konnte ich sehen und hören wie einige KollegInnen ein Lied für mich sangen, das mir Mut machen sollte. Die Runde war sich nicht sicher, ob man mir das schicken sollte – Er tat es. Er hatte die Gruppe dazu angestiftet.

So einer war er: Dem Chef Mut machen wollen, wenn dieser sich fürchtet.

Wenn ich von ihm als Lehrer sprechen soll, muss ich sagen, dass er ein guter Lehrer war. Ich habe mich bei der Vorbereitung auf heute etwas schwergetan den Anwesenden zu erklären, was ein Schulleiter wie ich darunter verstehe. 

Ein guter Lehrer – stellt sich nicht jeder etwas anderes darunter vor?

Aber in dieser Woche hat mir eine Kollegin, die ihn besser kannte, berichtet, dass er mal von sich gesagt habe: „Ich habe zwei wichtige Dinge von meinem Vater geerbt: Streng zu sein, aber auch herzlich.“ 

Nichts fasst einen guten Lehrer besser zusammen und nichts von beidem kann ohne das andere wirklich wirksam sein. /…/

Nur von einem solchen Lehrer lernen Schüler, nur einen solchen schätzen sie als Vorbild, nur einem solchen folgen sie. 

Und nur so einen beweinen sie, wie ich es in den vergangenen Tagen an meiner Schule erlebt habe, als Schüler um ihn weinten.

/…/ (Ich habe mit vielen KollegInnen über ihn gesprochen)

/…/ es war am Ende /…/ immer ein Lächeln bei meinem Gegenüber. Und das Lächeln barg die Erinnerungen an / ihn / und es beinhaltete immer auch die Idee, dass man einen persönlichen Traum, den man hat, nicht auf später verschiebt, sondern ihn jetzt mit beiden Händen anpackt, sich anstrengt und ihn verwirklicht. (wie er es getan hat) 

Und dann ganz einfach das Surfbrett in den Bus schiebt und losfährt.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Punkt erreichen und dass wir uns nicht erst dann daran erinnern, wie gern wir mit ihm gelacht haben.


#derchefweißauchnichtweiter 2021-05-19

Der Hausmeister schickt mir Bilder. Der Kollege FOS wird ein Telefonat führen. Ich schicke eine Mail an meine RealschulleiterkollegInnen in Nürnberg und frage um Rat. In nächster Zeit wird sich ein Treffen ergeben.

Der Hausmeister versichert mir, dass es jeden Morgen so aussieht. Immer wieder aufs Neue.

Der Sachaufwandsträger verweist darauf, dass es im Arbeitsbereich des Hausmeisters liegt, hier für Ordnung zu sorgen.

Der Hausmeister macht weiter Bilder – keine gute Werbung für die Schule, keine gute Werbung für die Stadt.

Und es sind Wahlen, sagt man. *rolleyes*

Das Schulgebäude auf Apple-Karten. Die Bilder zeigen den Bereich unten links vom Transporter. Der hintere Pausenhof sieht nach dem Wochenende ähnlich aus. Im Bereich links ebenfalls.

#derchefweißauchnichtweiter

Stand der Dinge:

  • 958 Tests für SchülerInnen
  • 12587 Tests für LehrerInnen

Die Corona-Test-Strategie im Bild:

Und es kamen erst gestern wieder neue Kisten, weiß, unbeschriftet, kein Begleitbrief. Inhalt: Hunderte von alternativen Tupfern.


Die Impfstrategie bestand aus einem Link, der mir in einer Email zugespielt wurde. Ein Klick eine Anmeldung und drei Tage später hatte ich eine Spritze im Arm, der zweite Termin steht schon fest. Gestern habe ich meine Registrierung in der zentralen Impf-Anmeldungs-Kartei gelöscht, weil da schon Spinnweben dran waren. Zwei Risikofaktoren hatten nichts gebracht.


Gerade erfahre ich, dass beschlossen wurde, dass der Grenzwert für Schulöffnungen auf 165 festgelegt wird. Vorher war es 100. Ich erinnere mich daran, dass der Wert 165 festgelegt wurde, weil es der Durchschnittswert war an dem Tag, als die KMK dies beschließen wollte. Ich kann nicht in Worten beschreiben, die mir keine Anzeige bringen würden, was ich davon halte.


Kennen Sie den hier? – den habe ich mir grad mehrmals angeschaut, um runterzukommen:

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https://youtu.be/9YRjX3A_8cM

Ich verrate Ihnen auch nicht, dass mir dieses Video ein sehr alter Freund geschickt hat vor ein paar Jahren als ich ihm von den Anfängen meines Schulleiterdaseins erzählt habe. Ein sehr alter Freund, der Psychiater ist.

2021-04-27 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Hilft mir. Waldstrecke genommen, Umweg in Kauf genommen. Wald hilft mir auch.

Morgens noch viel Mond über dem Haus.

Erledigte Aufgaben:

  • telefoniert mit KIBBS für Realschulen an der Staatlichen Schulberatung
  • zusammen Plan gezimmert für den Umgang mit dem Todesfall
  • Sortiert mit anderen Mitgliedern der Schulleitung
  • Diszi-Bescheide fertig gestellt und verschickt
  • Bescheide Leistungsprämie Beamte und Angestellte fertig gestellt und versendet
  • Konzeptgespräch iPad-Klasse, kurz, weil überschattet, vertagt auf kommende Woche
  • Gespräch mit Stellvertreter über Ausgabe Leistungsstand und Zwischenzeugnisse
  • Absprachen DELF
  • Besprechung Unterrichtsstunde von letzter Woche
  • Teams-Sitzung Krisenteam
    • Vorgehen
    • Information
    • Trauerarbeit
    • Kondolenz
  • Eltern angerufen und Absprachen bezüglich Beerdigung und Umgang mit SchülerInnen getroffen, informiert über das weitere Vorgehen
  • Kranzbestellung wieder storniert
  • Emails geschrieben
    • an die Eltern der Klasse
    • an die Elternschaft insgesamt
    • an die Gremien der Schule, die Lehrer, die Schulaufsicht
    • KollegInnen über Impfmöglichkeiten informiert

Die Müdigkeit ist eigentlich das Schlimmste. Wieder mal.


Fahrradfahren hilft.

2021-04-26 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Auf dem Rückweg den Wald erkundet und geschaut, wie ich durchkomme. Fühlte sich nach großen Umweg an.

Vor dem Turm sind über Nacht vier Kräne aufgetaucht.

Erledigte Aufgaben:

  • auf dem Anrufbeantworter der Schule eine Nachricht: am Tag vorher ist einer unserer Schüler gestorben
  • mit den Eltern telefoniert und erste Absprachen getroffen, in der Schulleitung abgesprochen
  • Personalpflege zur Unterrichtsplanung (UP)
  • Klassen eingerichtet (UP)
  • Personalakten hinterher telefoniert
  • Termin Krisenteam gesetzt für den folgenden Tag

Müde. Ein bisschen geweint.

Sozialkunde leicht gemacht 21 – Im Bundestag

Ich kam erst 10 Minuten vor der Stunde drauf und dann ging es in der Stunde hauptsächlich darum: Eine Bundestagsdebatte.

Ich weiß gar nicht, warum ich das nicht öfter mache. Ich fürchte, dass ich meine SchülerInnen dauernd unterschätze. Im letzten Jahr habe ich im Lockdown etwas zum Thema Gesetzgebung gemacht und dann Auszüge aus der Debatte über ein Organspendegesetz analysieren lassen. Vor einer Woche stand dann das Thema wieder auf dem Stundenplan, diesmal aber zur „Bundesnotbremse“. Und ich hatte Sozialkunde just zu der Zeit, in der die erste Lesung stattfand. Also habe ich es laufen lassen, später dann aus der Mediathek geholt.

Quelle

https://www.bundestag.de/mediathek/ – Bundestagsfernsehen sozusagen.

Bundestagsdebatten zum Ansehen und Nachsehen. Eigentlich richtig klasse. Mit Tagesordnung und Unterlagen zum Nachlesen.

Ich habe folgenden Sitzungstag ausgesucht, 222. Sitzungstag, 16.4.2021:

https://dbtg.tv/fvid/7515421

Mein Umgang damit, das meiste im Gespräch

A) Argumentation

Natürlich ging es in erster Linie darum, die Argumentation der einzelnen Redner nachzuvollziehen und die wesentlichen Argumente herauszuziehen. Abschließend dann zu bewerten. Damit ist man schon ausreichend beschäftigt.

Als wir am Tag und live hineingingen, fielen mit aber noch viele Ebenen mehr ein:

B) Sitzordnung und Aufbau Bundestag

Aus einem Standbild heraus, Kameraperspektive von schräg links hinter dem Bundestagspräsidenten über das gesamte Plenum und vorn raus aus dem großen Fenster, wo die Säulen des Reichstagsgebäudes zu erkennen sind.

Was finde ich?

  • Sitzordnung und Sitzeverteilung im Halbkreis (Grafik dazu ist im Internet schnell gefunden)
  • links und rechts kann man erklären
  • vorn das Stenografenpult, also erkläre ich gleich das mit (irgendwie gibt es eine feine Maus-Sendung dazu – da habe ich mein Wissen her über die BundestagsstenografInnen)
  • Regierungsbank
  • Zuschauertribüne

Wenn ich es erweitern möchte, dann zeige ich noch auf Googlemaps das Regierungsviertel und lasse sie erklären, wo die Bundesorgane sitzen und wo das Bundesverfassungsgericht ist und frage, warum es nicht in Berlin ist.

Ich erkläre dabei vor allem, dass im Plenum (der Versammlung) geredet wird über die Gesetze, deren Erarbeitung aber in den Ausschüssen vorab schon gelaufen ist und weise auf die Abgeordnetenbüros hin mit den halbrunden Türmen der Ausschussräume, die man auf dem Satellitenbild gut erkennen kann. Die SchülerInnen merken aber schnell, dass nicht nur über die Gesetze geredet wird.

Ich war oft genug mit Schulklassen in Berlin und im Reichstag, dass ich mich auf den Karten ordentlich auskenne – und mir jetzt wieder dachte: Ich muss mal wieder nach Berlin. Und wenn ich es nur in den Prater schaffe.

Ich muss nach Berlin.

C) Ablauf der Debatte

Am Tag selbst war der Filmbeitrag in der Mediathek länger, das heißt es wurden auch die Minuten vor Beginn der Debatte übertragen. Und dann konnte ich schnell die Frage stellen: Wer ist die mächtigste Person im Saal? (Merkel?) Dann gongt es, es wird schnell ruhig, man begibt sich zum seinem Platz. Herr Schäuble rollt herein.

Was finden die SchülerInnen?

  • Nach dem Gong rollt Herr Schäuble herein und alle stehen auf, alle, auch Frau Merkel (Wer ist die mächtigste Person?)
  • der Präsident begrüßt alle und erlaubt, dass sie sich setzen (Er begrüßt alle mit „Liebe Kolleginnen und KollegInnen“) ( Mächtigste Person?)
  • er erklärt die Tagesordnung und erwähnt den Ältestenrat
  • er gibt einen Ausblick auf die kommende Woche
  • er erklärt den Ablauf und die Regeln in der folgenden Debatte
  • er erteilt den einzelnen Rednern das Wort

Wer ist also die mächtigste Person?

Im Verlaufe des ersten Beitrags wird er noch einmal aktiv werden. Es gibt Zwischenrufe (was meine SchülerInnen besonders aufmerksam werden lässt – ein Schüler: die sind ja wie die Hooligans im Stadion) (!) während der Merkelrede. Der Präsident unterbricht und fordert auf, sich zu benehmen im Hinblick darauf, welches Bild man doch hier jetzt abgäbe nach außen in dieser ernsten Situation.

Ich meine, dass der Präsident dabei besonders nach rechts schaut.

Man kann mit den SchülerInnen überlegen, welchen Zweck solche Zwischenrufe haben.

D) Auftritte der RednerInnen

Frau Merkel ist die erste: Warum wohl?

Frau Weidel ist die zweite: Warum wohl?

Je nach Lage lassen sich die einzelnen Beiträge über die Argumentationen hinaus analysieren und sich z.B. fragen, welche Schwerpunkte die Redner setzen und warum.

Frau Merkel geht z.B. auf volle Krankenhäuser ein und besonders auf die Ausgangssperre. Erklärt dann genau, dass diese nur ein Bestandteil von mehreren ist.

Bei Frau Weidel fällt manchen SchülerInnen nicht nur der unangenehme Ton auf, sondern auch, dass typische Wahlkampfthemen erwähnt werden, wenn von „Clan-Hochzeiten“ und „Drogendealern“ gesprochen wird (Schüler: Was hat das denn mit Corona zu tun?).

Ich zeige noch Herrn Bartsch von den Linken, der zwischendrin auf Herrn Brinkhaus losgeht und ihm vorwirft, dasss die Union hier alle mit der K-Frage „belästigt“, wo es doch um wichtigere Dinge gehen würde.

Ein Redbeitrag im Bundestag erfüllt auch viele andere Zwecke.

Die Reden beeindrucken die SchülerInnen stellenweise. Vom Auftreten her, von den Argumenten und dem ganzen Ablauf im Bundestag.

Fazit

Das mache ich jetzt öfter. Die Lehrkraft kann an nur 20 Minuten mehr Politik sichtbar machen und Diskussionan anregen als mit jedem Zeitungsausschnitt und Arbeitsblatt. Das meiste habe ich mir spontan während der Stunde zusammengebaut. Arbeitsblätter lagen zwar auf OneNote, aber nun.

Habe neulich den englischen Begriff des „door knob teaching“ gelesen, also das Pendant zur Türschwellendidaktik. Irgendwie beherrsche ich es noch.

2021-04-22 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Wird wärmer morgens. Nachmittags sowieso. Rückweg Wald probiert, aber das war alles zu unübersichtlich und umwegig.

Simra-App installiert. Erst gestern davon gelesen.

Heute dieselbe Perspektive ohne Nebel.

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Erledigte Aufgaben:

  • Kontakt Landesamt wegen Verträgen
  • Online Anmeldung überschaut, Anmerkungen versendet
  • Gespräch Sozialpädagoge zum Thema Ganztag
  • Planung Projekt Demokratieerziehung
  • Angefangen die Klassen neu zu erstellen für die Unterrichtsplanung
  • Gespräch Respizienz
  • Sitzung Personalrat
  • Videokonferenz Schulaufsicht

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Coronabeobachtung: Lunten werden kürzer.