Brain-Dump 2019-04-14

Begräbnisse

Wenn man lange an einem Ort wohnt und unterrichtet, wird die tägliche Lektüre der Tageszeitung auch zur Gewohnheit. Und manchmal ahnt man schon bei Berichten über Unfällen etwas. Und manchmal bestätigt es sich in den Sterbeanzeigen.

Zu unterrichten bedeutet, dass man viele Menschen und Namen kennt, nüchtern betrachtet erhöht sich die Chance, junge Menschen zu kennen, die verstorben sind. Nüchtern betrachtet.

Fahrrad fahren

Seit Ende Februar

Erholung, Stress

Stress, seine gesundheitlichen Folgen, Erholung sind immer noch Themen, die wichtig sind. Es gibt gute Tage und schlechte Wochen. So wie die letzte vor den Ferien. Lange Tage, konfliktreich, mit neu eröffneten Baustellen, erschöpfend.

Ganz nüchtern: Ich merke mittlerweile, wenn es mir an die Substanz geht. Diese Erkenntnis halte ich schon mal für einen Fortschritt. Als nächstes müsste ich dann wohl die Themen Erholung oder Resilienz angehen.

Auf unserem pädagogischen Nachmittag erfuhr ich näheres von AGIL, einem Trainingsprogramm zur Gesundheitsförderung bei Lehrern. Leider konnte ich den Vortrag nicht ganz mithören, weil ich gleichzeitig noch einen Termin mit der Stadt (= dem Sachaufwandsträger) hatte (sic!). Also besorgte ich mir als E-Book das Traningsmanual und vorab diente mir eine Zusammenfassung noch einmal als Grundlage. Es sind Ferien, ich kann lesen.

Bei der Zusammenfassung gibt es auf Seite 258 eine griffige Übersicht, die auch im Vortrag auftauchte, dort aber mit Merkmalen der einzelnen Stufen. Ich erkannte mich an manchen Tagen auf Stufe III wieder, mit Gedächtnislücken, innerem Rückzugsverhalten, Entscheidungsproblemen.

In der letzten Woche sind leider meine Entlastungsstrategien (z.B. das Meditieren, Tagebuchführen) etwas zurückgetreten – dennoch blieb das Radfahren: nach der Sitzung des Elternbeirats auch mal nachts, am Dienstag auch bei Regen und jeden Tag eine andere Strecke, weil ich einige Gespräche an anderen Schulen hatte. Insgesamt brachte ich es auf 250km in diesen 5 Tagen.

Free Solo

Die Dokumentation Free Solo ist mit Abstand die nervenaufreibendste Dokumentation gewesen, die ich je gesehen habe.

Gut, ich schaue wenig Dokumentationen.

Aber ich habe bisher alle Staffeln von The Walking Dead gesehen und die waren ein Spaziergang dagegen.

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https://www.youtube.com/watch?v=urRVZ4SW7WU

Erweiterte Schulleitung

Ein guter Mensch sein

Notizen, Notizenverwaltung, Handschrift digital


Brain-Dump 2019-04-02

Herr Grün kocht

Jemand, der mir auf Twitter folgt, merkt, dass ich ein paar Mal auf Herrn Grün verwiesen habe. Ein paar wirklich gute Rezepte sind mir da untergekommen, mit den dazugehörigen Geschichten. Alles vegetarisch.

Und einiges mehr.

Entscheidungen treffen

Ein sehr spannendes Video gesehen, Wieder mal TED.

Interessant der Gedanke, dass es bei schweren Entscheidungen nicht um eine schlechte und eine gute Alternative geht.

Ruth Chang: How to make hard choices

Digital Cleaning – Ordnung und Struktur

Baustellen und Fronten

An der Schule gibt es beides – und viel mehr natürlich. Aber ich hangle mich grad zwischen Baustellen und Fronten hindurch. Manches ist wohl an ziemlich jeder Schule eine Baustelle oder eine Front. Anderes sicher nur an Stadtschulen. Weniges nur bei uns.

Ich frage mich, wo ich mich bei den Fronten positionieren soll. Dazwischen wäre übel, da man aufgerieben wird. Auf eine der Seiten wäre auch seltsam. Auf keiner…das kann es nicht sein. Ich habe versucht neutral zu bleiben, aber das hilft auch nicht.

Fronten sind tückisch, weil man eigentlich nur den vorderen Schützengraben sieht, aber nicht die Versorgungsgräben, die Luftunterstützung oder die Artillerie.

Und manchmal umweht einen die Kriegspropaganda.

Kriegsmetaphern. Verstörend.

Baustellen sind dagegen übersichtlicher. Aber auch schwierig. Man versucht sie abzusperren, was dazu führt, dass der andere Fluss auch ins Stocken gerät. Schnelle Lösungen gibt es nicht. Improvisieren ist auch nur für den Anfang was. Auch wenn es ja oft heißt „Nichts ist haltbarer als ein Provisorium“.

Baustelle heißt auch, oft mit dem falschen Werkzeug unterwegs zu sein oder fehlerhafte Ersatzteile zu bekommen.

Vielleicht hilft die Erfahrungen anderer Arbeiter.

Tag der Metaphern.

Nach der Beurteilung ist vor der Beurteilung

Der Beurteilungszeitraum endete mit dem vergangenen Jahr. Und ich beginne gerade mit den neuen Unterrichtsbesuchen.

Folgende Beurteilungen stehen an:

  • Zwei Probezeitbeurteilungen
  • Fünf Referendar-Beurteilungen
  • Eine Zwischenbeurteilung
  • Mindestens eine Beurteilung für das Jahr nach der Verbeamtung

Ich fürchte mich vor den Blicken der KollegInnen, wenn ich sie im Lehrerzimmer abhole.

Erweiterte Schulleitung

Fahrrad fahren

Brain-Dump 2019-03-24

Der Naturbursche spricht

Die Böden sind noch trocken, es ist erst März. Ich bin von dem einen Golfclub wieder zum alten Golfclub gewechselt, weil mir die Fahrerei zu doof war. Abenberg ist ein toller Platz, aber der Spaß vergeht einem am Sonntag auf der A6 – an anderen Tagen auch. Der alte neue Platz ist einfacher zu erreichen und über verschiedene Wege.

Ich bin ja nicht so der Naturbursche, aber ich merke schon, dass es zwar Frühling sein mag, aber die Natur langsam in Schwung kommt. Morgens kann ich mit meinem Rad schon durch den Wald fahren, denn der Bodenfrost ist verschwunden, aber die Böden sind enorm trocken – man mag meinen vom letzten Jahr, in dem es so wenig Niederschläge gab. Und so gibt es auch auf dem Golfplatz viele Stellen, die noch ein paar Wochen brauchen.

Dennoch wurde angegolft.

Schlaf-Apnoe

In Zusammenhang mit gesundheitlichen Auffälligkeiten hat mich mein Hausarzt vor allem wegen meines hohen Blutdrucks und ein paar außer Kontrolle geratenen körperlichen Messwerten vor 2 Jahren mal auf die Rundreise zu verschiedenen Ärzten geschickt. Bei allen dieselben Aussagen:

  • also nein, organisch ist nichts,
  • aha, Sie sind Lehrer und in der Schulleitung,
  • hmmmhhmmm (sorgenvoller Blick)

Lediglich der Pneumologe meinte was zu erkennen und gab mir nach erster Untersuchung (24h Messgerät für den Schlaf) eine Überweisung ins Schlaflabor. Dort diagnostizierte man dann eine sogenannte obstruktive Schlaf-Apnoe. Die genannten Symptome wie starke Tagesmüdigkeit und lautes Schnarchen kannte ich schon, dass ich aber nachts durchschnittlich 50x/Stunde das Atmen einstelle, war mir neu. Seitdem schlafe ich mit einem CPAP-Gerät, welches dies verhindert. Die positiven Auswirkungen sind enorm.

Warum ich plötzlich hier so intim werde? Um anzuregen, dass Mann auch mal früher zum Arzt geht und nicht erst, wenn die Ärzte sich schon Sorgen machen. Dass ich regelmäßige Komplettuntersuchungen beim Arzt durchführe, sollte man auch erwähnen. Inklusive Krebsvorsorge.

Meditation

Meditation war schon länger eine Sache, die mich immer wieder faszinierte, bei der ich aber kein Durchhaltevermögen (wie bei vielen anderen Dingen) besaß. Und drüber zu reden mit anderen war auch nicht drin – als Spinner zu gelten ist ja eine feine Sache, aber ein esoterischer Spinner, nun ja.

Dann erzählte mir eine Freundin, dass sie mit Yoga und Meditation ihre bipolare Störung in den Griff bekommen habe – und empfahl mir, nachdem ich ihr von „meinem Leben berichtete“, eine App zur angeleiteten Meditation. Den Mitbegründer der App-Firma hat natürlich einen TED-Eintrag.

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https://www.youtube.com/watch?v=qzR62JJCMBQ

Das Ganze gibt es auch mit deutschen Untertiteln.

Und so sitze ich nun seit Anfang Januar sehr oft, fast täglich da und lasse mich anleiten, zehn Minuten lang.

Zwei meiner wichtigsten Entwicklungen seitdem:

  • Ich kann diese (meist negativen) Gedankenkreisel, die scheinbar so einfach mit einem kleinen Gedanken anfangen und dann in mittleren Lebenskrisen enden, ganz einfach schon im Anfang beenden bzw. ableiten
  • Ich bin wirklich gelassener geworden.
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https://www.youtube.com/watch?v=qxyVCjp48S4
Training The Monkey

Und wie es so ist. Ich erzählte von meinem CPAP-Gerät und schon tauchten im Bekanntenkreis mehrere auf, die jemanden kannten, der das auch nutzt. Und das mit der Meditation – dito.

Manchmal bin ich weniger Spinner als ich denke.

Digital Cleaning – Ordnung und Struktur

Entscheidungen treffen

Fahrrad fahren

Ich habe meine Monatskarte gekündigt.

Brain-Dump, 2019-03-17

Jemand erwähnt im Gespräch, dass er gern in meinen Blog reinliest, aber in letzter Zeit so wenig passiert. Stimmt.

Artikel von Postings, die ich auf Halde habe, also unveröffentlicht, weil noch ungeschrieben:

Als brain-dump bezeichne ich in den letzten Wochen eine Methode, um den Kopf frei zu bekommen. Es geht einfach um das Aufschreiben aller Projekte und Baustellen, die jeweils aktuell anstehen. Das füllt in der Regel zwei DINA4 Seiten. Letztlich vergleiche ich es mit Höhlenmalerei, mit dem Bannen des Unheimlichen. Es wirkt erleichternd. Aber natürlich ist die Arbeit damit noch nicht gemacht. Aber es vermittelt ein Gefühl von Machbarkeit im Gegensatz zum fast schon normalen Gefühl der Überforderung.

Mein neues E-Bike ist fantastisch. Es kam schneller als gedacht, was mich erst zweifeln ließ, wann ich denn das erste Mal fahren würde. Aber ich bin dann einfach los damit, zur Arbeit. Und die frostige Kälte war nicht schön morgens. Aber es hat mich nun schon so gepackt, dass ich, wenn ich mit dem Auto fahre, die Strecke im Kopf mit dem Rad verfolge. Und es vermisse. Letzte Woche nur einmal gefahren, weil es zu viele Termine gab, die ich mit dem Rad nicht in akzeptabler Weise und Zeit schaffen konnte. Apropos Zeit: Der befürchtete Zeitverlust im Alltag ist zu vernachlässigen. Ich benötige morgens etwa 35-45 Minuten mit dem Auto, nachmittags/abends oft bis zu einer Stunde (der Umbau des Kreuzes mit Zufahrt von A6 auf A9 in Richtung Berlin lässt Übles erwarten, es gibt Alternativen). Mit dem Rad fahre ich stabil eine Stunde und ein paar Minuten. An jedem Tag, auf beiden Strecken. Und es gibt deutlich mehr Alternativen als mit dem Auto. Und es ist schön.

Nazis. Ich möchte seit Wochen gern darüber schreiben, dass ich Nazis immer noch gern Nazis nenne. Und es ist dann keine „Nazi“-Keule ist. Und ich halte nichts von dem Einwurf, dass „Nazis“ nur die wären, die „Hitler verehren würden“. Ich meine eher, dass Nazis die deutsche Variante der Faschisten sind. Und diese brauchen Hitler nicht und nicht mal den Holocaust. Und ja, ich halte auch die AfD mindestens für eine Vorstufe von Nazitum, weil ich sie als revanchistisch, rassistisch, revisionistisch, militaristisch, rechts-ideologisch und letztlich offen verlogen einstufe. Und ich meine, wer Weidel oder Gauland nicht für Nazis hält, sollte sich überlegen, wen man denn in Zukunft zum „GauleiterIn der Nördlichen Mark zwischen Bremen und Königsberg“ ernennen würde? Na?

Streiken für das Klima. Das habe ich ja aus schulischer Sicht schon beschrieben. Privat denke ich, dass andere Themen drängender sind und frage mich, wie das Thema Klima so auf die Agenda nach vorn rutschte. Nach meinem Empfinden und alltäglichem Erleben sehe ich als dringenderes Problem das Abdriften nach rechts, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. Rechte Heilsversprechen sind nicht das, was ich politisch umgesetzt erleben will. Wenn ich allerdings in den letzten Tagen die Reaktionen der „Kritiker“ lese, die sich an Greta Thunberg abarbeiten, dann bekomme ich Nackenschmerzen vom Kopfschütteln und habe richtige Lust, mal nächsten Freitag in die Stadt zu gehen.

Grad entdeckt: Und es geht immer noch wirrer, wenn die AfD Greta Thunberg und Christchurch in einem Atemzug nennt und ursächlich verbindet. Frankfurter Rundschau

Disziplinarverfahren. Der Disziplinarausschuss unserer Schule hat die ersten Sitzungen hinter sich. Erfahrungsgemäß fangen die ersten im Januar an und ziehen sich bis in den Juli. Stadtschule, ja. Brennpunktschule, vielleicht. Aber eben Schule immer wieder auch als Brennpunkt aller gesellschaftlichen Verwerfungen, von Arbeitslosigkeit, Armut bis hin zu Missbrauch, Gewalterfahrung, Abhängigkeit und Traumatisierung. Im Mittwochbriefing letzte Woche habe ich die Ergebnisse der Sitzung vom Tag zuvor berichtet und ergänzt, dass mich diese Sitzungen nie kalt lassen. Dass sie dann wieder in mir hervorkommen, wenn ich nicht aufpasse und dann die inneren Abwehrmechanismen kurz auf Standby gehen (z.B. Beim Autofahren, nie auf dem Fahrrad). Disziplinarverfahren sehe ich nie als „Strafmaßnahmen“, sondern immer als den Versuch, das Handeln oder Nichthandeln von Kindern in besonderen Situationen zu verstehen. Eine Ordnungsmaßnahme daraus wird in der Regel begleitet von pädagogischen Leitplanken. Keine Entscheidung geschieht leichtfertig oder übereilt. Manchmal aber, um die Eltern überhaupt an die Schule zu bringen und zu sagen: „So gehts es nicht weiter.“

Was im Internet steht. Unsere Schule hat auch Kommentare im „Internet“. Keine guten stellenweise. Anfangs habe ich da noch ab und an geantwortet und zum Gespräch eingeladen. Mittlerweile bin ich es leid. Ich werde innerlich sehr zornig, wenn ich solche Sachen andeutungsweise erfahre oder lese – ich mache es nicht mehr, wie gesagt. Zornig, weil ich sehe, wie sehr (nicht nur) wir als Schule uns anstrengen, über den Unterricht hinaus, weit über das Lernen hinaus. Und was bleibt, sind Kommentare im Internet von Feiglingen, die ihren Namen nicht sagen wollen, um nicht angreifbar zu sein, während mein Kollege sich morgens ohne Fallschirm und mit vollem Namen nach vorn stellt. Dies betrifft auch Briefe, die an die vorgeordneten Behörden gehen und wozu man dann gern eine Stellungnahme von mir möchte. Anonym. Feige.

Meditation.

Schlaf-Apnoe.

Katzen.

Lesen. Gestern Hinweis auf eine Liste dystopischer Romane und Sachbücher bekommen als Anregung bei www.kritisch-lesen.de.

Eichhörnchen. Via @vorspeisenplatte

Christchurch und friedliche Moscheen. Via @vorspeisenplatte.

18 Jahre Schulleiter: Montag

  1. Früher aufgestanden und mit dem Fahrrad meine 23km zur Schule gefahren (OK, mit dem neuen E-Bike). Tolle Stimmung am Morgen, in den Pegnitzauen einen Specht gehört, Nürnberg noch ein wenig im Schlaf. Nur ein paar Grad unter Null.
  2. Erlebt, dass Kollegen in Sachen Inklusion tolle Arbeit leisten, ohne dass ich/man sie „von oben“ dazu auffordern muss.
  3. Endlich den Namen des kleinen Mädchens erfragt, welches mich im Laufe des Vormittags, nahezu jeden Tag seit einiger Zeit, vor meinem Büro so fröhlich begrüßt. (Hallo Ronja)
  4. Bei einem Telefongespräch mit „dem Anwalt“ „bedroht“ worden.
  5. Eine 9. Klässlerin gelobt, die letzte Woche eine tolle Präsentation gezeigt hat. (Gut gemacht, Nathalie)
  6. Eine kluge Kollegin im Lehrerzimmer in ihren Entscheidungen ermutigt, ihr mein Vertrauen ausgesprochen.
  7. Gefreut auf das Heimradeln. Im Gegensatz zu letzter Woche ohne Mütze und Handschuhe heimgeradelt. Endlich auch wieder durch den mittlerweile eisfreien Wald. Schon in der 6. Stunde drauf gefreut. Um 16 Uhr losgeradelt.
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https://www.youtube.com/watch?v=HGqp_Ewj9s8

Arbeitszeit Schulleiter

Weil Timo davon schrieb, habe ich mal meine LDO (Lehrerdienstordnung) angeschaut. Die Formulierung ist ein wenig anders. Man spricht von der Hauptunterrichtszeit.

Dies wird gern ergänzt durch die AGO (Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern). Dort heißt es dann

Entsprechend interpretiert man, dass die Schulleitung bis 16 Uhr besetzt sein muss. Dies gewährleisten wir, indem wir die Mitglieder der Schulleitung auf die Tage verteilt. Jeder hat dann seinen Nachmittag.

Was Timo schreibt kenne ich aber auch. Das mit dem schlechten Gewissen beim früheren Gehen. Auch ich habe mir das mit dem einen Tag in der Woche vorgenommen. Auch bei mir scheitert das momentan einfach. Auch ich habe viele Entschuldigungen. Auch meine KollegInnen fragen mich schnippisch: ist heute nicht DER Mittwoch?

Das Schwierige ist aber wirklich die Unwägbarkeit der Vormittage. Man plant Gespräche zur Beurteilung oder mit Eltern oder KollegInnen – und dann gibt es einen Fehlalarm im Schulhaus oder einen Polizeieinsatz auf dem Schulgelände oder auch viel weniger Spektakuläres, was den Arbeitsfluss stört. Und dann schiebt sich alles nach hinten. Alternativ auch gern bei Erkältungswellen, wenn der Vertretungsplan explodiert und kein Gesprächstermin funktioniert, weil alle im Unterricht sind.

Und dann gibt es die Phasen mit den vielen Extrageschichten: Beurteilung, Beurteilungseröffnung, Elternbeiratssitzung, Vorbereitung Infoabend, Infoabend, Schulforum, Disziplinarausschuss, Lehrerkonferenz, Schulentwicklungsteam, Fachsitzungen, Bewerbungsgespräche, Einstellungsverfahren. Hier ist Delegieren in der Regel nicht möglich, weil der Schulleiter dabei sein muss.

Ja, aber ich schaffe es noch mit dem Mittwoch.

Wenn die Golfsaison angefangen hat.

Und weil es wichtig ist.

Als Trost für Herrn Klinge gedacht.

Bulldog-Fahren

  1. 25 km/h sind ausreichend.
  2. Am Tag mit Licht durchs Dorf fahren macht nur der Depp.
  3. Grüßen, immer, auch wenn man dich nicht kennt. Man kennt deinen Bulldog und dem, der ihn gehört – du bist halt der neue Knecht.
  4. Wenn der Nachbar am Zaun steht, gibt’s sicher was zu berichten. Halt an, steig ab, lass den Bulldog laufen – neu anwerfen kostet zu viel Diesel.
  5. Wer mit dem Bulldog noch nie steckengeblieben ist im Wald, der ist noch nie Bulldog gefahren.
  6. Vorglühen!
  7. Bulldog – nicht Trecker.

Frank Berzbach. Die Kunst ein kreatives Leben zu führen.

Bis auf das langatmige Endkapitel über die Zubereitung von Tee ein sehr spannendes Buch, welches ich in Einzelkapiteln sicher noch Mal zur Hand nehmen werde. Und ja, es kommt sehr oft etwas in der Art des Wortes „Achtsamkeit“ vor. Ja, ich gebe zu, dass ich derzeit auf der Suche bin, wie man so schön sagt. Verlag.

Motiviert von Karla Paul, wie öfter in den letzten Jahren.

Ein Kind hält den Mund – eine Entgegnung für Herrn Rau

Weil das doch für eine gute Sache war.

Manche Dialoge in der Schule gehen so:
„Herr Kuban, bekomme ich eine Strafe, wenn…“
„JA!“

Ich unterbreche, weil ich in der Regel weiß, was dann folgt. Die Beschreibung eines Handelns, was ganz sicher würdig ist für eine Ordnungs- oder Erziehungsmaßnahme (gem. BayEUG Art. 86). Und dann sind sie immer enttäuscht, was ich nicht verstehe.

Hallo? Ich bin Lehrer und Schulleiter?!?

Neulich threemte mir eine Kollegin meiner alten Schule die Frage, was ich mit meinen Schülern machen würde, wenn sie (während der Schulzeit) zum Demonstrieren (für das Klima) gingen. Meine Antwort war klar: Es ist verboten, entsprechend wird das geahndet als unentschudligtes Fernbleiben vom Unterricht. Schüler besitzen kein Streikrecht, ebensowenig wie viele andere Rechte (Recht auf Freizügigkeit, freie Entfaltung der Persönlichkeit u.a. – „Schule ist Knast„). Andersherum unterliegen sie der Schulpflicht. Diese zu erfüllen ist ihre Aufgabe ebenso wie die der Eltern. Eine eindeutige Geschichte.

Ob ich nicht Sympathien hegen würde für die Demonstrierenden und ich würde doch sicher mitgehen wollen.

Ungeachtet aller möglichen Sympathien, die ich hege, würde ich keinen Schüler irgendwohin schicken, wo er dann demonstriert. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und nichts anderes ist das Demonstrationsrecht, soll ja eben das sein: frei. Jemanden zu schicken wäre mir zu abseitig.

Als ich selbst mal Schülersprecher war, forderte man mich auf, das ich meine Schüler für eine Demo mobilisieren sollte, schnell, viel. Damals habe ich mich dem verweigert und darauf gepocht, dass man die erst mal gründlich informieren sollte, um ihnen dann die Wahl zu lassen. Einer nannte mich damals einen „Scheiß-Liberalen“ – dass der dann später selbst bei den Julis auftauchte ist nur eine der vielen Webfehler in meiner persönlichen Lebensmatrix. Man sollte auch erwähnen, dass ich so viel informiert habe, dass die meisten damit erschlagen wurden. Aber egal –

Wer Kindern sagt
Ihr habt links zu denken
der ist ein Rechter


(Erich Fried)

Habe ich nicht jemals dasselbe getan, werde ich dann gefragt. Und ja, sage ich, das habe ich. Vor 35 Jahren irgendwann mal, da war ich, mit einigen meiner Lehrern, auf einer Demo, vormittags, in der Stadt. Und ich meine, es ging gegen eine Bildungsreform im Stile des G8. Das wollten wir damals nicht (damals in der Nähe von Köln, also NRW). Ich weiß, dass wir damals auch mit Strafe bedroht wurden „von oben“ – und wir sind dennoch gegangen (ich kann mich nicht erinnern, dass etwas passiert ist).

Aber ich meine, das ist der Punkt. Was ist ein Streik wert, der erlaubt ist?

Das nennt man einen Ausflug.

Nach meiner Denkungsart muss ein Streik weh tun, dem Bestreikten und dem, der streikt. Und wenn es nur die Befürchtung ist, dass etwas weh tun wird.

Was ein Kind gesagt bekommt
Von Bertolt Brecht

Der liebe Gott sieht alles.
Man spart für den Fall des Falles.
Die werden nichts, die nichts taugen.
Schmökern ist schlecht für die Augen.
Kohlentragen stärkt die Glieder.
Die schöne Kinderzeit, die kommt nicht wieder.
Man lacht nicht über ein Gebrechen.
Du sollst Erwachsenen nicht widersprechen.
Man greift nicht zuerst in die Schüssel bei Tisch.
Sonntagsspaziergang macht frisch.
Zum Alter ist man ehrerbötig.
Süßigkeiten sind für den Körper nicht nötig.
Kartoffeln sind gesund.
Ein Kind hält den Mund.

18 Jahre Schulleitung: Tschüss Leben

Eine Freundin wollte letzte Woche wissen, wie meine Terminlage so steht. Ich schickte ihr einen Screenshot meines Kalenders. Ihre Antwort war knapp.

Ich wollte hier auf meinem Blog eigentlich nie rumjammern, um u.a. nicht die Frage zu provozieren, warum ich das eigentlich mache. Und weil ich das grundsätzlich seltsam fände. Vielleicht auch weil ich befürchte, wenn mal das Tor offen ist, ich es nicht mehr schließen kann.

Aber ich war heute das dritte Mal in Folge am Wochenende in der Schule und habe dort gearbeitet. Ich kam in der letzten Woche an keinem Tag im Hellen nach Hause. Am Mittwoch war es nach 22 Uhr. Ich habe mir vorgenommen an solchen Tagen mittags eine Pause zu machen – vergeblich. Ich habe mir vorgenommen an solchen Abenden nicht auf dem Heimweg bei unseren amerkanischen Freunden zum Essen einzukehren.

Ich habe aktuell zwei Coaches: Eine Psychologin, die versucht, mir den Wert von Pausen zu vermitteln, von Bewegung, einem inneren aufgeladenen Akku, Listen mit Scheiß-Aufgaben. Und eine Schulleiterin-Kollegin, die es mittlerweile schafft, Mittagspausen zu machen.

Ich würde gern ein paar Postings schreiben, um ein paar der tollen Erlebnisse der vergangenen 12 Monate zu dokumentieren:

  • mein erstes Feld gepflügt
  • zum ersten Mal geritten
  • mitgeholfen ein Haus abzureißen
  • mehrfach einen Misthaufen ausgebaggert und ausgebracht
  • bei der Heuernte geholfen
  • im Bayerischen Wald Golf gespielt

Ich würde gern wieder mal an der See stehen. Und lernen, wie man mit der Kettensäge umgeht. Muss unbedingt mal wieder angeln gehen. Und was fangen. Und es essen,

Ich hätte gern wieder das Gefühl, selbst das Steuer in der Hand zu haben.

18 Jahre Schulleiter: Rhythmus-Veränderungen

Weihnachten ist erreicht – nach bayerischer Ferienzeit-Messung ist das immer eine große Hürde. Ich erreiche diese Ferien in der Regel mit einer Erkältung, die aber dieses Jahr eher diffus bleibt und sich nur in großer Müdigkeit zeigt.

Erst vor einigen Wochen habe ich für mich entdeckt, dass neben vielen kleinen Veränderungen mir vor allem auffällt, dass sich mein Schuljahresrhythmus verändert seitdem ich Schulleiter bin. War er vorher – also mit mehr Unterricht – noch geprägt von den Abfolgen eines Lehrers mit Schulaufgaben, also der Notengebung insgesamt, damit in Zusammenhang mit Elternsprechtagen und Zeugniskonferenzen, so bestimmen nun andere Eckpunkte meinen Rhythmus:

  • Lehrerkonferenzen
  • Sitzungen von Gremien: Elternbeirat, Schulforum, Schulentwicklung
  • Verlautbarungen und Anweisungen aus dem KM
  • Wochenbriefings mit den Kollegen
  • Dailys innerhalb der Schulleitung (= tägliche Treffen in einem Büro, morgens vor dem Unterricht, zwanglos, Austausch von Tages-Informationen)

Bald steigen wir ein in den Ablaufplan zur Abschlussprüfung, dann kommt schon das Halbjahreszeugnis und leider kündigen sich die ersten Disziplinarausschüsse an. Dazu kommen Treffen mit externen Partnern, bzw. solchen, die man dazu machen möchte (Grundschulen, Firmenvertretern). Sitzungen mit allen Beteiligten rund um das Schulhaus. Sitzungen mit der FOS als zweite Schulart innerhalb des Gebäudes. Und dazu die Fortbildungen für neu ernannte Schulleiter in Dillingen.

Sonstige Änderungen:

  • Es wird jetzt wirklich, echt schlagartig ruhig, wenn ich ein Klassenzimmer betrete, das Lehrerzimmer kann sich noch nicht immer entscheiden, wie ruhig es wird, wenn ich komme
  • Schüler erkundigen sich besorgt bei Ihrem Lehrer, was ich denn wolle, wenn ich einen Unterrichtsbesuche mache und glauben, ich höre sie hinten nicht
  • Kollegen werden noch starrer, wenn ich sie im Lehrerzimmer bitte, zu mir ins Büro zu kommen (ich gehe jetzt dazu über, Zettel zu hinterlegen, auf denen ich notiere, dass ich eine Rücksprache wünsche) – ich führe Gespräche einfach lieber in meinem Büro als im Lehrerzimmer, wo doch viele zuhören
  • Ich gebe Aufgaben ab – manchmal erst nachdem ich tagelang ein schlechtes Gewissen mit mir herumschleppte, dass ich mit der Sache noch nichts angefangen habe, bis ich dann merke: Hey, das war meine Aufgabe als Konrektor, also gebe ich sie doch auch dem Konrektor, dem einen oder dem anderen
  • Wir haben eine Lehrerband (erster Auftritt war schon an meiner Amtseinführung, zweiter jetzt an Weihnachten in der Aula) und ich darf den Bass spielen (wer widerspricht mir schon?)

Als wesentliche Baustellen habe ich / haben wir in der Schulleitung u.a. festgestellt, dass wir Abläufe in der Schule nicht nur bestimmen, sondern auch fixiern müssen, um sie transparent zu machen und so zu vermitteln, dass jeder weiß, wann er was zu tun hat. In eingesesssenen Kollegien läuft das in der Regel, mehr oder minder, manchmal auch parallel zu dem wie es eigentlich sein soll. Bei uns gibt es manchmal Reibungsverluste, die wir beheben wollen. Diese Reibungsverluste entstehen z.B., wenn das Kollegium einen großen Wandel erlebt (hier wurde 25% gerade ausgetauscht bzw. aufgesattelt), wenn die Schule noch relativ jung (Wir: 6 Jahre), wenn es altersmäßig recht homogen ist oder man insgesamt größere Veränderungen in den Jahren durchmacht (starkes Wachstum von Schülerzahlen, Umzüge, Wechsel der Schulleitungen.)

Interessant für uns und mich als Schulleiter ist es, dass es ja viele Vorschriften gibt (Schulordungnen, Verwaltungsvorschriften usw.), dass aber jede Schule diese Vorgaben durchaus unterschiedlich auslegt, interpretiert bzw. in unterschiedliche Verfahrensprozesse überführt. Natürlich sind Rechtsvorschriften einzuhalten, daran besteht kein Zweifel, aber selbst diese sind manchmal, wohl auch absichtlich, offener formuliert, so dass es vor Ort durchaus möglich ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Bei Gelegenheit versuche das hier mal einem Beispiel zu erläutern. Bin grad unsicher, wie weit ich hier grad meinen Kopf aus dem Fenster stecke.

Final zu erwähnen ist, dass gerade das Ende des aktuellen Beurteilungszeitraums eingeläutet wird. Das heißt ich sitze an der Erstellung der dienstlichen Beurteilungen für den Zeitraum 2015-2018. Und damit sind meine Weihnachtsferien eigentlich auch schon umfassend erklärt.

18 Jahre Schulleiter: Öffentlich reden

Anlass: Amtseinführungsfeier
Ort: Aula
Vorbereitungszeit: unklar
Dauer: unklar
Text voll aufgeschrieben, aber recht frei gehalten, stellenweise improvisiert
Letzte Änderung: Eine Stunde vor Beginn
Allerletzte Änderung: 5 Minuten vor dem Halten

Voran: Ich hatte in der Einladungskarte ein Zitat vorangestellt, auf dass die Rede ein wenig Bezug nimmt. Es ist ein Auszug aus dem Roman „Schlaflose Tage“ von Jurek Becker, den dieser Ende der 70er schrieb. Ich habe dieses ausgewählt, weil ich daraus schon in meiner Abiturrede zitiert habe, 1989.

Über den vielgebrauchten Satz, die Schule sei dazu da, die Kinder aufs Leben vorzubereiten, darf er nicht vergessen, dass die Gegenwart ja schon das Leben der Kinder ist. Dass sie schließlich nicht Tote sind, die erst zum Leben erweckt werden müssen.

Ein guter Lehrer muss ein Verbündeter der Kinder sein. Nur auf Grund der Überzeugung, dass die Kinder Verbündete brauchen. Er muss sich dem Kinde verantwortlich fühlen, mehr als der Schulbehörde.

Jurek Becker (1937-1997). Schlaflose Tage.

(5 Minuten vorher, Gedächtnisprotokoll:) Vorwort
Ich weiß nicht genau, wie Sie darauf kommen – in den Reden vorher wurde es erwähnt – dass ich meine Reden spontan halte. Das tue ich nicht. Außer jetzt diesen Teil. Dazu müssen Sie wissen, dass ich heute morgen um 5 Uhr aufgewacht bin – an so einem Tag normal – mit Magenschmerzen. Und diese sind jetzt weg und ich kann eigentlich nur sagen, dass es mir jetzt wirklich gut geht, nachdem ich alle vorangegangenen Beiträge gehört und gesehen habe. Danke dafür.

(Eine Stunde vorher:) Motto
Eine Rede braucht ein Motto, das alles Gesagte irgendwie zusammenhält. Das hat man mir gestern auf Twitter gesagt als ich in die Twitterwelt hineinschrieb:

Es gab viele Antworten und einer meinte, es müsste ein Motto vorangestellt werden. Das fand ich eine gute Idee, denn ich habe das Gefühl, ich brauche auch etwas, was das ganze Folgende irgendwie zusammenhält.
Und da es mir erst heute morgen im Auto eingefallen ist, setze ich es hier an den Anfang.
Neulich auf Twitter las ich einen Tweet, in dem hieß es groß und fett: Lehrer dürfen nicht mehr einfach nur Wissensvermittler sein.
Und ich antwortete spontan: Lehrer waren noch niemals reine Wissensvermittler.

Ich hoffe, das hält jetzt.

Begrüßung
Ich habe mit meiner Mutter neulich telefoniert und obwohl ich ihre Antwort kannte, habe ich sie gefragt, ob sie nicht an dieser Feier teilnehmen möchte. Sie sagte „Nein“, was ich erwartete. Sie war aber nicht so gut drauf, dass sie die Geschichte erzählte, die sie mir seit Jahren, speziell zu Beginn eines Schuljahres oder an Weihnachten erzählt. Sie hätte diese ihnen auch erzählt. In dieser Geschichte komme ich nur am Rande vor, aber meine Mutter beginnt sie mit immer demselben Satz:
„Ich habe es ja immer so gehasst, auf dem Stuhl vor dem Gang zum Zimmer des Direktors zu sitzen…“
Sie können sich denken, wie der Satz weiter geht
„…wenn ich einen Termin hatte, weil DU wieder was angestellt hast.“
Ich will gar nicht darauf eingehen, dass dieser Satz so klingt, als ob das öfter passiert wäre. Etwas später erzähle ich diese Geschichte zuende.

Wenn meine Mutter und meine Tante am Tisch sitzen, so kenne ich es seitdem ich ein Kind bin, werden Geschichten erzählt. In der Regel drehen sie sich um den Krieg, die Zeit davor, die Flucht aus Schlesien, die Zeit danach, Kriegsgefangenschaft, Neubeginn, usw. Wenn Sie auf die Rückseite der Einladung schauen, sehen sie das Schulhaus, in dem mein Großvater 1924 lebte und unterrichtete. Es ist mittlerweile das einzige Haus des Dorfes, was noch bewohnt ist.
Was soll man noch sagen? Dass meine Großmutter die Tochter eines Konrektors aus Breslau und Enkelin eines Schulleiters war? Auf dem Foto auf der Einladungskarte sehen Sie beide.

Und jetzt denken Sie, ich bin der Spross eine langjährigen Dynastie von Lehrern und Schulleitern. Hm, das wäre zu einfach. Aber es erklärt diese beiden Bilder.

Bei meinen ersten öffentlichen Reden seit Februar 2018 ist mir immer derselbe Fehler unterlaufen. Ich habe einfach angefangen zu reden, ohne mich vorzustellen oder irgendjemanden zu begrüßen. Während der Rede fiel es mir dann ein und irgendwie hängte ich es dann dran oder auch nicht. Nicht fein, höchstens originell. Heute möchte ich alles richtig machen – und doch werde ich nicht jeden begrüßen oder erwähnen.

Ich danke jedenfalls Herrn S. dafür, dass er die Planung dieser Feier übernommen hat und z.B. Herrn F. dafür gewann, Musik und Technik für heute zu organisieren, zusammen mit dem Technik-Team der Schüler und Herrn R, der das Schulhaus hier von Anfang an zusammenhält. Hausmeister R, wie man hier an der JPR immer dazu sagen muss. Ich danke den Kollegen, dass sie die Unruhe im Haus gelassen hingenommen haben – Herrn M. von der FOS und seinen KollegInnen ebenso. Hoffentlich auch gelassen. Dank geht an Frau H von der Firma P, deren Arbeit sie im Anschluss bewundern können, wenn sie ans Büffet gehen.
Und bedanken muss ich mich bei den Vorrednern für die freundlichen Worte, die sie gefunden haben. Vielen Dank.

Jetzt gibt es wohl kein zurück mehr – jetzt bin ich Schulleiter. Ein schöner Satz. Ich erinnere mich an einen Kollegen, der meinte mal zu mir: Thomas, ich bin Schulleiter. Ich leite eine Schule mit Hunderten von Schülern, mit über 60 Kollegen. Ich bin der Chef. Und wenn ich nachmittags nach Hause gehe, dann steht da jemand, der sagt mir: Bring den Müll raus. Und dann bringe ich den Müll raus.

Jetzt das zweite Motto: Vor einigen Jahren kam es zu einem Gespräch zwischen einer Schülerin und mir, bei dem es darum ging, dass sie nicht auf die Abschlussfahrt fahren wollte – es ging nach Berlin und ich hatte ihnen davon sehr vorgeschwärmt. Dabei meinte sie am Ende, ich solle es nicht persönlich nehmen. Das hat mich damals verwundert und spontan antwortete ich: Ich glaube, dass das Problem an Schule ist: dass zu wenig Leute etwas persönlich nehmen.

Also, Grußworte – ich werde jetzt mal persönlich – und langsam bekommen sie wahrscheinlich Angst.

Unter ihnen sitzen viele Menschen, über deren Erscheinen ich mich besonders freue.

Es sitzt jemand da, mit der ich das Referendariat durchlebt habe. In deren Auto ich manchmal auf der A73 saß. Das Auto was ich ihr ein paar Jahre später abgekauft habe, als ich endlich meinen Führerschein gemacht habe. Und die erste Fahrt mit dem Auto ging an die Nordsee, die zweite nach Schweden. Hallo Birgit.

Es sitzen zwei Kolleginnen unter ihnen, mit denen ich vor genau zehn Jahren, meines Erachtens auf den Tag genau, in einer Jugendherberge beim Frühstück saß. Und es war damals der erste Tag, an dem ich nach 25 Jahren keine Zigarette rauchte. Damit bin ich seit diesem Tag Nichtraucher, seit zehn Jahren (über 91.000 nicht gerauchte Zigaretten). Hallo Anne und Kerstin – und mit euch der Stammtisch Alexandra, Michi, Steffi, Iris.

Es befindet sich ein Kollege unter ihnen, der vor 15 Jahren parallel zu mir eine 5. Klasse als Klassleiter führte. Und wir duellierten uns verbal oft vor den beiden Klassen, sehr zu ihrer Erheiterung, auch wenn sie der Meinung waren, dass wir uns wirklich hassten. Und eines Tages auf einem Sportfest ließen wir uns hinreißen vor den Augen der Schüler ein Wettrennen zu laufen. Ich meine, ich habe gewonnen, trotz einer Oberschenkelzerrung. Hallo Wolfram.

Und es gibt einige Schulleitungskollegen unter ihnen, mit denen ich in den letzten Wochen und Monaten mehrfach gesprochen habe und die mit mir den Zweifel teilen und die Unsicherheit in unserem Beruf als Schulleiter oder Schulleitungsmitglied. Es klingt konventionell, aber diese Gespräche sind sehr wertvoll im alltäglichen Chaos. Hallo Kurt, Ferdinand, Jürgen, Thorsten.

Ich würde auch gern diejenige begrüßen, die mir die Einladungskarte gebastelt hat – aber ihr Entbindungstermin ist in einer Woche und sie möchte kein Risiko eingehen. Dankeschön Carolin.

Und es gibt einen Kollegen, der leider nicht hier sitzt, weil er vor drei Jahren gestorben ist – und den ich ab und an vermisse, so wie andere Anwesende auch. Hallo Thomas.

Es mag für manche von Ihnen überraschend sein, aber es gibt unter ihnen viele – Lehrer wie Schüler und andere Menschen, die Spuren in meinem Leben hinterlassen haben. Ohne dass sie es darauf angelegt haben. Wie leicht geht das scheinbar.

Ich stelle Ihnen eine kurze Aufgabe, die ich immer wieder Referendaren und Praktikanten stelle, die ich betreue: (Ich lasse sie mal eine Minute damit allein)
Erinnern sie sich an die beste Unterrichtsstunde, die sie selbst als Schüler in der Schule erlebt haben. Berichten sie davon.

Ich weiß nicht, an welche Stunde Sie jetzt gedacht haben, aber ich nehme an, dass die wenigsten von Ihnen wirklich eine Stunde im Gedächtnis haben. Eine Stunde mit einem tollen Arbeitsblatt vielleicht? Oder eine Stunde mit einem wunderbarem Tafelbild, einer fantastischen Gruppenarbeit, Methodenwechseln…

Ich gehe eher davon aus, dass Sie sich an einen tollen Lehrer erinnern. Der Sie begeistert hat für irgendetwas. Einer, der außergewöhnliches Talent hatte eine Klasse zu motivieren. Irgendetwas in diese Richtung.

Mir fällt u.a. ein Lehrer ein, den ich nur in der zehnten Klasse ein halbes Jahr in Politik hatte. Er fiel vor allem dadurch auf, dass er am Stock ging und schneeweißes Haar hatte. Undefinierbares Alter. Ein kluger Kopf.
In einer der Stunden erzählte er uns, wie man ihn als Soldat gegen Ende des Weltkrieges zu einem Erschießungskommando eingeteilt hatte. Und wie er den Befehl verweigerte. Und dafür eingesperrt wurde mit der Androhung, selbst vor einem solchen Kommando zu enden.
Damals rettete ihn die Kapitulation 1945. Den Eindruck, den er auf uns damals machte, können Sie sich vorstellen.

Und wenn man weiter drüber nachdenkt, erhält die Erkenntnis von Hattie – nur um diesen Namen mal zu erwähnen – welche Rede kommt denn in letzter Zeit ohne ihn aus? -, dass der Lehrer zählt, eine andere Bedeutung.

Er meint wohl eher als Gestalter von Unterricht – ich meine aber eben auch als Persönlichkeit, als Vorbild, als Orientierung für die SchülerInnen. Und damit wird er, ob er will oder nicht, zu jemanden, der mehr vermittelt als nur Wissen. Und dessen soll er sich bewusst sein.

Denn wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass wir als Lehrer immer auch als Persönlichkeit vor den Schülern stehen. Und dass wir diese Sache durchaus sehr persönlich nehmen müssen.
Denn ob wir wollen oder nicht – unsere Schüler sind keine Toten, die erst irgendwann zum Leben erweckt werden.

Sie haben schon ein Leben und wir gehören dazu und hinterlassen Spuren darin.

Und wir können bestimmen, welcher Art diese Spuren sein sollen.

Wenn man mich fragen würde, was ich von Schule erwarte, dann sicher eines: Dass Lehrer als Persönlichkeiten und Charaktere vor den Schülern stehen und ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst zu Persönlichkeiten zu entwickeln. Persönlichkeiten, die die Mühe auf sich nehmen, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu vertreten. Auch gegen Widerstand, auch wenn es unbequem ist.

Apropos unbequem.

Sie fragen sich am Ende vielleicht, wie die Geschichte von oben weitergeht, wenn meine Mutter sie erzählt.

Sie geht eigentlich so: „Ich habe es immer gehasst im Gang zum Zimmer des Direktors zu warten, wenn du mal wieder etwas angestellt hast. Aber einmal kam dein Klassenlehrer vorbei. Er setzte sich und sagte leise zu mir: Wenn Sie da rein gehen, denken sie daran: Wir müssen Thomas unbedingt den Rücken stärken.“

Auch er war ein Verbündeter.


Jaron Lanier. Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst.

Ich bin ja eher so ein assoziativer Leser, das heißt, ich gerate manchmal auf eine Schiene und dann lese ich mich von einer Fußnote zur nächsten.

Sozusagen.

Und dann kommen verschiedene Motivationen zusammen.
 
Hier kam eine Menge Überdruss und Unzufriedenheit zusammen.

Und dann musste ich auch noch mal „Wem gehört die Zukunft?“ in die Hand nehmen.

Ganz ohne Posting, ohne Manifestationen und Ankündigungen.

Aktuell bin ich hier gelandet.

Auch nicht ganz ohne Grund.