#wasmachteigentlichderchef 29.10.

Auto, weil ich Sachen holen und zu meiner Schule bringen musste: Schulbücher und Schachausrüstung.


Erledigte Aufgaben

  • Sachen und Bücher abholen von der alten Schule
  • Lehrprobe als Zweitprüfer abgenommen (2,5h)
  • Postausgang
  • Telefonate: KM und Therapeut eines Schülers
  • Besprechung erweiterte Schulleitung
  • Besprechung Sozialpädagoge
  • Schüler diszipliniert
  • Rundgang Schulhaus, einige Dinge kontrolliert
  • Sitzung mit Personalrat
  • Nachmittags in Ruhe ein wenig Papierkram verschiedenster Art erledigt
  • Leistungsprämie verteilt, mit dem ÖPR besprochen

Gestern habe ich vergessen, Bilder zu zeigen. Die Hintergrundgeschichten dazu kennen Sie ja. Also die Geschichte von Frida Furchtlos und Michel de Montaigne. Blättern Sie mal ein wenig im Buch. Übrigens hat Herr Mess mir mal dankenswerterweise bestätigt, dass das lateinische „Certum nihil esse certi et homine nihil miserius aut superbius“ das bedeutet, was es sollte.

Nichts ist überheblicher und eingebildeter als der Mensch. Das war der Gedanke, den ich festhalten wollte. Übertrieben gesagt, die beständige Erinnerung daran, dass ich als Chef auch „nur“ ein Mensch bin – wie platt. Ich erinnerte mich an die Triumphzüge der Antike:

Ein Staatssklave, der hinter dem Triumphator auf dem Wagen stand, hielt ihm, heißt es, die sonst im Jupiter-Tempel aufbewahrte goldene Eichenlaubkrone (corona Etrusca) über das Haupt und mahnte ihn ununterbrochen: Respice post te, hominem te esse memento („Sieh dich um; denke daran, dass auch du ein Mensch bist“).

aus wikipedia

Ich hatte lange nur diese Idee, ohne Motiv, was sehr nervig ist.

Dann fiel mir, als ich mal durch das Lehrerzimmer ging, eine Kollegin auf, die ein Kinderbuch las. Neugierig ließ ich es mir zeigen und erzählen. Das war die Geschichte von Frida Furchtlos. Von der Gans, die sich nicht vom Wolf, dem Bären und dem Löwen erschrecken ließ. Die, die diese Tiere zu sich einlud, als ein noch viel größeres Tier die drei erschreckte.

Meine Lehre, die ich auch bei der Begrüßung in diesem Schuljahr unter die Kinder brachte: Auch wenn du angeblich so stark bist, gibt es immer was Schrecklicheres als dich und dann brauchst du einen Freund wie Frida, wenn du dich fürchtest.

Oder für Erwachsene: Pump dich nicht so auf.

Und in Bildform

Frida ist so angebracht, dass sie meinen Gegenüber immer anschaut, wenn ich vor ihm stehe.

#wasmachteigentlichderchef 28.10.

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Postausgang
  • Anträge und Verträge bereit gestellt
  • Schulleitertagung online (1,5h)
  • Telefonat Schulaufsicht wegen US Fehlern, die die Übertragung nicht angezeigt hat
  • Schulhomepage bisschen rumgemacht, unzufrieden
  • Kuchen gegessen
  • viele Unterschriften

Komischer Wurschteltag…die ganze Zeit auf den Beinen, aber irgendwie nicht zufriedenstellend was geschafft.


Nürnberg steht auf 118.4 heute. Nunja.

Morgen letzter Tag der Quarantäne meines Stellvertreters. Er teilt mir mit, dass das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem er wohnt, ihm heute mitgeteilt hat, dass er bis morgen in Quarantäne muss, weil er Kontakt zu einer infizierten Person hatte.

Man zeigte sich überrascht, dass er seit zehn Tagen schon in Quarantäne ist und woher er denn das wüsste.

Man selbst hatte erst heute ein Fax aus Nürnberg bekommen.

#wasmachteigentlichderchef 27.10.

Fahrrad. Morgens kalt. Handschuhe von gestern noch nicht trocken. Schlüpfrig im Wald an manchen Stellen, wegen des Regens gestern mit Laub. Fahrrad sehr dreckig, Taschen auch. Aber ich war diesmal auf der Rückfahrt früher dran und konnte den Herbst im Licht der untergehenden Sonne betrachten.

Morgen wieder Auto, weil ich nachmittags noch zu meiner Tätowiererin will. Sie möchte gern ihre Arbeit an meinem rechten Arm im bewegten Bild festhalten, für die Hall of Fame auf Instagram. Dort findet man jetzt schon meinen linken Arm, jedenfalls die Rückseite.


Betrete die Schule und begrüße die Kollegin der erweiterten Schulleitung, die den Vertretungsplan für den zweiten Konrektor übernommen hat, der in Quarantäne ist wie mein erster Stellvertreter.

Sie: „Guten Morgen, ich habe dich aus allen deinen Unterrichten diese Woche herausgenommen.“

Ich, unsicher: „Öhm, ok?“

Sie: „Reiner Eigennutz.“

Da geht jemand kein Risiko ein.


Erledigte Aufgaben

  • Emails abgerufen, aufgeregt
  • Sekretärinnen unterbreitet, dass sie alle Eltern noch einmal anrufen müssen, wegen der Informationen von gestern Abend
  • Stand: 6 Klassen, 175 Schüler und 14 Lehrer in Quarantäne oder wegen Coronaverdacht daheim
  • Abschlussarbeiten US, die ich vergessen hatte (Sorry KM, falls ihr mitlest, echt meine Schuld) Teilzeitanträge ausgedruckt, Email rausgehauen, Unterschriften nachgejagt
  • Gespräch mit Hausmeister über mein neues Pfadfinder-Projekt: Zeichen steht auf GO
  • Beratungsgespräch mit Sozialpädagoge, Schüler mit Betreuerin und Klassenlehrerin (1h)
  • Redaktionssitzung Dillingen, online (1h), ich habe nichts zu sagen gehabt, bin der Neue und hatte anfangs Mikrofonprobleme
  • Antrag für Teamlehrkraft endlich rausgehauen
  • Postausgang gemacht, aber vergessen der Sekretärin zu geben
  • Gespräch Verbindungslehrerin über Instauftritt SMV (der schön ist)
  • Gespräch mit Schulleiter FOS über Schülerunwesen außerhalb des Schulgeländes und die IT im Gebäude
  • Telefonat mit Mutter, das ich vorbereitet hatte, schwierig im Anfang, entpuppte sich dann aber lösbar
  • festgestellt, dass die Maßnahmen, die wir in Bezug auf den Unterrichtsbetrieb getroffen haben, erfolgreich waren, denke ich

Heute war ein guter Tag. Phasenweise konzentriert arbeiten können. Nicht ständig der Gedanke daran, was passieren würde, wenn einer der 5 aus der Schulleitung jetzt positiv getestet würde.

Dann wären alle dran, inklusive Sekretärinnen.

Wir haben mal kurz drüber gelacht und uns gefragt, wer eigentlich die dienstälteste, verbeamtete Lehrkraft ist, die dann die Leitung der Schule vor Ort übernehmen müsste.

Als ich 2018 alleine Schulleiter war, habe ich in der ersten Konferenz bekanntgegeben, wer im Falle meiner Abwesenheit die Dienstgeschäfte übernehmen müsste.

Die Kollegin war nicht amused damals und ist mittlerweile pensioniert.

Sie erinnern sich, dass war damals die Phase, in der ich mit Blutvergiftung, antiseptischem Verband und Antibiotika am Schreibtisch in der Schule saß.


Morgen gibt es, so denke ich, Entscheidungen darüber, wie es coronamäßig weitergeht. Nürnberg erreicht in absehbarer Zeit die magische Grenze 100 und ist dann rot-rot-ganz-dunkel. Ich höre nur noch überall, Bundeslandauf und -landab, von fast allen Parteien: „Wir halten die Schulen offen bis zum Letzten“. Abgesehen davon, dass das klingt wie „bis zum letzten Mann“ denke ich immer, bei aller Wertschätzung für die schwierige Arbeit von gewählten Volksvertretern: „Nein, nicht IHR haltet die Schulen offen. Das tun wir.“

Mit Verlaub. Hier wird die Zahl der notwendigen Aufsichten erhöht. Hier fallen massiv Vertretungsstunden an für KollegInnen in Quarantäne. Hier müssen Unterrichtsplanungen ständig neu aufgesetzt werden durch fehlende Klassen und Klassengruppen. Hier geht man jeden Tag in die Schule mit dem Gedanken, wen es als nächstes erwischt oder der Frage, ob die eigene Klasse heute noch da sein wird. Ob man was mit nach Hause nimmt, was der eigenen Familie schadet.

Daher, angesichts meiner Erfahrungen vor Ort würde ich Folgendes vorschlagen, ganz bescheiden:

  • Sofortige Umstellung der weiterführenden Schulen nach den Herbstferien auf Wechselunterricht, also Halbierung der Klassengruppen und wechselnd im Präsens- und Fernunterricht beschulen (Entlastung der Lehrkräfte, vereinfachte Umsetzung eines Hygienekonzepts, mehr Zeit auch für einzelne SchülerInnen)
  • Ab jetzt alle Entscheidungen treffen für große Zeitfenster, also Abkehr von dem „Fahren auf Sicht“ (Was um Gottes Willen haben wir denn vorher gemacht? Blind gesegelt?), jetzt bis mindestens zum Halbjahr, dann bis zum Ende des Schuljahres (damit der Bildungsauftrag auf lange Sicht auch wieder planbar und verbindlich wird)
  • verbindliche und abgesicherte Leistungsmessung im Fernunterricht einrichten, wenn man denn Leistungsfeststellungen weiter fordert, ansonsten
  • Verzicht auf Leistungsnachweise bis zum Halbjahr, Konzentration auf: Lücken füllen, Stand halten, langsam Wissen ausbauen, soziale Arbeit mit den SchülerInnen (nichts an den Anforderungen der Notengebung zu ändern bedeutet aktuell den Stress zu verdoppeln)

und

  • Ich will kein Geld. Das lässt mich nicht länger schlafen, das nimmt mir nicht die Sorgen um meine KollegInnen und meine SchülerInnen.

Man mag mir verzeihen. Ich mache sowas nicht in meinem Blog. Nicht dass ich wieder einen Anruf bekomme.

Aber ich bin müde und damit bin ich HIER nicht der einzige.

Schlafen Sie gut.

#wasmachteigentlichderchef 26.10.

Fahrrad. Es war Regen angekündigt, aber ich habe gute Regenklamotten. Und ich habe einen neuen Helm, mit Visier und extra dazu gekauften Innenmütze. Das ergab einen warmen Kopf und einigermaßen freie Sicht. Jedenfalls keine besprenkelte Brille.

Hinfahrt am Morgen fantastisch. Es ist heller morgens. Und herbstlich. Ich bin zwei Wochen nicht gefahren und in der Zeit war plötzlich der Herbst da. Und ich habe es genossen.


Erledigte Aufgaben:

  • Gespräch Sozialpädagoge
  • Meldung entgegennehmen: zwei neue Infektionen am Wochenende unter SchülerInnen
  • Feststellen, wer von der anstehenden Quarantäne betroffen ist: 50 SchülerInnen und 6 Lehrer, darunter mein zweiter Stellvertreter
  • In der Pause Information an die KollegInnen
  • erster Stellvertreter telefoniert aus der Quarantäne heraus mit dem Gesundheitsamt, zweiter beginnt noch einen Vertretungsplan für morgen
  • Telefonat Schulaufsicht wegen ASV und US, kommt selbst drauf, dass wir nur kurz anreißen und ich dann mit meinem Zeug weiter mache
  • alle Eltern werden antelefoniert
  • Ich gehe zu den betroffenen KollegInnen und informiere sie über die Quarantäne
  • Ich informiere die Klasse, die KollegInnen eine Religionsgruppe, die anhängt
  • Wir stellen fest, dass wir nicht genügend Vertretungen zusammenbekommen für den nächsten und die folgenden Tage, weil zu viele Lehrer in der Quarantäne sind
  • Ich melde den Corona-Status an die Schulaufsicht, mit dem Hinweis, dass es eng wird bei uns
  • Telefonat Schulaufsicht, Möglichkeiten werden erörtert, mir werden meine möglichen Befugnisse noch einmal verdeutlicht
  • Kurze interne Absprache, ich wende meine Befugnisse an, wir haben einen Plan für die kommenden Tage
  • Unterricht in Klasse 7 Geschichte, die nur die Hälfte aller Schüler hat, weil es aktuell wieder Streik im ÖPNV gibt
  • Besprechung mit Kollegin vom Personalrat
  • Besprechung mit Verbindungslehrerin
  • Besprechung mit RumpfSchulleitung
  • während der ganzen Zeit der Versuch, den Elternbrief aufzusetzen
  • Anruf Schulaufsicht: Korrektur der Zahlen
  • Elternbrief fertig, versenden
  • Schulhomepage: Veröffentlichung
  • Gespräch mit VertreterInnen einer örtlichen Pfadfindergruppe
  • um 16 Uhr mache ich mich an die einzige Aufgabe, die ich mir heute vorgenommen habe und schaffe den ersten von vier Schritten dabei
  • 16:30 Uhr sitze ich auf dem Fahrrad für den Heimweg im Regen vor dem Schulhaus
  • Handy klingelt: Gesundheitsamt ist dran, Erläuterungen werden gegeben, neue Informationen zu denen, die wir am Vormittag bekommen haben, eigentlich nicht neue sondern andere
  • Abends über verschiedene Kanäle diese Infos noch einmal verbreiten
  • Morgen müssen wir alle Eltern noch einmal anrufen
  • Nebenbei zwei Stunden gebraucht um den Windowsrechner im Büro auf dem Schreibtisch upzudaten

Rückfahrt mit dem Rad im Regen. Sehr kühl. Und dann wieder sehr dunkel. Komme 12 Stunden nachdem ich losgefahren bin wieder zuhause an.

Wie ich mich fühle aktuell: Wie in einer Seifenkiste, die den Hang runterbrettert. Ich sitze da und halte das Lenkrad fest. Ich merke, dass sich die Seitenteile links und rechts lösen. Ich greife mit beiden Armen links und rechts raus und halte die Seitenteile fest. Meine Knie steuern. Ich sehe eine scharfe Kurve auf mich zukommen.

Morgen wieder Fahrrad.

Ich bin weiter müde.

#wasmachteigentlichderchef 21.10.

Auto.


Erledigte Aufgaben:

  • Unterrichtsbesuche, zwei
  • Ablage
  • Vergabe von Leistungsprämien
  • Telefonat mit Gesundheitsamt
  • Besprechung Unterichtsbesuch letzte Woche
  • Postausgang
  • Orga Infobriefe Gesundheitsamt an betroffene Familien

Mittags (kurz vor 2) gefahren. Heute ist Mittwoch. Fahrrad zur Werkstatt gebracht. Beim Aufzählen der einzelnen Punkte kam ganz schön was zusammen. Hoffe, die bekommen das schnell hin.

#wasmachteigentlichderchef 20.10.

Auto. So früh, dass ich schnell in der Schule bin. Viertel vor sieben.


Erledigte Aufgaben:

  • Besprechung mit dem Stellvertreter: Aufteilung der Aufgaben für den Coronafall, wir hatten schon letzte Woche ein Konzept für uns aufgelegt, was in dem Fall zu tun ist
  • Besprechung in größerer Runde mit Sicherheitsbeauftragtem und Verfeinerung, Sprachregelung festlegen
  • 8 Uhr Ansage im Lehrerzimmer vor den KollegInnen, die da sind: Was wir tun werden, wie der Tag abläuft
  • Danach Anrufe in den Gesundheitsämtern
  • Unterricht anfangen in der 10. Klasse Sozialkunde
  • Nach einer Stunde Meldung vom Stellvertreter: Wir können loslegen
  • Klasse verlassen
  • Besprechung Stellvertreter und Orga der Vorgehensweise und Festlegen der Betroffenen (131 Schüler, 3 Lehrer)
  • Isolierung der Klassen, Anrufen der Eltern, Abholung der SchülerInnen
  • Meldung nach „oben“ machen, Statistiken füllen
  • Elternbrief aufsetzen
  • Einzelfragen in den Telefonaten lösen
  • Absprachen mit der FOS im Haus, die am selben Tag denselben Fall hat
  • Sitzung Krisenteam, Absprachen,Abklären
  • Zweites Mal vor das Kollegium treten und aktuellen Stand weiter geben
  • Vor der Toilettentür telefonisch: Absage der Tage der Besinnung
  • Verlegen der Elternbeiratswahlen
  • Schulaufsicht noch mal kontaktieren, abchecken, ob man an alles gedacht hat
  • Fehler korrigieren, die man gemacht hat (eigentlich nur einen), zum Glück gemerkt, dass man nicht perfekt ist
  • Anruf in der Fahrradwerkstatt: Das Fahrrad muss repariert werden, unbedingt. Termin schon übermorgen bekommen
  • Absage einer Fortbildung in der kommenden Woche, weil mein Stellvertreter heute in Quarantäne geht

Morgens jetzt immer der Blick auf die Coronawerte.

Oder kurzen Plausch mit dem neuen Kollegen.

Keine Ahnung, ob das ein Weg ist. Gnadenlos bin ich auch nicht, nicht so sehr wie es hier klingt.

#wasmachteigentlichderchef 19.10.

Auto. Fahrrad immer noch kaputt. Komme nicht dazu, einen Termin zu machen.


Erledigte Aufgaben:

  • Posteingang erledigt
  • Elternbrief aufgesetzt, Thema: Wie wir unterrichtet, wenn wir in den Wechselunterricht gehen, u.a.
  • Sitzung Erweiterte
  • Unterricht für die GEschichtsklasse vorbereitet
  • Gespräche mit Kollegen über verschiedene Themen
  • Geschichtsunterricht in der iPad-Klasse, Learningapps ausprobiert
  • Gespräch mit Stellvertreter über Disziplin am Nachmittag
  • Disziplinarausschuss (zum ersten Mal mit Maske)

Müde.

Abends ein Anruf von einem Kollegen, der mitteilt, dass er corona-positiv getestet wurde. Schnelle Absprachen innerhalb der SL über Threema.

#wasmachteigentlichderchef 15.10. und 16.10.

Auto. Hörbuch. Harry Hole ermittelt. Wunderbar eigentlich.


Ansonsten erschöpft und ausgelaugt. Corona nervt. In den letzten Tagen vor dem Wochenende schnellen die Zahlen nach oben, plötzlich sind wir gelb, dann stehen wir auf rot – und retten uns ins Wochenende. Wie der Boxer in den Gong.

Quarantänen schlagen um uns herum ein. Es ist viel Unruhe. Herkömmliche Krankheiten erhöhen die Vertretungszahlen. Dazu das Tagesgeschäft und Planungen ins Blaue hinein – aber wie eine Schulleiter-Kollegin (mit der zweiten Quarantäne in diesem Jahr – erst die Q12 in der ersten Woche, jetzt Q11, inklusive anhängenden Lehrkräften) am Telefon grad meinte: Was willst du denn auch planen?

Ja, eigentlich wenig. Hauptsächlich damit beschäftigt Dinge abzusagen, anderen Planungen unter Vorbehalt zuzusagen.

Letzte Woche Tage gehabt, wo ich zwischendrin mal Zeit hatte auf Toilette zu gehen. Wo ganze Tage nicht nach dem vorbereiteten Kalender verliefen, inklusive Schüler anschnauzen, weil die eigene Geduld schon vor der Unterrichtsstunde aufgebraucht ist (bisschen hat er es verdient, ich glaube am Ende der Stunde waren wir wieder gut miteinander).

Heute abend noch den Elternbrief schreiben, mit dem wir die Eltern unser Konzept für den Wechselunterricht bekannt machen wollen. Es wird, auch nach meinem persönlichem Empfinden, über kurz oder lang dazu kommen.

Die Schulreferentin der Stadt dazu: „Wir wollen auch die Schulen so lange wie möglich offenhalten…“ Alle diese und ähnliche Verlautbarungen klingen für mich grad wie die Playlist des Titanic-Orchesters. Ich komme morgen in die Schule und bin gespannt, wie es weiter geht.


Am Wochenende als Dozent außerschulische Erwachsenenbildung betrieben in Form eines Vorbereitungskurses auf die staatliche Fischerprüfung – zusammen mit Fischerkameraden. Das zweite von 3,5 Wochenenden.

Auf der einen Seite immer wieder zwischendrin gewundert, wie normal und routiniert das mit den Masken und dem ganzen Drumherum abläuft. Auf der anderen Seite noch kurz nach Beginn die aktuellen Verlautbarungen lesen und versuchen zu verstehen. Dürfen wir heute den Kurstag eigentlich halten?


Ich wollte letzte Woche an einem Dienstag mal durch Striche aufzeichnen, wie oft in der Stunde ich bei der Arbeit unterbrochen werde in meinem Büro, durch Klopfer, Anrufe usw. Nach zwei Stunden habe ich das aus den Augen verloren, bis da waren es vier Mal pro Stunde. Also ca. alle 15 Minuten.

Zur Erklärung des Bildes von heute: Das sind Infozettel, die an meiner Tür kleben oder auf meinem Schreibtischstuhl (wenn es ganz dringend ist) oder dem Schreibtisch (wenn dort Platz ist) liegen. Wenn jemand anruft und ich nicht da bin, notieren die Sekretärinnen dies und ich bekomme den Zettel.

Am Freitag habe ich um 10.10 Uhr Unterricht, bis 11.40 Uhr.

In der Zeit drei Anrufe von übergeordneten Behörden, zwei mit dem Hinweis „dringend“.

Um 11.45 Uhr bin ich im Büro und nehme den ersten Zettel, den, auf dem nicht „Dringend“ steht. Kurzes Telefonat, erledigt. Nichts erreicht, aber halt mal gesprochen.

Zweiter Zettel. Angerufen, besetzt. Angerufen, besetzt. Angerufen, besetzt. Aufgegeben.

Dritter dringender Zettel. Angerufen. Es kommt die Nachricht: „Wegen der aktuellen Bla,bla, bla und dem hohen Arbeitsaufwand ist die Behörde nicht durchgehend erreichbar. Bitte rufen Sie in den Sprechzeiten an, von blablabla bis 12 Uhr.“


Blutdruck stabil diese Woche. Komisch eigentlich.

#wasmachteigentlichderchef 14.10.

Auto. Hörbuch spannender. Regen.


Erledigte Aufgaben

  • Angefangen Briefing zu schreiben (das habe ich erst vor 1,5h beendet( (es ist grad 22 Uhr)
  • Zwischendrin Überlegungen, ob man in Stufe gelb die Infoabende an der Grundschulen halten kann, die ab heute bis zu den Herbstferien geplant sind
  • Nach einer Stunde hin und her unsere Teilnahme an allen Abenden abgesagt
  • Gespräch Hausmeister
  • Lehrprobentermin neu verhandelt
  • Unterrichtsbesuch Chemie 9. Klasse
  • Eröffnung eines Vertrages für Kollegin
  • Versetzte Kollegin von gestern wieder versetzt, weil ich am Telefon hockte und verschiedene Dinge absprechen musste

Kurzer Tag heute. Aber länger geblieben als geplant.

Kollege schickt mir einen Zeitungsartikel über einen Kollegen, der nach fast zehn Jahren als Schulleiter auf eine Stelle als Konrektor wechselt.

Keine Ahnung, warum er mir das schickt.

#wasmachteigentlichderchef 13.10.

Auto. Mit defektem Scheinwerfer. Hörbuch nimmt langsam Fahrt auf.


Erledigte Aufgaben:

  • US abgeschlossen
  • US abgeschickt
  • Unterricht 10. Klasse Sozialkunde
  • Gespräch neue Teamlehrkraft
  • Beratungsgespräch Vater
  • Absprache Lehrprobe (musste ich heute wieder ändern)
  • Dann der Plan:
  • 13.30 Gespräch, ca 10 Minuten mit Kollegin über Unterricht
  • 13.40 Gespräch über Orga „Tage der Besinnung“
  • 14 Uhr Sitzung Schulentwicklung
  • Wirklichkeit:
  • 13.25 zu einem pädagogischen Notfall gerufen
  • 13.30 der Kollegin Bescheid gegeben, dass der Termin platzt
  • 13.31 am Ort des Geschehens, Erzählen lassen, geredet, beruhigt
  • 13.50 wieder am Büro und Kollegen für Orga reingesetzt
  • 13.52 Anruf Schulaufsicht, dringend. Büro gewechselt, telefoniert
  • 14.03 in mein Büro, Orgagespräch
  • 14.25 in die Sitzung Schulentwicklung
  • 15.30 Uhr Sitzung beendet
  • am Abend dann die Meldung, dass die Stufe Gelb in der Stadt Nürnberg ausgerufen wurde, d.h. Maskenpflicht auch während des Unterrichts, u.a.
  • Natürlich abends noch Scheinwerfer reparieren lassen

Um 16 Uhr gehe ich nach Haus.

#Wasmachteigentlichderchef 12.10.

Fahrrad. Morgens noch dunkler als sonst. Musste aufpassen im Wald die Abzweigungen nicht zu verpassen. An einer ging es fast schief, merkte es aber rechtzeitig.

Auf dem Rückweg am Nachmittag im Wald plötzlich ein Schlag am Hinterrad. Kurz irritiert. Zurückgeschaut lag ein recht großer Stein auf dem Weg. Entweder das Vorderrad hat ihn aus dem Boden geholt oder irgendwie keine Ahnung. Der Reifen verlor recht schnell die Spannung, so dass am Ende nichts blieb als noch einmal die Frau zu bitten mit meinem Auto zu kommen. Als sie kam, sah ich schon von weitem, dass ein Scheinwerfer defekt war.

Das Hinterrad, was schon vor einem Dreiviertel Jahr defekt war.

Erledigte Aufgaben

  • Den Tag mit der US verbracht, ein Propblem war nicht zu lösen
  • Anrufe, Lösungen bekommen
  • Alle Lösungen eingepflegt, neue Fehlermeldungen bekommen
  • Unterricht in 7d, zwei Stunden
  • Leistungsprämie Beamte fertig machen und absenden
  • Pläne schmieden und darauf warten, dass Corona-mäßig neue Angaben kommen, wenn der Wert war schon überschritten für Stufe 2

Eine eigene Maßnahme zur Gesunderhaltung: Um 16 Uhr nach Hause gehen. Come hell or high water (Haben Sie den fantastischen Film gesehen?)

Warum?

Weil man akzeptieren muss, dass es kein „Fertig“ gibt. Niemals mehr. Nach 16 Uhr weiter zu arbeiten, hieße weiter Sand zu schaufeln. Länger bleiben nur, wenn mittags eine Pause gemacht wird. (Diese Woche ist eine Woche bisher ohne Pausen). Und dann bleibt es halt liegen.

Und ja, es gibt eine Ablage, in der liegen Sachen schon sehr sehr lang. zwei Mappen liegen darin. Sie sind noch da. Und sie schieben sich fantastisch. Und ich schäme mich ihrer. Aber es geht nicht um Leben und Tod.

Natürlich belüge ich mich. Denn abends sitze ich ja, wie grad jetzt, schon wieder am Schreibtisch. Aber schaffen tu ich auch nix mehr richtig.


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https://youtube.com/watch?v=JQoqsKoJVDw

https://youtube.com/watch?v=BkmE8SQ8V0k

#wasmachteigentlichderchef 09.10.

Fahrrad. Wald. Dunkelheit.

Altbekannt. Licht im Carport ausmachen und auf die Dunkelheit freuen.
Das meinte ich mit Wald und Dunkelheit.

Erledigte Aufgaben:

  • US-Abgabe (die morgen ist, hust) vorbereitet
  • auf zwei Probleme gestoßen, die eine Abgabe verhindern
  • Support informiert, telefoniert
  • Das Problem gibt es nur bei uns (wie jedes Jahr)
  • restlichen Probleme gelöst
  • zwischendrin Klasse besucht und Arbeitsaufträge gegeben
  • Ticket eröffnet
  • Besprechung SL
  • heimgefahren

Ok, wollen Sie (K)ein Geheimnis hören: Ich mache viel auf den letzten Drücker. So. Jetzt ist es raus. Meine Frau nervt das unendlich seit Jahrhunderten. Ich fürchte wohl jeden, der mit mir zu tun hat. Mich eingeschlossen.

Ich denke mir oft, dass ich eine tolle Zeit hätte, wenn ich die Energie, die ich am Ende reinstecke, um es in kurzer Zeit zu erledigen, einfach am Anfang reinstecken würde und nicht kurz vor dem zweiten Ende der dritten Verlängerung. Oder so. Sie wissen schon.

Heute den Multiplikator angerufen. Schulleiter wie ich. Irgendwo erwähnt, dass ich wohl etwas spät angefangen habe. Darauf er: Es hätte mich gewundert, wenns diesmal anders gewesen wäre. Er lacht dabei.

Nun ja. Hauptsache man hat einen irgendeinen Ruf.

#wasmachteigentlichderchef 08.10.

Fahrrad.

Weil. Diesmal entgegen meiner Gewohnheitenn durch den stockdunklen Wald gefahren. So früh, dass kein Vogel unterwegs war.

Dass ich mich gestern geärgert habe, führte zu schlechtem Schlaf. Ich war müde. Aber im Wald war es schon wieder gut. Und ich wach.

Morgen wieder Fahrrad. Der ÖPNV streikt, die Straßen werden blöd sein.

Hof.
A3
Business Tower

Erledigte Aufgaben:

  • Arbeitstag begann schon am Fahrraständer mit Gespräch Schulleitung FOS
  • Telefonat Schulaufsicht
  • Telefonat KM (Was verbummelt, geschleimt, zerknirscht gezeigt, entschuldigt – nichts gebracht, abgelehnt.)
  • Unterrichtsbesuch
  • Neue Berufsberaterin kennengelernt
  • Kolleginnengespräch über Wiedereinstieg
  • Schreiben an Kolleginnen in Elternzeit über Wiedereinstieg, Daten aktualisiert
  • Gespräch Sportfachschaft über den aktuellen Stand
  • US weitergeführt (wird wieder knapp 10. ist Abgabe, zum Glück keine Uhrzeit angegeben)
  • nachmittags in der Schulleitung mit Videokonferenz kranke Kollegin zugeschaltet und Konzepte überlegt: Distanzunterricht, Materialablage Vertretungsstunden, diversse Dinge des Alltags durchgegangen
  • Homepageartikel zum Thema VAG Streik morgen und Start der U-Bahn in einer Woche
  • Besprechungen einiger Aufnahmen bzw. Ablehnungen derselben
  • Bevor ich gehen wollte Anruf KM: Das, worum ich gebeten hatte mittags, wird jetzt doch bewilligt, mein Fehler kann ausgebügelt werden.

Fahrrad wieder heim. Der Herbst ist da und die Parks und Pegnitzauen immer leerer. Jetzt bringt es wieder wirklich Spaß. Und ich liebe seit je die Stadt (egal welche) am Morgen. Und mittlerweile ist es auch egal bei dieser Liebe, ob ich nach Hause gehe um die Zeit oder zur Arbeit fahre.

Golftermin für Sonntag ist ausgemacht.