Noch 17 Jahre Schulleiter: Karriere

20 Jahre Schuldienst, Karriereweg:

  • 1999 nach Bewerbungsgesprächen bei der Stadt Nürnberg abgelehnt worden
  • beim Staat Schüler unterrichtet
  • Geschwister von Schülern unterrichtet
  • mit ehemaligen Schülern angefreundet
  • Kinder von ehemaligen Schülern unterrichtet
  • von ehemaliger Schülerin Dreads gedreht bekommen
  • von ehemaliger Schülerin Dreads abgeschnitten bekommen (3 Jahre später)
  • von ehemaligen Schülern in der Sparkasse beraten worden
  • von ehemaligem Schüler Bücher verkauft bekommen
  • von Freundin (ehemalige Schülerin) zur Hochzeit eingeladen worden
  • ehemaligen Schüler angestellt als Lehrer
  • von ehemaligem Schüler Möbel bauen lassen
  • Beerdigung von ehemaligem Schüler besucht
  • von ehemaligem Schüler die neue Brille geputzt bekommen
  • Auf die Verabschiedungsfeier der von mir sehr geschätzten Schulleiterin der Nachbarschule eingeladen worden, die mir neben anderen vor 20 Jahren bei den Bewerbungsgesprächen bei der Stadt Nürnberg gegenüber saß

Heute war ein Schüler in meinem Büro, am Tag der Notenbekanntgabe der Abschlussprüfung. Er hat sich dafür bedankt, dass er noch einmal an meiner Schule freiwillig wiederholen durfte, weil er sich dadurch verbessern konnte und jetzt seine Ziele wirklich umsetzen kann.

Manche Tage haben gute Momente.

Mit dem Fahrrad unterwegs

In den Pfingstferien war endlich Zeit gewesen für eine längere Tour mit meinem E-Bike. Ich dachte, ich kann das gleich mit mehreren Motivationen verknüpfen und somit

  • Bayern besser kennenlernen
  • Einen Schulleiterkollegen besuchen
  • Einen für mich neuen Golfplatz bespielen

Entsprechend war der Plan:

  • Mit dem Zug von Nürnberg nach Regensburg
  • Von Regensburg mit dem Rad nach Landshut
  • In Landshut Kollegen treffen und Golf spielen
  • Von Landshut mit dem Rad (je nach Zeit) nach Kelheim, Riedenburg oder Beilngries (es wurde Beilngries)
  • Von Beilngries dann wieder heim in die Nähe von Nürnberg

Der Plan funktionierte ganz gut, wurde aber am Ende vom Wetter durchkreuzt, so dass ich in Neumarkt/Oberpfalz abbrach und mit dem Zug nach Nürnberg fuhr.

Im Zug von Nürnberg nach Regensburg
Das war der Plan für den ersten Tag.

Eins meiner Ziele war herauszufinden, ob Strecken mit 100km und mehr möglich wären – für mich als Freizeitradler mit Übergewicht. Und das waren sie mit dem E-Bike.

Am Stadtrand von Regensburg

Der erste Teil verlief eine kurze Strecke an der Donau. Den Donauradweg sind meine Frau und ich schon mal bis kurz vor Wien geradelt. Dann haben wir erfahren, dass Züge, die Fahrräder mitnehmen und zurück nach Nürnberg fahren, grundsätzlich überfüllt sind und reserviert werden müssen und nur ein Mal die Woche fahren. Ich weiß nicht, ob sich daran was geändert hat, aber damals sind wir dann zurück nach Passau und von dort aus heim nach Nürnberg mit Freunden, die wir dort kannten.
Ich fürchtete viele Urlauber an der Donau, aber ich war sehr früh dran, so dass ich weitgehend allein war.

Sallingberg

Für mich beginnt das Bayern (im Unterschied zum Fränkischen) immer mit den Kirchtürmen und ihren Zwiebelköpfen.

Schweinsbratensemma

Auf Twitter setzte ich mich dann der Kritik aus mit meinen norddeutsch imitierten dialektalen Äußerungen über „ein Brötchen belegt mit einer Scheibe Schweinebraten mit Kruste“.
Der Kollege aus Landshut, der in meinen Ohren bayert, erzählte, dass in seiner Kindheit in Niederbayern ein Nachbarsjunge sich über seinen Dialekt wunderte, aber als er erfuhr, dass seine Eltern aus Oberbayern kommen, äußerte: „Na, jetzt weiß ich ja, warum der F. so hochdeutsch spricht.“
F. jedenfalls meinte, das sei bei ihm eine Schweinsbratensemma.

St. Martin in Landshut

Wissen Sie, dass in Landshut der höchste Backsteinturm der Welt steht? Ja, in Landshut. Der Turm der Kirche St. Martin.

Golfclub Landshut

Da es ein heißer Tag war ausnahmsweise im Cart. Auf dem Platz gab es mehrere Brunnen mit Trinkwasser, was ich so noch nirgendwo gesehen hatte.

Plan für den Fahradtag 2: Von Landshut in Richtung Beilngries
Treckerporn
Rast

Ich hatte ein kleines Stativ mitgenommen, weil ich allein unterwegs war und dachte, es wäre super mich selbst abzulichten. Das ist das einzige Foto mit Stativ, was entstand. Ich mag Selfies nicht sehr. Immer noch nicht. War hier aber überrascht, welche Länge mein Bart mittlerweile angenommen hat.

An manchen Stellen gab es tolle Radwege
Beilngries – St. Walburga
Ausfahrt Beilngries am Rhein-Main-Donau-Kanal

Der letzte Tag begann fantastisch. Es war kühler als die Tage zuvor. Die Kulisse war toll. Allerdings wurde es dann schnell regnerisch.

Schleuse Berching
Schon in Berching fing es an
Der alte Ludwig-Main-Donau-Kanal in Richtung Neumarkt/Oberpfalz
Nass
Die letzte Strecke mit Abbruch in Neumarkt

Dann anschließend S-Bahn nach Nürnberg (überfüllt). Dort hatte es schon aufgehört zu regnen, daher konnte ich dann die letzten 16km noch heimradeln.

Unterm Strich

Die Strecke Nürnberg-Landshut fahre ich mit dem Auto in höchstens zwei Stunden. Mit dem Rad in 6 Stunden, reine Radlerzeit. Ich war überrascht wie gut der Brooks-Sattel wirklich funktioniert, denn auch nach diesen sechs Stunden hatte ich keine Probleme mit dem Sitzen (eine der Sachen, die vor 13 Jahren auf dem Donauradweg schlechter war). Rückenschmerzen ja.
Ich habe es genossen, Kilometer abzufahren, still und allein für mich. In Bewegung sein, ohne mit jemandem reden zu müssen. Anhalten zu können, wo immer ich will.
Auf Besichtigungen habe ich verzichtet, das war nicht unbedingt auf meinem Reiseplan gestanden. Muss auch sagen, dass mir das zu umständlich gewesen wäre mit dem Rad und dem Gepäck.
Was mir stattdessen auffiel waren die deutlichen Wechsel der Landschaften, wofür ich im Auto kaum ein Auge habe. Der Übergang von Stadt zu Fluß (Donau), dann zu landwirtschaftlich geprägter Landschaft in Niederbayern/Oberbayern, Kanal, dann Altmühltal und wieder Richtung Stadt. Vor allem das Altmühltal steht jetzt ganz oben auf meiner Liste der Radelstrecken.

Landschaft Niederbayern – rechts der Mais, links das Korn (irgendeins)
Altmühltal hinter Riedenburg

Und an diesem Wochenende die letzte Strecke Neumarkt-Nürnberg noch zu radeln. (Das Rad ist in der Werkstatt, ein Ersatzteil ist schlecht lieferbar)

Das Buch der deutschen Schande

E. J. Gumbel hat im Verlag Neues Vaterland ein kleines Buch erscheinen lassen: ›Zwei Jahre Mord‹. Es ist die wichtigste Publikation der letzten drei Jahre.

E. J. Gumbel hat die politischen Mordtaten der Jahre 1918 bis 1920 kühl und sachlich gesammelt, alle, die von rechts und die von links, und er hat gleichzeitig ihre gerichtliche Aburteilung aufgezeichnet. /…/

Es wurden, systematisch, alle irgend erreichbaren Führer der Opposition hingemordet. Ach, und was verstanden diese Soldatengehirne nicht alles unter ›Opposition‹! Zu dumm und zu faul, etwas andres als Dienstvorschriften, Jagdhumoresken, die ›Tägliche Rundschau‹, ein Blatt ähnlichen Kalibers oder Zoten zu lesen, richteten sie sich in ihrem Haß gleichmäßig gegen Demokraten, Bolschewisten, Dada-Leute, moderne Maler und Nationalökonomen. Unverdächtig war, wer Schmisse auf den Gesichtsbacken und jenes vorschriftsmäßig deutsche Bullenbeißergesicht trug, in dem die richtige Mischung von Kellner und Assessor ganz realisiert war.

Ermordet wurden: Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Leo Jogiches, Dorrenbach, Gustav Landauer, Alexander Futran, Bernhard Schottländer, Hans Paasche. Die Liste kann beliebig verlängert werden: dies sind die bekanntesten, die getötet wurden. Und wie getötet! Zerstampft, zu Tode geprügelt, von hinten erschossen, erschlagen, ins Wasser geworfen und mit ›Fangschüssen‹ erledigt!

Summa: 314. /…/

Verschwendet ist jede differenzierte Kritik an einer Rechtsprechung, die folgendes ausgesprochen hat:

Für 314 Morde von rechts 31 Jahre 3 Monate Freiheitsstrafe, sowie eine lebenslängliche Festungshaft.

Für 13 Morde von links 8 Todesurteile, 176 Jahre 10 Monate Freiheitsstrafe.

Das ist alles Mögliche. Justiz ist das nicht. /…/

Wir andern aber vergessen viel zu rasch. Wir konstatieren und gehen nach Hause. Jene dagegen wiederholen Tag um Tag und Tag um Tag, seit zwei Jahren: den Schwindel vom Dolchstoß, die Legende vom Scheidemann-Waffenstillstand, der doch eine Monarchenniederlage war, die historischen Unwahrheiten vom U-Boot-Krieg und die Lüge vom Erzberger-Frieden. Und sie drehen die Geschichte unermüdlich so lange, bis auch sie ihnen und ihrer Existenz recht gibt.

Ignaz Wrobel, 1921, Weltbühne

E. J. Gumbel (Spiegel, 2012)
E. J. Gumbel (Zeit, 2012)
Ausstellung Gumbel (2019)

Das muss man gesehen haben

Das muß man gesehen haben. Da muß man hineingetreten sein. Diese Schmach muß man drei Tage an sich haben vorüberziehen lassen: dieses Land, diese Mörder, diese Justiz. Der deutsche politische Mord der letzten vier Jahre ist schematisch und straff organisiert. Die Broschüre: ›Wie werde ich in acht Tagen ein perfekter nationaler Mörder?‹ sollte nicht auf sich warten lassen. Alles steht von vornherein fest: Anstiftung durch unbekannte Geldgeber, die Tat (stets von hinten), schludrige Untersuchung, faule Ausreden, ein paar Phrasen, jämmerliches Kneifertum, milde Strafen, Strafaufschub, Vergünstigungen – »Weitermachen!«

Kurt Tucholsky, 1922, Weltbühne

Brain-Dump-2019-06-02-Sonntag

Exotisch

Man fragte mich, was ich denn in München gemacht habe, da, am letzten Wochenende. Und ich habe es erklärt. Versucht zu erklären. Und dennoch blieb ein so komischer Rest, auch wenn es nur das Gesicht meines Gegenübers war, der versuchte zu verstehen, warum ich wegfahre, ein Hotel nehme, um an einer Feier teilzunehmen, wo ich quasi niemanden kenne.
Oder kennt man Menschen, die man im Internet kennenlernt, doch irgendwie?
Jedenfalls kam ich mir jedes Mal, wenn ich das erklärte, wie ein Exot vor.

Überholt

Manchmal gehe ich in den Unterricht, präsentiere den Schülern eine Idee, quasi, nicht mehr, und schaue, was daran sie interessiert, um es dann in den folgenden Stunden entsprechend aufzubereiten.
Diese Woche war es das Rezo-Video auf Youtube. Das kannten zwar einige in den Klassen, aber doch nicht die Mehrheit. Ich selbst hatte nur den Anfang gesehen.
Einstieg lief über einen Clip aus „quer“ vom Bayerischen Rundfunk. Danach dann die ersten 15 Minuten von Rezo.
Dann meine Frage: Was macht das Video so spannend und interessant für euch? Eine Stunde lang redet ein Typ mit blauen Haaren, in einer enormen Geschwindigkeit, benutzt zwischendrin so Phrasen, die mit „krass“ oder „lol“ beginnen.
Danach Gespräch, ausufernd, über die Themen, die er nennt, den Rang, den YouTube mittlerweile bei den Schülern einnimmt (hab ich selbst völlig unterschätzt) und die Rolle, die er normalerweise abgibt.
Und ja, es spricht sie an. Es trifft einen Nerv.
So ganz begreife ich es aber nicht.

Ausgeklinkt

Verfolge #readonmyfake auf Twitter. Vor einer Woche in München habe ich sie gesehen, getroffen wäre übertrieben. Und jemand sprach gut von ihr, an jenem Abend. Ich werde denjenigen fragen müssen, was er aktuell meint. Ich kenne das Blog, mehr nicht, gelesen habe ich nichts, nicht mein Stil. Daher keine Meinung, nur Kopfkratzen.
Es stürmt in Twitter. Ein Artikel im Spiegel, den ich sehr gut fand, weil über weiter Strecken unaufgeregt war. Mit der sonstigen Lebenswelt nichts zu tun.
Das mit dem Internet und dem Leben ist manchmal schon etwas schwierig.

Kopfkratzen

Angesichts all dessen die Frage danach, wie man selbst glaubt, im Internet dazustehen. Wie das Bild ist, was andere von einem haben, die den eigenen Quast, den ich hier so reinschreibe, lesen (müssen). Eine Frage, die ich mir seit dem Anfang nicht mehr so richtig gestellt habe.

Fugenvegetation

Ich gebe zu: Garten ist Ehefrau-Sache. Ich kann mir nicht mal die Namen der Pflanzen richtig merken. Für grobe Sachen darf ich mit, aber nur unter genauer Beobachtung und mit genauen Anweisungen.

Oh, ich sehe grad auf den Bildern, dass ich mal die Tomaten geizen muss.

Das Zeug wächst aus der Ritze zwischen Weg und Hochbeet.
Hmja, man sieht es.

Rosentag – Nachtrag

Ausgewildert.

Brain-Dump 2019-05-26-Sonntag

Technik und so


Ich bin ja nicht gerade ein technikfeindlicher Typ, was mich aber nicht minder begeisterungsfähig macht, wenn ich merke, dass bestimmte Dinge in meinem Leben doch wirklich deutlich vereinfacht werden durch z.B. ein Smartphone.
 Eine Übernachtung in München mit Anreise zum #rosentag war mit Hilfe vom DB-Navigator und einer Buchungs-App für Hotels in weniger als einer halben Stunde organisiert und bezahlt. Ich musste nur noch packen und los ging’s.
 Dieses Mal auch entdeckt, dass ich beim Schaffner nicht mal mehr die BahnCard rauskramen muss, weil sie ohnehin in der App gespeichert ist – das hatte ich nicht mitbekommen.


Alter und so


Ich merkte seit einiger Zeit, dass ich trotz Brille die Texte und Bücher wieder mit dem ausstreckten Arm lesen musste. Ich war unzufrieden im Büro am Schreibtisch, weil ich mehr mit Kopf und Hals und Oberkörper arbeiten musste, um die richtige Schärfe zu erreichen. Aber man hat ja keine Zeit, um dem mal nachzugehen.
 Letzte Woche schaffte ich es zum Optiker meines Vertrauens und der maß dann, dass sich die Sehkraft um fast eine Dioptrin verschlechtert hat seit 2016.
 Und ich hole jetzt vier Brillen ab: Eine nur zum Lesen, und dann drei Gleitsicht-Dinger: eine für den Alltag, eine zum Arbeiten im Büro, eine Sonnenbrille.
 Ich weiß ja auch nicht, ob das übertrieben ist. Aber in einer Wlet zu leben, in der alles scharf wirkt, ist super.

München


München, du bist mir sympathischer geworden durch den #rosentag. Auch der kleine Spaziergang heute morgen durch eine fast leere Stadt hat das noch mal bestätigt. Wenn ich Pfingsten komme und @hauptschulblues besuche, werde ich wohl noch mal andere Ecken von dir sehen. Kann noch werden.


München-Einschränkung


Sollte ich mal in eine Diskussion über Uber verwickelt werden, kann ich zwei Erlebnisse mit Taxifahrern aus München beisteuern. Z.B. wie mich gestern das eine auf dem grünen Ampelübergang fast umgefahren hat (alles einsehbar, nix verdeckt, nicht dunkelgrün) und heute morgen das andere, was mich vom Bürgersteig verdrängte, weil es irgendwie seinen Fahrgast ins Haus fahren wollte, wie es schien. Beides geschah ohne bedauernden Blick oder Winken, sondern mit einer beachtlichen Selbstverständlichkeit.
Sang nicht dereinst Tocotronic: „Taxifahrer, ihr seid Schweine. Ich verachte euch.“


Wiglaf Droste ist tot


Und starb nur wenige Kilometer von mir entfernt. Ein erster Blick in die flugs beschaffte Auswahl des Werkes aus dem modernen Internet-Antiquariat zeigte mir, dass ich nicht wirklich viel von ihm gelesen hatte – so im Vergleich. Aber jetzt hole ich das nach und viele Seiten sind ein reines Fest.


1993

Apropos Fest

Ich war auf dem Fest zum #Rosentag von Thomas und Ines. Es hat mich schon allein gefreut eingeladen worden zu sein. Aber dass ich dann auch noch essenstechnisch so fantastisch versorgt wurde, dass ich so nette Tischnachbarn hatte und dass alles, was geboten wurde, so sehr Thomas und Ines war (jedenfalls wie man sich sowas natürlich aus der Second World rauszieht), dass es eine große Freude war.

Der Ort des Geschehens.

Brain-Dump 2019-05-20-Montag

Gelesen werden.

Auf dem letzten Dienstgespräch der mittelfränkischen Realschuldirektoren sprach mich ein Kollege an: „Ich habe Ihre letzte Veröffentlichung gelesen.“ Ich kam ob dieser Bemerkung ins Grübeln, denn meine letzte Veröffentlichung liegt um die zehn Jahre zurück. Erst nach einer Nachfrage stellte sich heraus, dass er meinen Blog meinte.

Auf der letzten Fortbildungswoche für neu ernannte SchulleiterInnen der Realschule in den Osterferien gab es am letzten Tag einen Schulleiter/Dozenten zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, den ich über ein Lehrerforum schon vor einigen Jahren kennengelernt hatte. Er fragte vorab, ob der zum Thema auch meinen Blog vorstellen könnte, weil er schon so lang darin lese und sich immer wieder selbst darin wiederfände. Wir tauschten uns kurz darüber aus, ob Bloggen auch als Öffentlichkeitsarbeit gedeutet werden könnte. Wir glauben, man kann. Öffentlichkeitsarbeit habe ich mir jedenfalls rot im Notizbuch markiert.

Heute saß ich vor meinem Büro mit SchülerInnen auf dem Boden (neuer Teppichboden, musste ich mal testen), um ein Projekt einer Schülerin zu besprechen. Eine andere Schülerin fragte, wann ich denn das nächste Mal was auf meinen Blog schreiben würde.

Dies heute ist für Dich, Katja.

Fahrrad fahren – Stress, immer noch, immer wieder

Ich mache ja gern mal Werbung: Wenn Sie in der Nähe von Igensdorf wohnen und ein Fahrrad suchen…

Ich fahre Rad und nähere mich den 2000 Kilometern. Zwei Touren sind in Vorbereitung, eine für Pfingsten allein in Bayern (Nürnberg-Landshut-München; einen Realschuldirektor besuchen), eine in den Sommerferien mit einem Freund (eventuell Todesstreifen/Deutsch-Deutsche Grenze von der Elbe aus südwärts).

Erster Ausflug mit dem Rad: Hopfenstangen im Hinterland meines Wohndorfes.

Fahrradfahren löst meinen Stress nicht auf, schafft aber einen guten Gegenpol. Dachte ich jedenfalls.

Erster Ausflug: Jüdischer Friedhof in Schnaittach.

Aber ich habe vor einiger Zeit gemerkt, dass ich Rad fahre wie ich arbeite: verbissen und mit Scheuklappen. Morgens rauf aufs Rad und wie auf Schienen in die Arbeit fahren. Nachmittags irgendwann den Rückweg, ohne wirklich stehenzubleiben.

Anfangs war es morgens ganz schön kalt.

Ich habe viel gesehen, aber das rauschte alles an mir vorbei.

Rückfahrt nachts nach Elternbeiratssitzung. Wöhrder See, Nürnberg

Vor einer Woche, montags, stand ich unter Strom wie seit langem nicht mehr. Vor einem Jahr hatte ich das mal. Damals bin ich mit dem Auto auf einen Parkplatz in den Wald, ausgestiegen und 500m durchs Unterholz in den Wald gerannt, bis ich mich wieder beruhigt hatte.

Vor einer Woche dann ähnliche Stimmung. Auf dem Rad. Und ich bin dann irgendwann einfach mal stehengeblieben und habe mich auf eine Bank gesetzt, um runterzukommen.

Bankperspektive, Wald.

Seitdem sage ich mir immer wieder, dass es sich lohnt mal stehenzubleiben.

Mitten im Wald gibt es auf meine Strecke eine steinerne Brücke. Nach meiner Einschätzung ohne die Möglichkeit von Autoverkehr.

Und einfach mal zuzuhören.

Wenn man auf der Brücke mal 30 Sekunden stehenbleibt. Im Hintergrund rauscht die A3. Egal.

Und einfach mal ein Foto zu machen.

Eine Schafherde bei Erlenstegen.

Stress ist eine verdammte Scheiße.

Brain-Dump 2019-04-28-Sonntag

Nachgereicht – vergessen zu veröffentlichen

Regenwetter

Gerade den Golftermin abgesagt, draußen rauscht der Regen, den ich schon lang vermisst habe. Schade ums Golfen, aber es liegt auch noch Arbeit an. Letzter Tag der Ferien, nicht der glücklichste Tag im LehrerSchulleiterleben. Der Blick jetzt aus dem Fenster meines Arbeitszimmers zeigt Richtung Osten. Ich mag das Leben auf dem Land. 38 Jahre meines Lebens war ich in der Stadt, dann 8 Jahre im Dorf, jetzt, so sage ich scherzhaft oft, seit drei Jahren im Wald.

Schulleiterfortbildung

In der letzten Woche war ich auf der dritten Woche Schulleiterfortbildung des Kurses B in Dillingen.

Einer der vielen witzigen Umstände dabei ist, dass diese Fortbildungen ja quasi „on the Job“ liefen. Das heißt, man tritt das Amt an und wird dann dafür fortgebildet. Für mich – und andere – ja noch witziger: Man übt das Amt schon ein halbes Jahr vorher kommissarisch aus, tritt es dann offiziell an und wird dann fortgebildet. (Witzig, jetzt kann ich schon witzig sagen)

Ausschnitt aus dem Klostergarten des ehemaligen Kapuzinerklosters in Dillingen, in denen das sogenannte Haus C der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung untergebracht ist.

Die Gruppe der 25 (die Zahl schwankte etwas) der letzten Woche war wie immer spannend (20 Männer, 5 Frauen, davon eine Ordensfrau – 2/3 staatliche Schulen, 1/3 kirchlich und kommunal/städtisch). Habe diesmal versucht auch mit denen ins Gespräch zu kommen, zu denen ich in den Wochen vorher eher Abstand gehalten habe. Habe diesmal bei einigen meine Angewohnheit, Menschen immer aussprechen zu lassen bis zum Ende, etwas beiseite gelassen und dann unterbrochen, wenn ich merkte, dass jemand das Dozieren begann.

Mehr noch als die Male vorher habe ich gemerkt, dass jeder einzelne dort seine ganz eigenen Schwierigkeiten mit seinem Amt hat. Aus den manchmal auch nur kurzen Gesprächen heraus war dies zu ahnen. Ich weiß nicht genau, warum mir das grad jetzt auffiel. In einigen kurzen Gesprächen kam auch heraus, dass einige zweifeln, ob dies wirklich der richtige Schritt gewesen ist, in die Schulleitung zu gehen. (Übrigens: Das Geld ist es wirklich nicht. Meine neue Gehaltsabrechnung weist ca. 120€ mehr aus im Vergleich zum Konrektor. Netto.) Neben diesen Zweifeln aber hat jeder so seine eigenen Fronten an seiner Schule. Und ja, die, die am überzeugtesten auftraten sind mir immer wieder suspekt. Aber ich gönne es ihnen.

Mit zweien habe ich grobe Termine für die Pfingstferien ausgemacht. Zum Golfen und zum Austausch. Und für mich auch, um mal wieder neue Ecken von Bayern kennenzulernen.

Über die Themen im Einzelnen muss ich mir allerdings in den kommenden Wochen Klarheit verschaffen. Aktuell bin ich noch am Verarbeiten.

Öffentlichkeitsarbeit an Schulen

Ein Thema, mit dem ich mich gern die nächste Zeit mal befassen würde, war der Punkt Öffentlichkeitsarbeit an und für Schulen. Tobias Schreiner, der Schulleiter der Realschule Gmund am Tegernsee hat dazu am letzten Tag drei Stunden referiert und mich deutlich angeregt dieses Gebiet zu bearbeiten.

Dies lag vor allem daran, dass ich es in seiner Gesamtheit noch nicht so überblickt hatte

Brain-Dump 2019-04-14

Begräbnisse

Wenn man lange an einem Ort wohnt und unterrichtet, wird die tägliche Lektüre der Tageszeitung auch zur Gewohnheit. Und manchmal ahnt man schon bei Berichten über Unfällen etwas. Und manchmal bestätigt es sich in den Sterbeanzeigen.

Zu unterrichten bedeutet, dass man viele Menschen und Namen kennt, nüchtern betrachtet erhöht sich die Chance, junge Menschen zu kennen, die verstorben sind. Nüchtern betrachtet.

Fahrrad fahren

Seit Ende Februar

Erholung, Stress

Stress, seine gesundheitlichen Folgen, Erholung sind immer noch Themen, die wichtig sind. Es gibt gute Tage und schlechte Wochen. So wie die letzte vor den Ferien. Lange Tage, konfliktreich, mit neu eröffneten Baustellen, erschöpfend.

Ganz nüchtern: Ich merke mittlerweile, wenn es mir an die Substanz geht. Diese Erkenntnis halte ich schon mal für einen Fortschritt. Als nächstes müsste ich dann wohl die Themen Erholung oder Resilienz angehen.

Auf unserem pädagogischen Nachmittag erfuhr ich näheres von AGIL, einem Trainingsprogramm zur Gesundheitsförderung bei Lehrern. Leider konnte ich den Vortrag nicht ganz mithören, weil ich gleichzeitig noch einen Termin mit der Stadt (= dem Sachaufwandsträger) hatte (sic!). Also besorgte ich mir als E-Book das Traningsmanual und vorab diente mir eine Zusammenfassung noch einmal als Grundlage. Es sind Ferien, ich kann lesen.

Bei der Zusammenfassung gibt es auf Seite 258 eine griffige Übersicht, die auch im Vortrag auftauchte, dort aber mit Merkmalen der einzelnen Stufen. Ich erkannte mich an manchen Tagen auf Stufe III wieder, mit Gedächtnislücken, innerem Rückzugsverhalten, Entscheidungsproblemen.

In der letzten Woche sind leider meine Entlastungsstrategien (z.B. das Meditieren, Tagebuchführen) etwas zurückgetreten – dennoch blieb das Radfahren: nach der Sitzung des Elternbeirats auch mal nachts, am Dienstag auch bei Regen und jeden Tag eine andere Strecke, weil ich einige Gespräche an anderen Schulen hatte. Insgesamt brachte ich es auf 250km in diesen 5 Tagen.

Free Solo

Die Dokumentation Free Solo ist mit Abstand die nervenaufreibendste Dokumentation gewesen, die ich je gesehen habe.

Gut, ich schaue wenig Dokumentationen.

Aber ich habe bisher alle Staffeln von The Walking Dead gesehen und die waren ein Spaziergang dagegen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=urRVZ4SW7WU

Erweiterte Schulleitung

Ein guter Mensch sein

Notizen, Notizenverwaltung, Handschrift digital


Brain-Dump 2019-04-02

Herr Grün kocht

Jemand, der mir auf Twitter folgt, merkt, dass ich ein paar Mal auf Herrn Grün verwiesen habe. Ein paar wirklich gute Rezepte sind mir da untergekommen, mit den dazugehörigen Geschichten. Alles vegetarisch.

Und einiges mehr.

Entscheidungen treffen

Ein sehr spannendes Video gesehen, Wieder mal TED.

Interessant der Gedanke, dass es bei schweren Entscheidungen nicht um eine schlechte und eine gute Alternative geht.

Ruth Chang: How to make hard choices

Digital Cleaning – Ordnung und Struktur

Baustellen und Fronten

An der Schule gibt es beides – und viel mehr natürlich. Aber ich hangle mich grad zwischen Baustellen und Fronten hindurch. Manches ist wohl an ziemlich jeder Schule eine Baustelle oder eine Front. Anderes sicher nur an Stadtschulen. Weniges nur bei uns.

Ich frage mich, wo ich mich bei den Fronten positionieren soll. Dazwischen wäre übel, da man aufgerieben wird. Auf eine der Seiten wäre auch seltsam. Auf keiner…das kann es nicht sein. Ich habe versucht neutral zu bleiben, aber das hilft auch nicht.

Fronten sind tückisch, weil man eigentlich nur den vorderen Schützengraben sieht, aber nicht die Versorgungsgräben, die Luftunterstützung oder die Artillerie.

Und manchmal umweht einen die Kriegspropaganda.

Kriegsmetaphern. Verstörend.

Baustellen sind dagegen übersichtlicher. Aber auch schwierig. Man versucht sie abzusperren, was dazu führt, dass der andere Fluss auch ins Stocken gerät. Schnelle Lösungen gibt es nicht. Improvisieren ist auch nur für den Anfang was. Auch wenn es ja oft heißt „Nichts ist haltbarer als ein Provisorium“.

Baustelle heißt auch, oft mit dem falschen Werkzeug unterwegs zu sein oder fehlerhafte Ersatzteile zu bekommen.

Vielleicht hilft die Erfahrungen anderer Arbeiter.

Tag der Metaphern.

Nach der Beurteilung ist vor der Beurteilung

Der Beurteilungszeitraum endete mit dem vergangenen Jahr. Und ich beginne gerade mit den neuen Unterrichtsbesuchen.

Folgende Beurteilungen stehen an:

  • Zwei Probezeitbeurteilungen
  • Fünf Referendar-Beurteilungen
  • Eine Zwischenbeurteilung
  • Mindestens eine Beurteilung für das Jahr nach der Verbeamtung

Ich fürchte mich vor den Blicken der KollegInnen, wenn ich sie im Lehrerzimmer abhole.

Erweiterte Schulleitung

Fahrrad fahren

Brain-Dump 2019-03-24

Der Naturbursche spricht

Die Böden sind noch trocken, es ist erst März. Ich bin von dem einen Golfclub wieder zum alten Golfclub gewechselt, weil mir die Fahrerei zu doof war. Abenberg ist ein toller Platz, aber der Spaß vergeht einem am Sonntag auf der A6 – an anderen Tagen auch. Der alte neue Platz ist einfacher zu erreichen und über verschiedene Wege.

Ich bin ja nicht so der Naturbursche, aber ich merke schon, dass es zwar Frühling sein mag, aber die Natur langsam in Schwung kommt. Morgens kann ich mit meinem Rad schon durch den Wald fahren, denn der Bodenfrost ist verschwunden, aber die Böden sind enorm trocken – man mag meinen vom letzten Jahr, in dem es so wenig Niederschläge gab. Und so gibt es auch auf dem Golfplatz viele Stellen, die noch ein paar Wochen brauchen.

Dennoch wurde angegolft.

Schlaf-Apnoe

In Zusammenhang mit gesundheitlichen Auffälligkeiten hat mich mein Hausarzt vor allem wegen meines hohen Blutdrucks und ein paar außer Kontrolle geratenen körperlichen Messwerten vor 2 Jahren mal auf die Rundreise zu verschiedenen Ärzten geschickt. Bei allen dieselben Aussagen:

  • also nein, organisch ist nichts,
  • aha, Sie sind Lehrer und in der Schulleitung,
  • hmmmhhmmm (sorgenvoller Blick)

Lediglich der Pneumologe meinte was zu erkennen und gab mir nach erster Untersuchung (24h Messgerät für den Schlaf) eine Überweisung ins Schlaflabor. Dort diagnostizierte man dann eine sogenannte obstruktive Schlaf-Apnoe. Die genannten Symptome wie starke Tagesmüdigkeit und lautes Schnarchen kannte ich schon, dass ich aber nachts durchschnittlich 50x/Stunde das Atmen einstelle, war mir neu. Seitdem schlafe ich mit einem CPAP-Gerät, welches dies verhindert. Die positiven Auswirkungen sind enorm.

Warum ich plötzlich hier so intim werde? Um anzuregen, dass Mann auch mal früher zum Arzt geht und nicht erst, wenn die Ärzte sich schon Sorgen machen. Dass ich regelmäßige Komplettuntersuchungen beim Arzt durchführe, sollte man auch erwähnen. Inklusive Krebsvorsorge.

Meditation

Meditation war schon länger eine Sache, die mich immer wieder faszinierte, bei der ich aber kein Durchhaltevermögen (wie bei vielen anderen Dingen) besaß. Und drüber zu reden mit anderen war auch nicht drin – als Spinner zu gelten ist ja eine feine Sache, aber ein esoterischer Spinner, nun ja.

Dann erzählte mir eine Freundin, dass sie mit Yoga und Meditation ihre bipolare Störung in den Griff bekommen habe – und empfahl mir, nachdem ich ihr von „meinem Leben berichtete“, eine App zur angeleiteten Meditation. Den Mitbegründer der App-Firma hat natürlich einen TED-Eintrag.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=qzR62JJCMBQ

Das Ganze gibt es auch mit deutschen Untertiteln.

Und so sitze ich nun seit Anfang Januar sehr oft, fast täglich da und lasse mich anleiten, zehn Minuten lang.

Zwei meiner wichtigsten Entwicklungen seitdem:

  • Ich kann diese (meist negativen) Gedankenkreisel, die scheinbar so einfach mit einem kleinen Gedanken anfangen und dann in mittleren Lebenskrisen enden, ganz einfach schon im Anfang beenden bzw. ableiten
  • Ich bin wirklich gelassener geworden.
Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=qxyVCjp48S4
Training The Monkey

Und wie es so ist. Ich erzählte von meinem CPAP-Gerät und schon tauchten im Bekanntenkreis mehrere auf, die jemanden kannten, der das auch nutzt. Und das mit der Meditation – dito.

Manchmal bin ich weniger Spinner als ich denke.

Digital Cleaning – Ordnung und Struktur

Entscheidungen treffen

Fahrrad fahren

Ich habe meine Monatskarte gekündigt.

Brain-Dump, 2019-03-17

Jemand erwähnt im Gespräch, dass er gern in meinen Blog reinliest, aber in letzter Zeit so wenig passiert. Stimmt.

Artikel von Postings, die ich auf Halde habe, also unveröffentlicht, weil noch ungeschrieben:

Als brain-dump bezeichne ich in den letzten Wochen eine Methode, um den Kopf frei zu bekommen. Es geht einfach um das Aufschreiben aller Projekte und Baustellen, die jeweils aktuell anstehen. Das füllt in der Regel zwei DINA4 Seiten. Letztlich vergleiche ich es mit Höhlenmalerei, mit dem Bannen des Unheimlichen. Es wirkt erleichternd. Aber natürlich ist die Arbeit damit noch nicht gemacht. Aber es vermittelt ein Gefühl von Machbarkeit im Gegensatz zum fast schon normalen Gefühl der Überforderung.

Mein neues E-Bike ist fantastisch. Es kam schneller als gedacht, was mich erst zweifeln ließ, wann ich denn das erste Mal fahren würde. Aber ich bin dann einfach los damit, zur Arbeit. Und die frostige Kälte war nicht schön morgens. Aber es hat mich nun schon so gepackt, dass ich, wenn ich mit dem Auto fahre, die Strecke im Kopf mit dem Rad verfolge. Und es vermisse. Letzte Woche nur einmal gefahren, weil es zu viele Termine gab, die ich mit dem Rad nicht in akzeptabler Weise und Zeit schaffen konnte. Apropos Zeit: Der befürchtete Zeitverlust im Alltag ist zu vernachlässigen. Ich benötige morgens etwa 35-45 Minuten mit dem Auto, nachmittags/abends oft bis zu einer Stunde (der Umbau des Kreuzes mit Zufahrt von A6 auf A9 in Richtung Berlin lässt Übles erwarten, es gibt Alternativen). Mit dem Rad fahre ich stabil eine Stunde und ein paar Minuten. An jedem Tag, auf beiden Strecken. Und es gibt deutlich mehr Alternativen als mit dem Auto. Und es ist schön.

Nazis. Ich möchte seit Wochen gern darüber schreiben, dass ich Nazis immer noch gern Nazis nenne. Und es ist dann keine „Nazi“-Keule ist. Und ich halte nichts von dem Einwurf, dass „Nazis“ nur die wären, die „Hitler verehren würden“. Ich meine eher, dass Nazis die deutsche Variante der Faschisten sind. Und diese brauchen Hitler nicht und nicht mal den Holocaust. Und ja, ich halte auch die AfD mindestens für eine Vorstufe von Nazitum, weil ich sie als revanchistisch, rassistisch, revisionistisch, militaristisch, rechts-ideologisch und letztlich offen verlogen einstufe. Und ich meine, wer Weidel oder Gauland nicht für Nazis hält, sollte sich überlegen, wen man denn in Zukunft zum „GauleiterIn der Nördlichen Mark zwischen Bremen und Königsberg“ ernennen würde? Na?

Streiken für das Klima. Das habe ich ja aus schulischer Sicht schon beschrieben. Privat denke ich, dass andere Themen drängender sind und frage mich, wie das Thema Klima so auf die Agenda nach vorn rutschte. Nach meinem Empfinden und alltäglichem Erleben sehe ich als dringenderes Problem das Abdriften nach rechts, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. Rechte Heilsversprechen sind nicht das, was ich politisch umgesetzt erleben will. Wenn ich allerdings in den letzten Tagen die Reaktionen der „Kritiker“ lese, die sich an Greta Thunberg abarbeiten, dann bekomme ich Nackenschmerzen vom Kopfschütteln und habe richtige Lust, mal nächsten Freitag in die Stadt zu gehen.

Grad entdeckt: Und es geht immer noch wirrer, wenn die AfD Greta Thunberg und Christchurch in einem Atemzug nennt und ursächlich verbindet. Frankfurter Rundschau

Disziplinarverfahren. Der Disziplinarausschuss unserer Schule hat die ersten Sitzungen hinter sich. Erfahrungsgemäß fangen die ersten im Januar an und ziehen sich bis in den Juli. Stadtschule, ja. Brennpunktschule, vielleicht. Aber eben Schule immer wieder auch als Brennpunkt aller gesellschaftlichen Verwerfungen, von Arbeitslosigkeit, Armut bis hin zu Missbrauch, Gewalterfahrung, Abhängigkeit und Traumatisierung. Im Mittwochbriefing letzte Woche habe ich die Ergebnisse der Sitzung vom Tag zuvor berichtet und ergänzt, dass mich diese Sitzungen nie kalt lassen. Dass sie dann wieder in mir hervorkommen, wenn ich nicht aufpasse und dann die inneren Abwehrmechanismen kurz auf Standby gehen (z.B. Beim Autofahren, nie auf dem Fahrrad). Disziplinarverfahren sehe ich nie als „Strafmaßnahmen“, sondern immer als den Versuch, das Handeln oder Nichthandeln von Kindern in besonderen Situationen zu verstehen. Eine Ordnungsmaßnahme daraus wird in der Regel begleitet von pädagogischen Leitplanken. Keine Entscheidung geschieht leichtfertig oder übereilt. Manchmal aber, um die Eltern überhaupt an die Schule zu bringen und zu sagen: „So gehts es nicht weiter.“

Was im Internet steht. Unsere Schule hat auch Kommentare im „Internet“. Keine guten stellenweise. Anfangs habe ich da noch ab und an geantwortet und zum Gespräch eingeladen. Mittlerweile bin ich es leid. Ich werde innerlich sehr zornig, wenn ich solche Sachen andeutungsweise erfahre oder lese – ich mache es nicht mehr, wie gesagt. Zornig, weil ich sehe, wie sehr (nicht nur) wir als Schule uns anstrengen, über den Unterricht hinaus, weit über das Lernen hinaus. Und was bleibt, sind Kommentare im Internet von Feiglingen, die ihren Namen nicht sagen wollen, um nicht angreifbar zu sein, während mein Kollege sich morgens ohne Fallschirm und mit vollem Namen nach vorn stellt. Dies betrifft auch Briefe, die an die vorgeordneten Behörden gehen und wozu man dann gern eine Stellungnahme von mir möchte. Anonym. Feige.

Meditation.

Schlaf-Apnoe.

Katzen.

Lesen. Gestern Hinweis auf eine Liste dystopischer Romane und Sachbücher bekommen als Anregung bei www.kritisch-lesen.de.

Eichhörnchen. Via @vorspeisenplatte

Christchurch und friedliche Moscheen. Via @vorspeisenplatte.

18 Jahre Schulleiter: Montag

  1. Früher aufgestanden und mit dem Fahrrad meine 23km zur Schule gefahren (OK, mit dem neuen E-Bike). Tolle Stimmung am Morgen, in den Pegnitzauen einen Specht gehört, Nürnberg noch ein wenig im Schlaf. Nur ein paar Grad unter Null.
  2. Erlebt, dass Kollegen in Sachen Inklusion tolle Arbeit leisten, ohne dass ich/man sie „von oben“ dazu auffordern muss.
  3. Endlich den Namen des kleinen Mädchens erfragt, welches mich im Laufe des Vormittags, nahezu jeden Tag seit einiger Zeit, vor meinem Büro so fröhlich begrüßt. (Hallo Ronja)
  4. Bei einem Telefongespräch mit „dem Anwalt“ „bedroht“ worden.
  5. Eine 9. Klässlerin gelobt, die letzte Woche eine tolle Präsentation gezeigt hat. (Gut gemacht, Nathalie)
  6. Eine kluge Kollegin im Lehrerzimmer in ihren Entscheidungen ermutigt, ihr mein Vertrauen ausgesprochen.
  7. Gefreut auf das Heimradeln. Im Gegensatz zu letzter Woche ohne Mütze und Handschuhe heimgeradelt. Endlich auch wieder durch den mittlerweile eisfreien Wald. Schon in der 6. Stunde drauf gefreut. Um 16 Uhr losgeradelt.
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https://www.youtube.com/watch?v=HGqp_Ewj9s8

Arbeitszeit Schulleiter

Weil Timo davon schrieb, habe ich mal meine LDO (Lehrerdienstordnung) angeschaut. Die Formulierung ist ein wenig anders. Man spricht von der Hauptunterrichtszeit.

Dies wird gern ergänzt durch die AGO (Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern). Dort heißt es dann

Entsprechend interpretiert man, dass die Schulleitung bis 16 Uhr besetzt sein muss. Dies gewährleisten wir, indem wir die Mitglieder der Schulleitung auf die Tage verteilt. Jeder hat dann seinen Nachmittag.

Was Timo schreibt kenne ich aber auch. Das mit dem schlechten Gewissen beim früheren Gehen. Auch ich habe mir das mit dem einen Tag in der Woche vorgenommen. Auch bei mir scheitert das momentan einfach. Auch ich habe viele Entschuldigungen. Auch meine KollegInnen fragen mich schnippisch: ist heute nicht DER Mittwoch?

Das Schwierige ist aber wirklich die Unwägbarkeit der Vormittage. Man plant Gespräche zur Beurteilung oder mit Eltern oder KollegInnen – und dann gibt es einen Fehlalarm im Schulhaus oder einen Polizeieinsatz auf dem Schulgelände oder auch viel weniger Spektakuläres, was den Arbeitsfluss stört. Und dann schiebt sich alles nach hinten. Alternativ auch gern bei Erkältungswellen, wenn der Vertretungsplan explodiert und kein Gesprächstermin funktioniert, weil alle im Unterricht sind.

Und dann gibt es die Phasen mit den vielen Extrageschichten: Beurteilung, Beurteilungseröffnung, Elternbeiratssitzung, Vorbereitung Infoabend, Infoabend, Schulforum, Disziplinarausschuss, Lehrerkonferenz, Schulentwicklungsteam, Fachsitzungen, Bewerbungsgespräche, Einstellungsverfahren. Hier ist Delegieren in der Regel nicht möglich, weil der Schulleiter dabei sein muss.

Ja, aber ich schaffe es noch mit dem Mittwoch.

Wenn die Golfsaison angefangen hat.

Und weil es wichtig ist.

Als Trost für Herrn Klinge gedacht.

Bulldog-Fahren

  1. 25 km/h sind ausreichend.
  2. Am Tag mit Licht durchs Dorf fahren macht nur der Depp.
  3. Grüßen, immer, auch wenn man dich nicht kennt. Man kennt deinen Bulldog und dem, der ihn gehört – du bist halt der neue Knecht.
  4. Wenn der Nachbar am Zaun steht, gibt’s sicher was zu berichten. Halt an, steig ab, lass den Bulldog laufen – neu anwerfen kostet zu viel Diesel.
  5. Wer mit dem Bulldog noch nie steckengeblieben ist im Wald, der ist noch nie Bulldog gefahren.
  6. Vorglühen!
  7. Bulldog – nicht Trecker.