Peter O. Chotjewitz. Fast letzte Erzählungen. Verbrecher Verlag

Beim Verbrecher Verlag schau ich öfter mal rein. Hier eine Leseprobe gefunden. Dann angefangen zu lesen und bemerkt, dass u.a. von Meinhof und Baader erzählt in einer Art, die große Nähe vermuten lässt. Dann doch mal nachgelesen, wer hier schreibt. Spannende Spontan-Lektüre.

Die anderen fast letzten Erzählungen mal im Hinterkopf behalten.

Zuende gelesen am ersten Ferientag, an dem ich wenig überraschend um halb sechs wach wurde.

Tagesende SL 31.07.2020 – Freitag

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Delegiert: ASV-Problem, Austausch mit Kernteam ASV im Kultusministerium, bisher kein Lösung für das Problem AP-Prüfungsergebnisse Abgabe
  • Gespräch mit neuem Kollegen
  • Orga-Gespräch mit Der Betreiberin der Mensa: Wie kann es kommendes Jahr weitergehen
  • Büro: Oberflächen freiräumen, weil Reinigung in den Ferien und weil mein Büro drei Wochen lang mit Handwerkern belegt ist (Sie können als Leser nur schwer ermessen, wie kontrolliert ich hier schreibe, aber wenn wir mal unter vier Augen sind, erzähle ich Ihnen gern die Geschichte meines Büros und den damit zusammenhängenden Ursachen für meinen hohen Blutdruck)

Abschließend das, wie ein Kollege erwähnte, traditionelle Frühstück am letzten Tag im Büro des Schulleiters. Mit kompletter Schulleitung (stellenweise…vor dem Verlassen des Gebäudes kommt hier keiner zur Ruhe…aber selbst dann), der Sekretärin, dem Sozialpädagogen und dann der Dame, die die Mensa betreibt. Diesmal „nur“ mit Prosecco angestoßen, beim letzten Frühstück hier, das war mal zwischendrin, fand ich eine unbeschriftete Flasche klaren Inhalts aus Kroatien auf dem Tisch. Es gibt eben so Phasen…


Heute Samstag. Foto musste sein, weil ich mich an Fotos von Kaltmamsell und ihrem Balkon in München erinnerte – auf dem ich schon mal in echt stand 😊.

Und weil jetzt Ferien sind.

Und weil ich hier die letzten Tage bloggte und die nächsten Tage und Wochen lesen werde.

Und weil ich heute schon mit dem Fahrrad beim Einkaufen war.

Weil man von Tauchersreuth weit sehen kann und ich schon zwei Radler und zwei Bier für später kaltgestellt habe.


Tagesende SL 30.07.2020 – Donnerstag

Auto. Fahrradersatzteil ist gekommen. Nyon Display bestellt.


Erledigte Aufgaben

  • Zwei Gespräche mit neuen KollegInnen
  • Zum Schülerverteiler gegangen
  • Eine 5. Klasse mehr wieder mit in die Schule gebracht (damit 34 Klassen und 870 SchülerInnen im kommenden Jahr)
  • Gespräch mit Sozialpädagoge
  • Anträge Aushilfen postfertig gemacht
  • Sauer geworden, gemerkt, dass ich schon länger sauer bin, etwas lauter geworden, Frust abgeladen über mich vor allem, logisch, eigene Unzulänglichkeiten und Fehlentscheidungen, noch saurer geworden und zorniger, falsche Zielgruppe getroffen
  • Danach entspannter und konstruktiv mehr als drei Stunden erfolgreich gearbeitet im Team

Im Auto nachgedacht. Entscheidungen bearbeitet. Mich bearbeitet. Sushi gekauft. Merke, dass Niederlagen mich nicht mehr ganz so weiter runterziehen – wenn man dem Ganzen doch mal Positives formulieren möchte. Aber es muss besser gehen.

Tagesende SL 29.07.2020 – Mittwoch

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Gespräche mit neuen KollegInnen
  • Paar Emails beantwortet
  • Zur Tätowiererin gegangen
  • Überarbeitungen von Beurteilungen fertig gemacht (4)
  • Zahlen der SchülerInnen und Klassen durchgegangen und auf den Schülerverteiler vorbereitet
  • Rückmeldung SPRINT verfasst

Zum ersten Mal in diesem Jahr auf die Liege im Garten gefallen. Durchgeatmet. Buch weiter gelesen, was schon ewig auf dem Nachttisch liegt. Früher ins Bett.

Tagesende SL 28.07.2020 – Dienstag

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Grob überschlagen: 15 Gespräche geführt, zwischen 5 bis 45 Minuten lang
  • Abschlussprüfungsdaten versucht zu senden, drei Mal fehlgeschlagen
  • Ticket eröffnet zum Problem
  • Zahlen für den Schülerverteiler übermittelt
  • Unterschriften
  • Beurteilung: 1
  • Angefangen die zugesendeten Jahresberichte der anderen Schulen im Büro zu stapeln, ich glaube es sind Jahresberichte, bin „noch nicht dazu gekommen“, die Umschläge zu öffnen

Müde.


Tagesende SL 27.7.2020 – Montag

Auto. Weil Fahrrad wieder defekt. Diesmal selbst Schuld. Aber ich lerne. Ersatzteil bestellt. Wird schon.

Eine Birdiechance, die gestern dann zum Par wurde. Es ist zum Heulen. Das Eisen 8 kam beim Abschlag selten so soft und zielgenau aus 130 Metern.

Erledigte Aufgaben

  • Meldung AP noch mal gesendet, wieder Fehlermeldung bekommen
  • Telefongespräch mit dem Support, morgen Ticket erstellen
  • heute Abend noch mal probiert, mal sehen
  • Gespräch mit neuem Kollegen
  • Gespräch über Drittkorrektur einer AP-Arbeit
  • Aufnahmegespräche: 1
  • Anruf aus KM wegen zugewiesenem Personal
  • Unterschriften
  • Fachsitzung Deutsch, nur der Anfang
  • Meeting iPad Klasse
  • Schlüssel für neue KollegInnen angefordert
  • Längeres Nachgespräch zur iPad-Klasse und Digitalisierung allgemein mit eine Kollegen
  • Längeres Gespräch mit Erweiterter Schulleitung

Stressiger Tag heute, Symptome, es wird Zeit für Ferien

  • verlasse mein Büro um 9:30, um auf Toilette zu gehen, werde aufgehalten, um 12.30 Uhr „fällt mir das wieder ein“ und ich gehe endlich
  • fange eine Sache an, jemand kommt ins Büro, nach dem Ende der Störung weiß ich nicht mehr, was ich vorher gemacht habe
  • gehe den Gang entlang und merke, dass ich, offenbar seit geraumer Zeit, die Schultern und den ganzen Rücken angezogen habe
  • bemerke den ganzen Tag über eine Abfolge von emotionalen Sprüngen, also von einem sehr guten Gefühl hin zu einem resignativen, niedergeschlagenen Empfinden
  • muss bewusst eine innere Anspannung lösen, z.B. nach einem Telefonat, die mich hindert, weiter zu arbeiten
  • Phasen von Rückenschmerzen
  • nur zwei der Aufgaben erledigt, die ich mir am Tag vorher notiert habe und das waren Pillepalle-Sachen
  • Kompensierungsversuch durch Essen

Geplante Gegenmaßnahmen, in umgekehrter Priorität

  • in der Folge auf Bewegung achten, bedeutet jeden Tag unabhängig vom Hetzen im Schulhaus bewegen
  • jeden Tag dieser Woche abschalten, wenn ich heimkomme, bewusst, ja das geht ja
  • Fahrradfahren
  • weniger essen, also zwei Mahlzeiten pro Tag
  • schlafen, mehr schlafen
  • lesen statt fernsehen
  • Ich sein
  • Abgrenzen von den Emotionen und Erwartungen anderer

Öffentlich Reden als Schulleiter

Anlass: Zeugnisvergabe an Abschlussschüler
Ort: Turnhalle, mit Abstandsregeln
Vorbereitungszeit: 2 Wochen
Aufgeschrieben: Am Abend vorher zwischen 21:10 und 22:00 Uhr
Vergessen: Im Drucker meines Büros
Unzufrieden.

Hier also die Vorlage. Die Rede selbst aus der Erinnerung improvisiert.

Die linke Hälfte.

Rede Abschluss 2020

Als ich im Januar irgendwann zum ersten Mal davon gehört habe und kurz darauf alle Welt davon sprach, dachte ich bei mir: Super, jetzt habe ich eine Idee für meine Rede am Ende des Schuljahres auf der Abschlussfeier.

Als ich dann am 13.3. aus dem Fernsehen erfuhr, dass meine und alle anderen Schulen schließen würden, fühlte ich mich schon etwas komisch.

Als nach einem Monat die Schulen immer noch geschlossen waren, machte ich schon weniger Scherze.

Und heute weiß ich eigentlich nicht wirklich, wie es weitergehen soll und ob ich darüber überhaupt Scherze machen kann.

KLICK

Heute ist ein wichtiger Moment für euch. Ihr bekommt das Zeugnis, was die Belohnung für das Durchhalten, die Arbeit und der Fleiß ist – bei den meisten von euch.

Ihr bekommt ein Zeugnis, was euch neue Chancen eröffnet und neue Wege. Es ist bei Weitem kein Ende, es ist ein vorsichtiger Anfang.

KLICK

Ja, es ist schade, dass ihr heute nicht so feiern könnt, wie es andere vor euch getan haben. Und Freund und Eltern sind hier nicht dabei. Es gibt keine Musik. Eure Lehrer sind nicht alle da.

Ihr seid vielleicht genervt.

KLICK

Aber: Sophie Passmann sagte dazu neulich auf Instagram unter dem Hashtag #abschlussfeier2020:

„Ihr seid jetzt erwachsen und erwachsene Menschen müssen manchmal einfach auch genervt sein und Dinge aushalten. Das nervt auch am Erwachsensein. Aber niemand hat gesagt, dass es cool ist.

Seid ein bisschen stolz auf euch. Lasst euch nicht so viel reinreden bei der Frage, was ihr mal beruflich macht. Denn später seid ihr die einzigen, die diesen Beruf auch machen müsst.

Und jetzt schlaft euch erstmal so richtig aus.“

KLICK

Also:

Die schönsten Tage werden noch kommen. Nicht bei jedem zur selben Zeit, nicht in derselben Qualität, aber sie kommen.


KLICK bezog sich auf eine Präsentation, in der sich stufenweise folgendes Bild enthüllte.

This moment is nothing in relation to your overall life | Need The ...

Tagesende SL 24.07.2020 – Freitag

Auto. Weil.

Wie immer mit Gruß an Timo Off.


Erledigte Aufgaben

  • Einige persönliche Verabschiedungen von KollegInnen, die ausgeholfen haben und nun entweder ihr Studium weiter betreiben oder aber dann ab härtest ins Referendariat gehen
  • Letzter Antrag auf Aushilfsstelle
  • Nur wenige Zeugnisse neu ausgedruckt und unterschrieben
  • Zwei Einsprüche aufgenommen
  • Vergabe Leistungsprämie an eine Kollegin
  • Zeugnisvergabe an Abschlussschüler in der Turnhalle, Rede gehalten, Zeugnisse ausgeteilt
    • Rede im Büro ausgedruckt
    • In der Turnhalle während der Veranstaltung gemerkt, dass ich die Rede im Drucker vergessen habe
    • Ales aus der Erinnerung rekonstruiert (dumm gefühlt)
  • Versucht das Problem der Übermittlung der AP-Zahlen an ASD zu lösen, drei Lösungen umgesetzt, keine half – später per Mail dran erinnert wurde, dass man noch nicht abgegeben habe; drei Supportstellen angerufen, aber wir waren offenbar die letzten, die noch gearbeitet haben, nirgendwo nahm einer ab (ja, ich bin unfair)
  • Noch zwei Stunden lang Aufnahmegespräche mit Eltern und neuen SchülerInnen

Mindestens zwei KollegInnen, die sich verabschiedeten, bedankten sich für die Chance und das Vertrauen, welches ich ihnen entgegen gebracht habe. Eine meinte, ich hätte die schlechten Erfahrungen mit allen zurückliegenden Chefs wieder aufgewogen.

Ich gebe zu: Das hat mir ein wenig die Ahnung gegeben, dass irgendwas von dem, was ich den ganzen Tag so mache, vielleicht doch gut ist. Manchmal.

Und ehrlich: Die KollegInnen, die jetzt gehen und nur dieses Jahr da waren, haben wirklich ein Jahr erlebt, was auch jenseits von Corona einiges bereithielt. Ereignisse, die ich in 23 Jahren als Lehrer so noch nicht erlebt hatte.

(Ach ich liebe immer diese Formulierung…seit 23 Jahren, zur Ergänzung: 1997 ins Ref gekommen und damit überhaupt ins bayerische Schulsystem eingestiegen, nach Schullaufbahnen in Hamburg und NRW).

Tagesende SL 23.07.2020 – Donnerstag

Auto. Weil ich Blumen kaufen muss.

Dennoch Fahrradbild vom letzten Samstag, auf dem Weg zum Einkaufen. Toller Blick bis nach Nürnberg bei klarem Himmel.


Erledigte Aufgaben

  • Absprache mit Schulleitung und Sekretariat bezüglich Anmeldungen, die morgen beginnen
  • Anträge für Angestellte weiter bearbeitet
  • Telefonat wegen neuer Instrumentallehrerin
  • Neuer Antrag
  • Zahlen der Klassen neu überprüft
  • Gespräch wegen Zeugnisübergabe morgen
  • Noch mal 100 Zeugnisse unterschrieben
  • 50 Beglaubigungen unterschrieben
  • Essen mit Kollegium auf dem Pausenhof
  • Auf der Heimfahrt Blumensträuße für morgen gekauft
  • an Bertelsmann geschrieben, ob wir das Video, auf dem wir einen Song durch Schüler und Lehrer covern, veröffentlichen dürfen
  • Bei meinem Lieblingsschlagzeuger informiert, wie man das mit dem Video machen kann
  • Mit dem Sozialpädagogen auf ein Bier angestoßen, weil jetzt seine Stelle bei uns endlich entfristet ist – beste Nachricht des Tages

Muss heute noch die Rede für morgen aufschreiben, ähm, entwerfen. Alles kürzer. 5 Minuten nur. Das schaffe ich. Wollte eigentlich eine Rede halten, ohne Corona zu erwähnen. Mal sehen.


Tagesende SL 22.07.2020 – Mittwoch

Erledigte Aufgaben

  • Daily, kurz
  • über 100 Abschlusszeugnisse unterschrieben, danach die Beglaubigungen, Unterlagen für die externe Schule klar gemacht
  • Termine zur Anstellung von Lehrkräften, Anträge, Unterschriften: zwei heute, einer gestern
  • Telefonat mit NEST Nürnberg, Termin vereinbart für September wegen Vertiefung der Kooperation
  • Telefonat Absprachen wegen modifizierter Orientierungstage im kommenden Halbjahr
  • Telefonate mit neuen KollegInnen (2)
  • Leistungsprämie Angestellte: verteilt, Formulare ausgefüllt, Vergabeschreiben aufgesetzt, gefaxt
  • Postausgang
  • Elternbrief aufgesetzt
  • Lehrerbriefing geschrieben und verschickt
  • Telefonat Schulaufsicht, wegen Statistik, Beurteilung, Elternproblem
  • kleine Beurteilungssachen KM erledigt
  • Bisschen Gespräche über Klassenverteilung

Um 19:15 Uhr das Schulhaus verlassen, wegen kurzem Besuch einer kleinen Veranstaltung in der Schule.

Erschreckender Gedanke am Nachmittag: Wenn alle weg sind und nur die Putzfirma durch die Gänge geht, kann ich super arbeiten. Konzentriert. Ausdauernd.


Auf dem Heimweg zum Amerikaner essen gegangen. Zum ersten Mal seit Corona. Pommes doof. Burger super. Und entspannend bei schlechter Musik. Und da gesessen und den Gedanken zugeschaut.

Tagesende SL 21.07.2020 – Dienstag

Fahrrad. Schön kühl am Morgen. Früh aufzustehen hat sehr schöne Seiten.

Der Weg zur Zeitungsrolle am Morgen.


Erledigte Aufgaben

  • Daily
  • Noten der mündlichen Prüfungen der Externen eingepflegt
  • Ablagen geordnet, viele Papier dort abgelegt, wo ich sie wiederfinden sollte, dabei Dinge von 2018 aus der Ablage weggeworfen
  • Schulrecht nachgelesen, immer und immer wieder, komme mir vor wie der allerletzte Exeget
  • Muttertelefonat wegen Sohn
  • Konferenzprotokolle sortiert und abgelegt
  • Zahlen (auch aus den Anmeldungen) extrahiert, mit denen wir die Klassengrößen überschlagen können für den Schülerverteiler

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Exkurs „Das Nürnberger Modell“ (Der Schülerverteiler)

Ich wurde von einem Kollegen einer anderen bayerischen Stadt mal angesprochen, dass er jetzt auf eine Veranstaltung geht, bei der das „Nürnberger Modell“ angewendet wird. Ich nenne das Modell gern „die Schülerversteigerung“, woanders geht es um die „Schülerlandverschickung“. Egal, der Schülerverteiler jedenfalls, also das „Nürnberger Modell“.

Damit ist eine Veranstaltung gemeint (mittlerweile gibt es zwei im Jahr, nächstes Schuljahr wohl drei), auf der sich die Schulleiter aller Nürnberger Realschulen und der Realschulen der Metropolregion mit der Schulaufsicht und dem städtischen Schulamt zusammensetzen und diejenigen Schüler verteilen, die in Nürnberg nicht mehr in die Schulen passen. Nürnberg hat zwei städtische und drei staatliche Realschulen, ebenso wie zwei Realschulen, die innerhalb eines gesamtschulähnlichen Gebildes untergebracht sind. Im Einzugsbereich (z.B. Fürth) gibt es sicher noch fünf weitere staatliche Realschulen. Daneben auch private und kirchliche, die aber nicht eingeladen werden.

Nürnberg, so wie Augsburg und München, gehört zu den Regionen, in denen die Schülerzahlen entweder auf sehr hohem Niveau stabil sind oder sogar steigen. Daher kommt es, dass es im Stadtgebiet oft einen Überhang an SchülerInnen gibt oder aber sich die Anmeldezahlen bei einigen Schulen nicht mit dem Raumangebot im Gebäude vereinbaren lassen.

Die Verteilung der SchülerInnen wird immer mit sehr großem Aufwand (Analyse der Entfernung und Verkehrsverbindungen zu Schule, Familienbedingungen usw.) betrieben. Für diese Arbeit jedenfalls habe ich größten Respekt – eine Herkulesarbeit.

Jedenfalls müssen für dieses Treffen bestimmte Zahlen vorab angemeldet werden:

  • Anzahl Schüler pro Jahrgang und Wahlpflichtfächergruppe, die aufgrund von Klassengrößen nicht aufgenommen werden können
  • Anzahl der freien Schülerplätze pro Jahrgang und Wahlpflichtfächergruppe, über die Schüler aufgenommen werden können
  • Das Ganze dann noch aufgeteilt in Ganztag und Halbtag und Offener Ganztag

Angesichts aktueller Entscheidungen zum Vorrücken unter Coronabedingungen ist dieser Vorgang, sagen wir mal…schwierig.

Also noch mal kurz:

  • Im Mai werden vor allem die neuen 5. Klässler an der Realschule angemeldet
  • gleichzeitig können sich auch Kinder für höhere Jahrgangsstufen voranmelden
  • Ende Mai kommt der Schülerverteiler 5
  • Ende des Schuljahres die endgültige Anmeldung
  • Anfang der Sommerferien der Schülerverteiler 6-10

Die Crux an der Sache: Ich weiß erst in den Ferien, eigentlich erst zu Beginn des Schuljahres, wie viele SchülerInnen ich wirklich habe. Zu dem Zeitpunkt ist die Personalplanung aber schon abgeschlossen.

Damit man mich nicht falsch versteht: dies ist kein Rant.

Es ist nur eine Beschreibung, welcher Aufwand betrieben wird, um allen SchülerInnen die Schule zuzuordnen, die am besten passt. In einer Großregion wie Nürnberg, Fürth, Erlangen gelingt dies nur unter Vernetzung aller oder möglichst vieler Schulen und Ebenen. Natürlich sitzen um den Tisch herum Personen mit eigener Agenda – aber nun.

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  • Verschiedene andere Ablagen durchgegangen und sortiert
  • Vierte und letzte Abschlussprüfungskonferenz, kleiner allgemeiner Teil am Ende
  • Mehr als 100 Zeugnisse unterschrieben nebenbei

Tagesende SL 20.07.2020 – Montag

Fahrrad. Die reparierte Schaltung ist zwar heil, aber noch nicht optimal. Muss noch mal ran, komme aber vor dem Wochenende nicht mehr dazu.

Kurz vor der Schule, nach der Durchquerung der Stadt, wird es wieder ländlich. Hier ein Gemüsebauer, der sein Feld und den Fahrradweg wässert.

Eine Kollegin auf dem Rad getroffen, die mir noch eine Abkürzung der letzten Teilstrecke empfehlen konnte. Nicht nur kürzer, sondern auch schöner. Ich optimiere an der Strecke also seit über einem Jahr.


Erledigte Aufgaben

  • Daily
  • Längeres Telefonat Schulaufsicht: Personalfragen und Beurteilung (eine Beurteilung verlässt meinen Schreibtisch, zwei neue kommen hinzu)
  • Mehrere Emails abgearbeitet
  • Einbau und Ausdruck des besonderen Berichts für die Klassenkonferenzen (erst später entdecke ich den Formatierungsfehler, da hatte ich schon 250 Seite über den Kopierer ausgedruckt)
  • Klassenkonferenz und allgemeine Konferenz (Reihenweise Verleihung von Urkunden – zu dem führen u.a. ja diese ganzen Beurteilungen)

Letzte Woche vor den Ferien. Kein Tag wird normal sein. Alles geschieht unter recht ordentlichem Zeitdruck. Ich werde es so z.B. nicht schaffen alle Zeugnisse selbst zu unterschreiben.

Klassenkonferenzen sehr aufreibend, weil schon die Vorabsprachen so sind, dass man in jeder Minute konzentriert sein muss, weil die Verbindung von Corona und Schulrecht anspruchsvoll ist.

Klassischerweise am Freitag dann die Aufnahme von SchülerInnen von anderen Schulen und Schularten. Man führt eine Voranmeldung im Mai durch und muss dann mit dem Endzeugnis vorbeikommen, um die Anmeldung inklusive Beratungsgespräch final durchzuführen. Letzter Freitag im Schuljahr und erster Montag der Ferien sind vom Publikumsverkehr her die heftigsten Tage des Schuljahres. Dieses Jahr Verquickung von Onlineverfahren und Terminvergabe. Bisher recht ordentlich gelaufen – ich würde dies etablieren wollen, mit kleinen Modifikationen.

Spät heim. Sehr müde. Früh schlafen.

Deutsches Tempo

„Wenn du Sonntag nachmittags in einem Park auf das grüne Gras gehst, obgleich eine Tafel mit dem deutschesten Wort davor steht: Verboten! – dann stellt dich bestimmt irgendein Aufseher, ein Schupomann, ein Kriminalbetriebsassistent, kurz: ein von dir bezahlter Beamter, und du glaubst gar nicht, wie schnell du dein Strafmandat in der Tasche hast. Vorladungsfristen, Zahlungsfristen – es geht bei der großen Menge ähnlich wichtiger Geschäfte ziemlich rasch.

Wenn aber ein strammer Deutschnationaler Waffen ansammelt und verbirgt, um dereinst glorreich gegen Frankreich zu ziehen (und die andern als Helden sterben zu lassen) – dann rührt sich nichts. Justitia, diese Göttin der Gerechtigkeit in der kaiserlich deutschen Republik, lehnt dann müde an der Wand, das Schwert hat sie in eine Ecke gelehnt, die Augenbinde auf die Stirn hinaufgeschoben, und die Waage, die schon immer ein bißchen nach rechts ausgeschlagen hatte, abgestellt. Sie schlummert. Ab und zu spricht sie aus dem Schlaf. Aber es hört keiner hin.

[…]

Wir sehen zu und denken: es wird schon werden – und stehen dabei, wie der Staatswagen gemütlich, in deutschem Tempo, immer hübsch langsam voran, dahinbummelt. Wir sollten dem Kutscher seine schwarz-weiß-rote Peitsche aus der Hand nehmen, den Wagenschlag öffnen und rufen: »Alles aussteigen –!« Und die Tafeln abreißen, auf denen zu lesen ist: »Rechts fahren!« – Und nicht dulden, dass wir eine Fahrt bezahlen, die, wenn sie so weitergeht, auf den Rieselfeldern enden wird.

 Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky), Welt am Montag, 07.08.1922.

Tagesende SL 16.7.2020 – Freitag

Fahrrad. Fing super an. Nach zwei Kilometern riss erneut der Schaltzug im Wald. Zum Glück hatte ich ein Haargummi meiner Frau dabei und konnte es so fixieren. Ich wollte nicht heim das Auto holen. Trotz rund 6 Stunden Schlaf fühlte ich mich beim Aufwachen wie gerädert. Nach 5km mit dem Rad war das weg.

Satzinger Mühle.


Erledigte Aufgaben

  • Daily
  • Strategisches Gespräch mit den beiden Lehrern, die die iPad-Klassen einführen wollen, wir entschließen uns für das Go (ich werde in beiden Klassen Geschichte unterrichten)
  • Bewerbergespräch wegen einer Stelle
  • Interne Schulleitungssitzung
  • 100 Zertifikate für die 9. Klassen unterschrieben, hatte den Füller mit dem Tinten-Farb-Ton Aubergine eingesteckt.
  • Einige Nebenbeigespräche über Verschiedenes
  • Diverse Zeugnisbemerkungen gelesen
  • Längeres Telefonat mit KM, bisschen rumgeheult, dass ich noch keine Lehrer für die Leerstellen habe

Abends das Fahrrad selbst repariert. Ging recht leicht. Hatte die Ersatztteile schon bestellt, weil ich ein komisches Gefühl hatte. Bin unzufrieden mit meiner Werkstatt.


Die Zeit aktuell ist seltsam. Habe mir die beste Zeit ausgesucht, um Schulleiter zu werden. 16 Jahre noch. Vielleicht weniger.