#wasmachteigentlichderchef 2021-12-03

U-Bahn. Seit zwei Wochen nicht mehr (mit meinem) Rad gefahren. Ab und an mal mit dem VAG-Rad, weil Bahnen nicht fuhren, ab und an mit dem E-Scooter, zur Belohnung. Ziemlich kalt und ungemütlich.


Erledigte Aufgaben:

Ich tippe seit ein paar Tagen für mich eine „had_done“-Liste auf Evernote mit, was vor allem an einem leichten Verlust des Zeitgefühls liegt. Wollte schon auf Wochenberichte umsteigen, aber meine Wochenenden sind nun auch aktiver geworden im Ganzen. Es gibt Ausflüge, bis in den Bayerischen Wald hinein.

Die Tage unter der Woche sind monoton. Ich kann manchmal die Tage nicht unterscheiden. Davon hier zu schreiben passt mir grad nicht.


Stimmungen:

Drei Beschwerden an verschiedene Stellen der Stadt Nürnberg adressiert und abgeschickt: Sehr ausführlich zum Thema Vandalismus und mangelnder Gegenwehr durch die Stadt, eine zum schlechten Schneeräummanagement auf Fluchtwegen, eine zum Thema „Muss man einem Jäger erlauben, in 20m Entfernung von einer Schule im laufenden Schulvormittag Hasen zu schießen?“ oder Zitat: „Ich wünsche zu erfahren, welches Amt dies erlaubt hat.“

Blick aus dem Klassenzimmer, wo ich grad mit meinem Sozialkundeunterricht angefangen habe. Der Herr links zückt gleich seine Büchse und knallt einen Hasen ab. Freitag um halb neun vormittags, auf der Hausseite mit den Klassenzimmern.

Fantasien und Erwartungen: Es werden Personen über lange dunkle Gänge des Rathauses gehen und verächtlich meinen Namen vor sich hinmurmeln. (So stelle ich mir das immer vor) Aber es hat noch keiner angerufen. Niemand überschätzt mich.


Tagesgeschäfte:

An jedem Testtag zwischen zwei und vier positive SchülerInnen. Jeder der Teste wird bestätigt durch PCR. Im Kollegium immer mal wieder positive Ergebnisse.

Vandalismus auf den Schulklos.

Disziplinarauschuss.

Schulforum.

Einarbeitung in das Disziplinarrecht für Beamte.

Nach einem kurzen Gespräch mit einer Schülerin einen Brief von ihr im Fach gefunden, am Ende der Satz: „Danke, dass Sie sich das angehört haben, vielleicht sogar etwas machen können.“

Mich auf einer Treppe wiedergefunden, beruhigend auf einen eskalierten Schüler einredend bis der Sozialpädagoge kommt.

Übernehme ab kommender Woche eine zusätzliche Klasse.


An manchen Tagen, so wie grad jetzt: Tinnitus in Hochform.

Diese Woche zwei Mal im Lehrerzimmer gewesen und hängen geblieben. Hingesetzt. Gescherzt. Meinen Weihnachtssweater zur Schau gestellt, der mir von Kollegen geschenkt wurde und den es leider nur in XL gab. Das war schön.

Eine Kollegin erzählte mir eine Geschichte aus der 6. Klasse, auf deren Höhepunkt ein Schüler mich mit einer Glitzer-Pokemon-Karte verglichen hat.

Die Coachin besprach mit mir letzte Woche die Problematik, dass man (ich) sich (mich) zu sehr auf das fokussiere, was ich (noch) nicht geschafft habe oder (noch) nicht kann, anstatt zu sehen, was man (ich) schon alles gestemmt habe, auch wenn man (ich) das immer herunterspiele. Außerdem das Prinzip an die Hand gegeben, sich für erledigte Aufgaben zu loben und zu belohnen.

Passt. Bin ein paar mal E-Scooter gefahren.


Auch Belohnung gewesen: Baumwipfelpfad, Bayerischer Wald, St. Englmar. Blick 55m hinab. Mit Übergewicht.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-22

U-Bahn, weil nass und kalt. Sehr in Gedanken auf dem Schulweg, daher kein Foto gefunden. Ich hoffe dennoch, dass es noch Tage gibt, an denen ich das E-Bike aus dem Keller holen kann.


Aufgaben erledigt:

  • Konferenzplan (endlich) aufgesetzt mit Prüfungsterminen
  • Telefonat KM, LAS
  • Gespräche über 30 Minuten lang: 3
  • Unterrichtsbesuch
  • Unterrichtsbesuchsbesprechung
  • Absprache SL
  • mehrere Emails geschrieben
  • gedankliche Orga durchgeführt für zwei anliegende Projekte

Die letzte Woche hatte, trotz unterrichtsfreien Tag, viel auch im privaten Freizeitbereich zu bieten, was ich sehr genossen habe. Dazu an einem Tag bis in den Bayerischen Wald gefahren, um einen Schulleiterkollegen zu besuchen.

Daneben aktuell wieder schwieriger den Fokus zu halten, bzw. ihn überhaupt aufzubauen. Daneben müde.

Sitze grad daheim am Schreibtisch, weil ich auf den Beginn der zweitägigen Schulleitertagung warte, die eigentlich präsent stattfinden sollte. Gleichzeitig beginnen hier die Arbeiten, nach wochenlanger Vorbereitung, punktgerecht zur Installation der Balkonanlage am Haus. Und gleich kommt noch der Schornsteinfeger. Ich weiß ja auch nicht.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-11-12-15

Fahrrad, wie auch Donnerstag und Freitag letzter Woche. Am Donnerstag riss mir morgens an der Jansenbrücke die Kette. Hatte schon vorher gehakt, verhakte dann komplett und machte den Abgang. Rad beim Aldi abgeschlossen, U-Bahn gefahren. Nachmittags wiedergeholt, gleich zum Fahrradreparateur, der das noch vor seinem Laden schnell erledigte, 15 € Standardpreis für alles, fränkisches Gemurmel, fertig.

Wenn ich Werbung mache, dann bitte hier und jetzt. Suchen Sie in Nürnberg eine Fahrradwerkstatt? Dann gehen Sie doch zum Gangwechsel. Absolute Empfehlung.


Erledigte Aufgaben (15.11.)

  • Elternbrief angefangen
  • Briefing Lehrer angefangen
  • drei Unterrichtsbesuche
  • von einer Mutter am Telefon angebrüllt worden, die sich dann beim KM und der Schulaufsicht über mich beschwerte, nachdem ich einfach nach ihrem ersten gebrüllten Satz aufgelegt habe
  • mit der Schulaufsicht telefoniert
  • Lagebesprechung interne Sl
  • KMSe lesen, auch das mit dem Hinweis „dringend“ und „Erinnerung“
  • Neuen Rahmenhygieneplan lesen

Inzidenz: 453 in Nürnberg.


Lage

Man mag es mir nachsehen. Ich bin neulich auf dem RKI Dashboard auf diese Kurve gekommen betreffend Corona in Bayern. Markiert sind die beiden Zeitpunkte, wo in der Vergangenheit die Schulen geschlossen wurden.

  1. 16.03.2020
  2. 16.12.2021

Und nun weiß ich auch nicht.

Ich weiß, dass eine erneute Schließung, die so lange dauern würde, zu kaum noch absehbaren Verwerfungen bei einigen/vielen SchülerInnen führen würde. Ich erlebe aber auch an der Schule, dass die Testungen und damit verbundenen Maßnahmen zu einer Unruhe führt, die ebenso wenig hilfreich ist. Man bedenke dabei, dass Nürnberg auf eine 500er Inzidenz zusteuert. Allein an meiner Schule haben wir durchschnittlich an jedem Test-Tag mehr als einen positiven Fall. Hinzu kommen Infektionen in den Familien, die uns von außen zugetragen werden. Dass es sich so entwickelt, konnten wir in dem Moment abschätzen, als es anfing, dass man im Gesundheitsamt nur noch sehr schwer Ansprechpartner finden konnte.

Was die Politik unternimmt, ist noch völlig unklar. Natürlich hat die Schule „oberster Priorität“, aber wenn ich sehe, welcher Maßnahmenplan bisher für die Schule unternommen wurde, wird mir bang.

Mein sarkastischer Tweet wurde dann auch mit einer kaputten Kette am Rad bestraft.

Aber so oft ich in letzter Zeit wieder das Wort Schulschließung höre, Wechselunterricht, Lockdown, fürchte ich, was auf uns zukommt. Bei beiden Schulschließungen fing es ebenfalls immer damit an, dass man versicherte, dass man keine Schulen schließen wolle. Dann konnte man eigentlich nur noch herunterzählen.

Und ich habe keinen Ansatz zur Lösung. Unausgereifte Ideen ja, aber nichts wirklich Hilfreiches. Denn eigentlich fürchte ich beides: Schulschließung und keine Schulschließung. Wechselunterricht scheint mir eher eine realistische Maßnahme – wegen Abstand und wegen der Möglichkeit, sich auf wenige SchülerInnen besser konzentrieren zu können.


Bin am Wochenende auf ein Besuch in eine andere Stadt gefahren. Dabei das Auto stehengelassen und Bahn benutzt. Das empfand ich als sehr anstrengend wegen der Maske. Aber immer noch besser als nachts mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und womöglich wieder ein Bambi zu überfahren.

Ergänzend wäre zu betrachten, dass mir der Stellvertreter einen Hirschbraten verkauft hat, der nun in der Tiefkühle liegt.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-10

Fahrrad. Kalt. Sehr kalt. Sehr schön.

Westpark. Morgens.


Erledigte Aufgaben

  • Briefing geschrieben
  • als das Briefing fertig war, kam ein neues KMS rein
  • KMS analysiert und Briefing ergänzt
  • auf Amazon nach Kugelschreibern gesucht
  • Gespräch vorbereitet, welches unangenehm werden könnte
  • Gespräch geführt, was dann aber zumindestens nicht unangenehm war, stand trotzdem unter Strom die ersten zehn Minuten
  • Unterricht 10 SK
  • Unterrichtsbesuchsgespräch
  • Schülergespräch

Heute Mittwoch, früher Schluss.

Inzidenz über 300.


Gespräche vorbereiten

Früher habe ich Gespräche aus dem Bauch raus geführt. Das ging, aber wenn es unübersichtlicher oder emotional anstrengender ist, funktioniert es nicht. Auch weil ich, man mag es kaum glauben, mit den Jahren aufbrausender geworden bin – die Lunte ist manchmal sehr kurz.

Vor 1,5 Jahren habe ich mir mal einen Gesprächsleitfaden zurechtgelegt, den ich vor solchen Gesprächen durchgehe. Wichtig dabei sind für mich folgende Punkte:

  • meine Ziele, die ich mit dem Gespräch verfolge
  • die Antizipation dessen, was mein Gegenüber will

Was ich im Gespräch versuche

  • Übereinstimmung zwischen diesen Seiten und Positionen zu finden
  • Lösungen zu generieren im Gespräch
  • Gefühle wahrzunehmen und zu zeigen, dass ich sie wahrgenommen habe
  • mich unter Kontrolle zu halten und zurückzunehmen

Was ich versuche zu vermeiden im Gespräch:

  • mich für irgendwas Vergangenes zu rechtfertigen (Blick nach vorn)
  • das Gespräch ohne Zusammenfassung zu beenden
  • keinen zeitlichen Rahmen zu haben

Funktioniert öfter.

Schlimm für meine SchülerInnen, wenn ich aus solchen Gesprächen direkt in den Unterricht wechsle: aufgedreht, überironisch, mäßig witzig, fahrig. Wie heute dann.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-09

Fahrrad, kühl, eher kalt. Schön. Wollte trotzdem Handschuhe nicht ausziehen, um zu fotografieren.


Erledigte Aufgaben

  • Unterricht vorbereitet
  • Unterricht durchgeführt: SK 10
  • Personalratsgespräch
  • mehrere Emails, um Termine und Treffen auf den Weg zu bringen
  • Videokonferenz mit Kollegin
  • Abgleichgespräch SMV
  • Unterrichtsbesuch
  • Unterrichtsbesuchsbesprechung
  • Gespräche geführt über: Musikunterricht, Klassenfahrten
  • abends: Brief an den OB und den Stadtrat formuliert zum Thema Vandalismus und ungenügenden Schutz von Schulgebäuden

Inzidenzen steigen. Pressekonferenz. Zähneknirschen.

KMS erneut gelesen zu den aktuellen Maßnahmen. Gegrübelt, warum Maskenpflicht das einzige ist, was erneuert wird, aber keine Angaben zum Sport- und Musikunterricht gemacht werden (hier übrigens keine Maskenpflicht). Bzw. wird hier gesagt, dass alles weiter gilt wie vorher – büschen mehr aufpassen bitte. Es klingt, als wenn man abgestimmt hätte über die Maskenpflicht und dann den Faden verloren hat.

Also so wie ich die Coronapolitik aktuell empfinde.


Gründe zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 0/10: Wenn ich länger nachdenken würde

Die Zahl 10 war anfangs eine reine Fantasiezahl. Nach den ersten drei dachte ich, dass ich keine zehn zusammenbekomme. Dann tauchte jeden Tag eigentlich was auf, das passte. Ich könnte wahrscheinlich so weiter machen. Naja. Irgendwann würde es vielleicht dünn werden.

Die Formulierung habe ich allerdings bewusst so formuliert: Ich habe es bereut mich beworben zu haben. Ich bereue es nicht, ein Schulleiter zu sein. Klingt komisch, ist aber so.

Und nein, keine Angst, es kommt jetzt keine Serie „Die zehn geilsten Gründe, Schulleiter zu sein.“ Euphorie liegt mir weiterhin nur im ganz Privaten.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-08

U-Bahn, weil der Fahrradsattel den Regen der letzten Tage aufgesogen hat (dachte das sei ein reiner Kunststoffsattel ohne Saugmöglichkeit) und ich gestern schon einen nassen Hintern bekommen habe. Heute suche ich noch einen anderen Sattel im Keller raus und schraube ihn drauf. Fahrrad steht jetzt eh trocken im Keller, weil die neue Balkonanlage hinten installiert wird. Fahrrad ist besser als U-Bahn, es ist kalt angesagt, aber kein Regen. Ich bin in schlechter Kondition.


Erledigte Aufgaben

  • zwei nachgeholte Beurteilungen fertig gemacht, inklus Begleitbrief
  • eine dritte Version einer BU unterschreiben lassen
  • festgestellt, dass das Schloss der Lehrer-Herrentoilette defekt ist
  • Post gemacht
  • Besprechung innere Schulleitung
  • Besprechung Schulleiter FOS
  • Einführung neuer Kollege (Unterricht damit endlich voll abgedeckt)
  • Absprachen wegen Fortbildung
  • Briefing geschrieben und rumgeschickt mit den neuen Maßnahmen
  • Unterlagen gesucht und nicht gefunden
  • Einen Nachmittagstermin verschoben (durch den Gesprächspartner)

Heute morgen einem befreundeten 10jährigen ausrichten lassen, dass auch ein Schulleiter nach den Ferien mit Magenschmerzen zur Schule geht. Und das war ernst gemeint.


Gründe es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 01/10: Weil man den Job gut machen will

Heute hat mich jemand aufgefordert auszusprechen, wie ich mit mir rede, wenn ich Probleme anspreche. Als ich es im Originalton präsentiert habe, war dem Gesicht meines Gegenübers kurz anzumerken, dass ich offenbar sehr rüde mit mir spreche. Ich will nicht näher drauf eingehen. War mir schon da unangenehm zu merken, welch schlechtes Bild ich von mir habe. Unglaublich.

Mir ist selten bewusst, dass ich perfektionistisch bin. Auch nicht, dass ich hohe Ansprüche an mich selbst anlege. Mir ist nur seit einiger Zeit schon bewusst, dass ich mit mir so spreche wie ich es mit niemand anderem machen würde. Woher das kommt ist weniger wichtig, es zu bearbeiten aber schon.

Für Leute wie mich ist der Job Gift. Weil er an so viele Komponenten und Umstände geknüpft ist, auf die wir keinen Einfluss haben. Weil er so viele Möglichkeiten bietet, unfertig und unperfekt zu sein.

Außer wir lernen und hören auf zu klagen.

Wir? Wir = die wir den Job gut machen wollen.

—-

Der Schulleiter auf dem Weg zum Klo, filmt ein Video, um es dem Hausmeister zu schicken, weil er das Gezeigte schon in der Woche vor den Ferien erlebte, worauf der Hausmeister kam und die Tür ohne Probleme öffnete. Heute schickte er dagegen ein Video zurück, um zu zeigen, dass er auch nicht mehr reinkommt. Jetzt muss ein Schlüsseldienst kommen. Das vierte Schloss aktuell.

Ja, ist albern – aber ich halte das Ganze manchmal nicht aus ohne albern zu sein.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-01

U-Bahn, weil Regen. Auf dem Rückweg zu Fuß gegangen, also etwas mehr als 3km, nichts Weltbewegendes, wollte aber Zeit an der frischen Luft, um über folgendes Posting nachzudenken. Es wird ein Wütendes sein. Normal versuche ich solche Postings ein paar Tage zu lagern, bis sie emotional entschärft sind. Aber ich will das nicht mit in die Ferien nehmen.

Also bitte: Es könnte sein, dass ich Ihre Gefühle verletzen werden, den guten Geschmack oder die Regeln eines erwachsenen Gedankenaustausches. Kann sein, dass es mir später auch wehtut. Kann sein, dass es durcheinander ist.


Erledigte Aufgaben

  • Schreibtisch in Ordnung bringen
  • Post von Freitag in Aufgabenliste überführen, digital und real
  • Ablage überblicken
  • bisschen ausgehende Post machen

Außerdem kam ein Pfadfinder des Stammes, für den ich Material im Schulkeller aufbewahre. Sie haben ein neues Lager gefunden und wollen dort renovieren. Dazu benötigten Sie Dinge aus meinem Keller.


Ich wollte eigentlich mehr Zeit in der Schule verbringen, im Büro, am Schreibtisch in Ruhe, weil Feiertag. Leider hatte ich aber dann wieder mehr mit der Polizei zu tun. Man hatte nämlich versucht an mehreren Stellen mit Brandbeschleuniger in meine Schule zu kommen oder wollte einfach nur Schaden anrichten.

Natürlich bin ich wütend auf diese Idioten, auf so vielerlei Art und Weise. Aber das ist nicht der Kern.


Gründe es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 02/10: Sie verarschen dich. (Ursprungstitel: Das Telefon als Brecheisen)

In den vergangenen Monaten kommt es vermehrt zu Vandalismus an meinem Schulgebäude und auf dem Gelände. Darunter ist von Graffiti bis Brandstiftung alles vertreten. Der Begriff Brennpunktschule erhält damit einen ganz seltsamen Beigeschmack.

Überraschend für mich ist dabei, dass die einzigen, die Verständnis für meinen Unmut haben, die Polizisten sind, die meine Anzeigen aufnehmen.

Innerhalb Nürnbergs sind wir nicht die einzigen, die damit zu tun haben. Andere Schulleiter berichten mir von regelmäßigen Grillpartys auf dem Schulgelände, Einbrüchen, Müllablagerungen – einer der letzten Geschichten drehte sich um LKWS, die am Wochenende auf dem Schulgelände abgestellt wurden, wenn der entsprechende Kollege Feierabend hat und zuhause war. Dies wurde dann untersagt, weil der Boden/die Pflasterung dafür nicht vorgesehen war und Schaden nahm – sehr bezeichnend übrigens, dass es erst dann untersagt wurde, vorher schien das kein Problem zu sein. Neulich war ich nachts in der Südstadt unterwegs, einem Stadtteil, den ich sehr gern mag. Dabei ging ich an einer Mittelschule vorbei und in der Dunkelheit konnte ich hören, dass auf dem Pausenhof die Post abging.

Wenn ich aber, wie in den vergangenen Monaten, immer wieder anmahne, dass man etwas dagegen unternehmen sollte, höre ich sehr oft, dass es einen Stadtratsbeschluss gäbe, der alle Pausenhöfe, ja die Schulgelände allgemein, zu Spielhöfen erkläre. Nürnberg als kinderfreundliche Stadt eben. Daher könne man die Gelände nicht einzäunen, dürfe man keine Mauern ziehen.

Der Beschluss stammt, wenn ich diesen Artikel richtig deute, von 1955. Mehr finde ich dazu im Internet nicht.

Die Zaunbegehung von letzter Woche hatte auch dies zum Inhalt. Es ging dabei um eine teilweise Einzäunung des Schulgeländes, um wenigstens eine optische Barriere zu schaffen und den Zugang zu den uneinsehbaren Teilen des Geländes zu erschweren. Mit zwei Hauptargumenten dagegen sahen wir uns konfrontiert: Geld und „der Stadtratsbeschluss“.

Bis hierhin reicht meine Vernunft noch, wenngleich ich dem Totschlagargument „Stadtratsbeschluss“ nicht nur in diesem Zusammenhang begegne. Wobei ich schon Probleme damit habe, dass man Beschlüsse von 1955 nicht irgendwann mal überprüft oder nachbessert. Aber nun – ich sprach gestern von stabilen Verhältnissen in Bayern.

Die einzige Maßnahme, die man also durchgeführt hat in der Vergangenheit, war es, Schilder aufzuhängen, die vor einer Videoüberwachung warnen. Das ist allemal billiger als wirklich Kameras aufzuhängen.

Verdammt, jetzt habe ich es verraten.

Wo es dann aber bei mir aussteigt, ist der Zeitpunkt, zu dem mein Gegenüber mir sagt, dass ich mich damit abfinden muss, weil man da halt nichts machen kann. Verbales Schulterzucken.

Also noch mal zum Mitdenken:

Da lässt also eine Stadt ein Schulgebäude bauen für etwa 66 Millionen Euro. Und wenn da Leute kommen und es anzünden wollen, bin ich als Schulleiter dazu aufgerufen, es hinzunehmen.

Mir sind Probleme einer verschuldeten Kommune durchaus bewusst, ebenso halte ich demokratische befasste Beschlüsse für bindend, auch wenn sie mir persönlich Nachteile bringen. Dass man aber öffentliche Investitionen derart vernachlässigt, will mir nicht in den Kopf.

Ja, sie verarschen mich und das nicht erst seit letzter Woche.

Kurzes Luftholen.

Was ich tun werde:

Ich schreibe „an den Stadtrat“, die Parteien, den Bürgermeister, wo man halt so hinschreibt. Ich habe da so Email-Verteiler, die ich manchmal/selten bediene.

Aber.

Leider weiß ich, dass die Verarsche dann weitergeht. Als Antwort auf meine Briefe werden nämlich Leute bei mir anrufen. Diese stehlen mir dann die Zeit damit, dass sie wortreich erklären, was ich oben schon geschrieben habe. In wiederholt denselben Worten, je nach dem, auf welche Sprachregelung man sich im entsprechendem Amt geeinigt hat.

Am Ende solcher Gespräche habe ich das Gefühl, dass meine Lebenszeit verschwendet wurde, denn es kommt nichts dabei raus. Nichts. Nie.

Ich nehme daher auch bei bestimmten Nummern im Display meines Telefons nicht mehr ab.

Sie mögen mir den Vorwurf machen, dass man nicht mit mir reden kann. Ich kann Ihnen dann gern die Email weiterschicken, die nicht an mich gerichtet war, sondern in der ich Thema war – leider hatte der entsprechende Mitarbeiter der Stadt auf „Allen Antworten“ geklickt.

Ich telefoniere ungern, sowieso schon. Habe gemerkt, dass Leute in meinem Bereich gern telefonieren, wenn sie nicht arbeiten wollen. Oder sie telefonieren, um sich zu rechtfertigen, und zwar so, dass es unverbindlich bleibt, ohne dass man sie hinterher drauf festlegen kann oder auch nur zitieren.

„Ich habe sie schnell angerufen, weil eine Email doch zu unpersönlich ist und es doch so schneller geht.“

Für mich ist ein Anruf, der so beginnt, eine Brechstange, mit der man in mein Büro einbricht. Eine Belästigung.

Bitte rufen Sie mich nicht an.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-28-29

Donnerstag: U-Bahn. Morgens sehr müde. Freitag: Fahrrad. Kühl, gemerkt, dass ich meine Mützen noch im Keller suchen muss. Mittags geht Müdigkeit langsam in Erschöpfung über. Fahrradfahren tut sehr gut, auch wenn die Strecke so sehr viel kürzer geworden ist. Nachmittags ins Bett und damit ins Koma gefallen.

Westpark, morgens, vom Fahrrad aus.

Westpark nachmittags, vom Fahrrad aus


Erledigte Aufgaben

  • Unterricht in Klasse 10, an beiden Tagen, Sozialkunde
  • Besprechung nachmittags mit GanztagsklassenleiterInnen
  • ASV, US-finale Erklärung der Abgabe
  • verschiedene Vertragsangelegenheiten für Lehrkräfte
  • Beurteilungen weiter vorangetrieben
  • Verschiedene Gespräche mit KollegInnen
  • Disziplinarmaßnahme weiter bearbeitet
  • Unterrichtsbesuch
  • Schulleitungsbesprechung

Beobachtungen:

Das geringere Problem wird weiterhin bleiben, dass „Lücken“ im Stoff entstanden sind bei den SchülerInnen. Vielmehr gibt es zwei Problembereiche, die immer deutlicher durchschlagen. Zum einen beobachten wir, dass das Durchhaltevermögen im Unterricht und die Anstrengungsbereitschaft (damit auch dem Lernen) abgenommen hat. Zum anderen ist bei vielen die Frustrationsgrenze gesunken, was vermehrt zu Konflikten und Auseinandersetzungen führt. Und das alles mehr als wir (als Stadtschule) es ohnehin aus den letzten Jahren kennen.

Hinzu kommt die Phase der Erkrankungen, die auch auf die Lehrkräfte übergreift. Und wenn ich allein von mir ausgehe, habe ich vor den Herbstferien schon einen inneren Zustand erreicht, den ich sonst nur von den Tagen vor den Weihnachtsferien kenne. Und wenn ich mich umhöre, geht es anderen auch so.


Gründe es zu bereuen, sich als Schulleiter beworben zu haben 03/10: Deine Chefs sind Politiker

Gleich vornweg das, was mir am meisten den Tag vermiest: Wenn eine neue Ankündigung (bevorzugt über Pressekonferenz) kommt, Bildung und Schule betreffend, und diese begleitet wird von ministeriellen Kindheitserinnerungen an Schule. Mit Verlaub und allem notwendigen Respekt: Aber die ländlichen Erinnerungen an Schule eines recht alten Mannes sollten zu keinem Zeitpunkt bildungspolitische Entscheidungen im Jahre 2021 begründen.

Gleich danach folgt der Koalitionspartner, den einige in meinem Bereich gern den „Hubsi“ nennen, der, nur als Beispiel, ungeachtet aller Themen, die grad besprochen wurden, sachgerecht immer dasselbe ruft: „Öffnen!!!11eins“. Und aus persönlicher oder genossenschaftlicher und lobbyistischer Überzeugung dann das konterkariert, was er grad am Tisch selbst mitgesprochen und mitentschieden hat. Und sich dabei nicht sehr viel weiter überlegt, wie seine „Meinung“ dann als Waffe in Gesprächen geführt wird, die wir zu führen haben.

Und schließlich überhaupt das Übel der Pressekonferenzen: Verkündigung der neuen Marschrichtung, weil gerade eben besprochen und beschlossen. Das bedeutet gleichzeitig für mich: Warten darauf, dass die Beschlüsse durch die Staatsregierungsverwaltung hin zum Kultusministerium hin zu den Fachreferaten hin zu den Abteilungen hinzu den Schulen kommen. Und in dieser Zeit Fragen bekommen, Gespräche führen, orakeln und vorbereiten auf etwas, was man noch nicht kennt. Letztlich dann, und das empfinde ich als besonders übel: In Kamera und Mikrofon darüber abfeixen, dass Schulleitungen so sehr angestrengt und bemüht darum sind, KMSe, die aus München kommen, zu interpretieren und umzusetzen. Klang für mich wie, jemandem einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, um sich dann darüber lustig zu machen, wie man versucht sich an diesem Knüppel wieder aufzurichten.

Das bayerische Schulsystem ist sehr stabil die letzten Jahrzehnte. Die einen behaupten, es liegt daran, dass es so gut ist, andere sehen hier eher eine Ursache in den stabilen Wahlergebnisse. Das schätze ich ehrlich – also die Stabilität des Systems, weniger der Wahlergebnisse. Ich mag auch das Konzept der bayerischen Realschule und der Vielgliedrigkeit. Kann mir aber schon ab und an vorstellen, dass es besser ginge.

Diese Stabilität ist aber hierzulande eine gute Grundlage für schulische Arbeit. Und ja, ich begreife, dass mit der Pandemie viele Probleme auftauchten, die man nun nicht mit althergebrachten Lösungen bedienen kann. Und ich bin geduldig. Und die Kollegen schaffen, was das Zeug hält. Kein „Aber“.

Jedoch zeigt sich, dass politische Agenda und schulische Notwendigkeit sich recht oft nicht parallel bewegen.

Sehr schön finde ich es letztlich, aber wenn ich merke, dass die Staatsregierung auf mich hört und nun über die Wiedereinführung der Maskenpflicht nachdenkt. Als ich vor einer Woche die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht und auf dem gesamten Gebäude anordnete aufgrund rasant steigender Inzidenzen, handelte ich gegen Anordnungen des KM von Anfang Oktober. Ich habe in der Zwischenzeit erfahren, dass es andere Schulleiter schon vor mir getan haben. Und ich bin sicherlich weit davon entfernt, mich als Rebell zu fühlen. Ich bin manchmal einfach müde oft bin ich es auch leid.


Mir geht es aber grad gut. Ehrlich.

Westpark. Fahrrad. Heimweg. Ferien-Gesichtsausdruck.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-27

Auto, weil ich ein Paket zur Schule bestellt hatte, das ich nach Hause transportieren musste.

Auf dem Wagen befindet sich mein Paket.

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Erledigte Aufgaben:

  • Emails, Telefonate
  • Gespräch mit Kollegin über den Ganztag, gute Ideen ausgetauscht
  • Zaunbegehung am Schulgelände: Es ging um eine vor Ort Besprechung über die Situation rund um das Schulgelände, Erörterung, ob ein Zaun Abhilfe schafft, wies um Sauberkeit steht, um Vandalismus, etc.
  • Besprechung Konfliktfall in Schulklasse
  • Unterricht Sozialkunde vorbereitet, den Unterricht dann nicht halten können wegen Besprechung Konfliktfall
  • ASV Nacharbeit und Besprechung SL
  • Verträge unterschreiben lassen
  • Abends dann noch: Informationsabend an Grundschule zum Übertritt an die Realschule (und Mittelschule, Gymnasium)

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Gründe es zu bereuen, sich als Schulleiter beworben zu haben 4/10: Die Aura der Allwissenheit, die Corona der Macht

Die lustige Seite: Ich betrete das Lehrerzimmer, sehe eine Gruppe von LehrerInnen beisammen stehen, sie drehen sich zu mir – und ich weiß, was kommt: Ah, da kommt der Chef, DER weiß das.

Meine Antwort in der Regel: Ja, die Allwissenheit ist in mich gefahren in dem Moment, in dem ich die Urkunde überreicht bekommen habe.

Die andere Seite: „MAN“ will nur mit mir sprechen. Kompetente LehrerInnen: egal, Kompetenter Sozialpädagoge: Egal, Kompetente Schulleitungsmitglieder: Egal. Dutzende Gespräche vorweg, ganze Arbeitsgruppen haben sich schon abgearbeitet: Egal, ICH WILL MIT DEM SCHULLEITER REDEN.

Warum ein Grund? Weil Überbewertung meiner Person und meiner Fähigkeiten.

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Nachspaziergang. Mein Lieblingsfenster in der Nähe meiner Wohnung.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-25-26

U-Bahn, weil Bock drauf, weil eiskalt draußen.

Auf dem Weg zur U-Bahn.


Erledigte Aufgaben:

  • Beurteilungsliste fortgesetzt
  • eine Beurteilung neu bearbeitet und ausgedruckt
  • Zwischenbeurteilungen aufgesetzt, drei
  • Unterrichtsbesuche terminiert
  • Telefonate: FOS, KM, Schulaufsicht, Kollegin, Schulleiterkollege
  • bisschen Infektionsschutz organisiert (übernimmt normal sehr tatkräftig der Stellvertreter, aber auch der muss mal unterrichten)
  • einige Kollegengespräche
  • Anhörung zur Disziplinarmaßnahme formuliert
  • zwei Dutzend Emails
  • Unterricht Sozialkunde
  • Personalratsgespräch

Gründe zu bereuen, sich als Schulleiter beworben zu haben 05/10: Die Geschichten dahinter

Meine beste Methode, um Schüler zu paralysieren ist es, wenn ich um seinen Namen bitte und dann nachdenklich meint: „Aha, Müller, der Name ging irgendwie neulich über meinen Schreibtisch, kannst du mir sagen, warum?“

Die wahre Seite daran: Ich kenne viel mehr Namen von SchülerInnen als die Menschen dazu. Und ich kenne viel mehr Geschichten hinter den Namen. Ich weiß um Familienverhältnisse, Krankheiten, Klinikaufenthalte, Psychiatrien, Polizei, Gefängnis, Unfälle, Verzweiflung, Ignoranz, Hilflosigkeit usw. Wenn Schüler bei mir landen, gibt es (fast) immer eine Geschichte aus diesem Rahmen. Und dazu noch die Geschichten aus dem Kollegium.

Ja, natürlich FAST IMMER. Es gibt, die mir ab und an den Blutdruck messen und dann ganz einfache Geschichten erzählen. Oder die drei, die darum gebeten haben, dass ich wieder erlaube, dass Bälle in der Pause ausgegeben werden und ich mich kurz mit ihnen unterhalte (ich musst es verbieten, weil die Bälle zu oft dort landeten, wo sie nicht hin sollten, z.B. an mein Fenster.

Oder Magnus, dessen Mutter, wie er erzählte, da arbeitet, wo Menschen Arbeit gegeben wird, die arm sind und auf der Straße leben – so erklärte er – und seine Mutter hat eine Kollegin, die mal meine Schülerin war. Auf die Frage, wie alt sie sei: Ganz alt. Und dann sind wir runter in die Umkleidekabinen der Sporthalle und haben seine Pokemon-Karten gesucht, die ihm irgendwer abgenommen hat. Leider haben wir nur wenige gefunden (ich später noch zwei auf dem Weg zur U-Bahn.)

Jetzt muss ich mir den anderen, der die Karten genommen hat, morgen noch vorknöpfen.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-21-22

U-Bahn und Auto. Weil Wetter und am Freitag Personalausflug, zu dem ich nach der Schule gleich aufbreche.


Es gibt Tage, an denen die Zeit einfach so vergeht und man am Ende nicht weiß, was man eigentlich getan hat. (Ersetze „man“ mit „ich“). Diese Tage sind auch nicht zufriedenstellend. Ich arbeite den ganzen Tag, bin gestresst und weiß am Ende nicht genau warum. Das Ende der Woche war von Infektionen geprägt, also eher von den Konsequenzen daraus. Das Gesundheitsamt ist immer schlechter zu erreichen. Durch die Medien jagen die Zahlen. Am Freitag habe ich für die Schule bis zu den Herbstferien die Maskenpflicht wieder angeordnet. Freitag war noch Personalausflug, also erst nachts heimgekommen. 

Ich arbeite weiter an den Beurteilungen, außerdem an einer disziplinarischen Maßnahme.


Indirekt einem entfernt und indirekt bekannten Kollegen Denkhilfe gegeben bei der Entscheidung sich auf einen Schulleiterposten zu bewerben. Er hat sich schwer getan, habe ich gehört. Gut so, möchte ich sagen. Leicht sollte diese Entscheidung nicht fallen. Was ich über ihn und von ihm selbst gehört habe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er richtig auf seinem Posten ist.

Seltsamerweise, fällt mir grad auf, sage ich das sehr oft von anderen. Nie von mir.


Gründe dafür es zu bereuen, mich als Schulleiter beworben zu haben 06/10: Stress.

Dazu mal eine alberne kleine Geschichte:

An einem Tag, als die Wellen meiner Arbeit mal wieder über mir zusammenschwappten, flüchtete ich mich quasi auf Toilette, um meine Ruhe zu haben. Aus Alibigründen ließ ich die Hose runter und hockte mich hin. Atmete tief durch als ich über mir die bestimmte Stimme meiner Sekretärin hörte: Herr Kuban, BITTE SOFORT in das Sekretariat kommen.

Erst da merkte ich , dass direkt über der Schüssel ein Lautsprecher in die Decke eingelassen ist.

Dass es nichts Dringendes war, muss ich nicht erwähnen. Ich erzählte meiner Sekretärin davon und wir lachen heute noch ab und an drüber, wenn ich das Büro verlasse mit dem Hinweis, dass ich mal auf Toilette gehe – und nicht gestört werden möchte.

Ansonsten ist der Stress aber die Hölle. Und alle meine Maßnahmen gehen nur in die Richtung, mit diesem Stress umzugehen, damit er mich nicht umbringt.

Und ja, es geht besser von Jahr zu Jahr.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-19-20

Weiter in Dillingen. Wenig Bewegung. Gut gegessen gestern im VietHoa. Heute noch auf dem Rückweg noch mal lecker einkaufen, auf Empfehlung einer echten „Dillingerin“.

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Themen der Veranstaltung an zwei Tagen

  • Rollenklarheit und systemischer Wandel
  • Führen imTeam
  • Konkretes Beispiel für den Einsatz der erweiterten Schulleitung: SchiLf Koordination
  • Umgang mit Widerständen und Problemen

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Gründe dafür, es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 07/10: Man wird nicht fertig

Ich habe es schon einmal geschrieben: Die Arbeit des Schulleiters endet niemals (selten) mit „Ich bin jetzt fertig.“ Oder wie es ein mir bekannter Kollege sagte: Du kommst mit 5 Aufgaben auf deiner Liste morgens zur Schule und am Abend hat deine Liste 10.

Eine Konsequenz daraus ist, dass das Ziel an keinem Tag sein kann, etwas fertig zu machen. Ich habe in meinem Kopf dazu das Mantra „Ich höre jetzt auf zu arbeiten und mache morgen weiter.“

Probleme (Herausforderungen) in diesem Zusammenhang sind:

  • Prioritäten bei den auflaufenden Aufgaben zu setzen
  • Projekte langfristig im Auge zu behalten, auch wenn dazu aktuell keine Aufgaben bearbeitet werden
  • Freizeit
  • Konzentration zu halten auf das Wesentliche und Wichtige
  • Geduld

Ich probiere Methoden aus, um diese Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Empfinde dabei als Beispiele die Eisenhower-Methode, den Brain-Dump, kleine Teile von GTD, Mindmapping, Bullet-Journaling in einzelnen Elementen, Meditation hilfreich. Und setze immer wieder auf externes Coaching.

Auf der Liste der weiteren Maßnahmen: Mehr alltägliche Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, geregelte Abläufe.

Und damit leite ich über zu dem nächsten Grund, es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 06/10: Meine Persönlichkeit und meine Fähigkeiten reichen nicht mehr aus, meinem Job gerecht zu werden. Und es könnte sein, dass dies auch nie der Fall sein wird.

Ja, ich arbeite daran.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-18

Auto, weil ich für drei Tage nach Dillingen gefahren bin. Jeder Lehrer in Bayern weiß, was das bedeutet – nach Dillingen zu fahren.

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Erledigte Aufgaben:

– Vorträge hören zur Einführung der erweiterten Schulleitung

Dies (also die Einführung) geschah zugegeben vor drei Jahren schon, aber damals war so viel los, dass es Verbesserungsbedarf gibt und dafür wollte ich mir Input holen. Der Rest der Schulleitung zittert schon, dass ich mit so ganz neumodischen gruppendynamischen Sachen zurückkomme. Mal sehen. Bisher eher durchwachsen. Der Anfang war gut und tief, aber irgendwie schaffe ich es nicht mehr, 1,5h jemandem zuzuhören, der einen reinen Vortrag hält (ok, mit „Präsentation“.)

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Gründe dafür, es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 08/10: Die Agenda anderer Leute

Ich habe neulich einmal böse zu einer Vertrauten gesagt: Jeder, der mein Büro betritt, hat eine eigene Agenda. Und jeder versucht, etwas für sich herauszuholen. Und ich habe manchmal das Gefühl, dass ich der einzige bin, der nicht alles erstes an sich selbst denkt.

Das ist ein sehr böser Satz, den ich niemals offen sagen würde. Und wenn, dann würde ich ihn erklären, denn er stimmt ja auch nicht.

Es gibt viel KollegInnen, die in mein Büro kommen, und im weitesten Sinne kommunizieren wollen. Sie fragen etwas und dann reden wir und dann erzählen sie. Sie wollen vor allen gesehen werden – und ich sehe sie gern. Sie mögen mich vielleicht und wollen mit mir reden.

Ich erfahre viel auf diesem Weg, was gedacht wird, was umgeht im Kollegium oder einfach wie sich eine einzelne Person an meiner Schule sich fühlt. Das empfinde ich nicht als Zeitverschwendung, für keinen von uns beiden hoffentlich.

Andere kommen und möchten ein Problem schildern und eventuell eine Lösung. Und das liegt dann auf meinem Schreibtisch. Und ich kann mehr Beispiele bringen, die mir absolut nichts ausmachen.

Ich mag das alles wirklich.

Probleme entstehen dann, wenn eine Agenda, mit der jemand mein Büro betritt, Prozessen und Zielen meiner Schule entgegen steht. Oft laufen diese Probleme übers Telefon, weswegen ich manche Anrufe nicht entgegennehme, wenn ich die Nummer auf dem Display meines Telefons sehe oder die entsprechende Abkürzung der jeweiligen Abteilung des Sachaufwandsträgers).

Diese Gespräche laufen oftmals auf dieselbe Art und Weise ab: Jemand erzählt mir etwas und ich merke, dass dies meine und schulische Abläufe betrifft. Ich erwidere mit Einwänden und bekomme als Reaktion eine wortgleiche Antwort von dem, was mein Gesprächspartner schon vorher gesagt hat. Wenn ich dann im nächsten Schritt einen Kompromiss versuche, bekomme ich wieder die identisch gleiche Wortäußerung vom Anfang.

Es gibt gute Kommunikationsseminare, aber wenn Sie mir am Telefon das vierte Mal etwas erklären wollen, in den exakt gleichen Worten, was Ihrer Meinung nach wichtig ist, dann kann es sein, dass ich Sie unbeherrscht anblaffe, dass ich’s schon beim ersten Mal kapiert habe. Kann sein, dass das Gespräch dann schnell beendet ist.

Kann sein, dass ich danach ein schlechtes Gewissen habe. So etwa 5 Minuten lang.

Neulich habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ein Gespräch auch einfach enden kann, wenn ich drei Mal das Worte „Nein“ ausspreche. Und Sie haben Recht, ich weiß bis jetzt nicht, warum ich es drei Mal sagen musste.

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-15

Auto, weil ich nachmittags noch schnell Sachen erledigen musste über größere Strecken hinweg. U.a. eine bestellte sogenannte Hofladenbox in der Metzgerei Marina abholen. Kotelettes gekauft dazu, weil Kindheitserinnerung, Samstagessen.


Erledigte Aufgaben:

  • Unterricht Sozialkunde 10
  • Gespräch Sozialpädagoge
  • Papierkram
  • Gespräch extern beim MB (=Ministerialbeauftragten) wegen schulischer Angelegenheiten
  • Schulleitungsgespräch an eigener Schule

Foto des Tages, Pausenverkauf, andere Realschule


Gründe es zu bereuen, Schulleiter geworden zu sein 09/10: Arbeiten in ständiger Überforderung

Schulleiter ist kein Ausbildungsberuf. Man kann ein toller Konrektor sein, aber das heißt gar nichts. Sobald das Büro gewechselt ist, steht man vor Aufgaben, die man in der Regel noch nie erledigt hat. Und in den folgenden Jahren wird man immer wieder mit Neuem konfrontiert und es reißen Fronten auf, an denen man noch nie gestanden geschweige gekämpft hat.

Und dann stellen Sie fest, dass Sie Ausstattungslisten wälzen, um nachzuschauen, ob die Seifenspender in den Werkenräumen wirklich nicht zur Erstausstattung gehörten und telefonieren, um diese zu bekommen. Sie lesen schon vor Corona in einer Broschüre mit dem Titel: „Anforderungen an Lüftungskonzepte in Gebäuden: Teil I Bildungseinrichtungen.“ Und am nächsten Tag sitzen Sie mit dem Hochbauamt, dem Gesundheitsamt, der HVE, dem Betreiber und dem Bauherrn an einem Tisch, um über die richtige Lüftung in einem Passiv(Schul)haus zu sprechen, um dann am eigenen Leib zu erfahren, was es heißt, wenn in einer ihnen zugespielten aber nicht an Sie gerichteten Email die Rede davon ist, dass „die Stadt sich erstmal intern besprechen sollte, um sich auf eine Linie zu einigen, bevor sie mit Externen spricht.“ Und mit „Extern“ sind Sie gemeint. Und dann sprechen Sie mit der Polizei über Vandalismus, mit dem Verkehrplanungsamt über die Zebrastreifen vor dem Schulhaus und die Radwegesituation zum Schulhaus, mit dem Bildungszentrum über die Schulküche, mit der Trocknungsfirma über den nassen Keller, mit der Feuerwehr über die fehlenden Leitkarten, den Handwerkern über das Reparieren von angeflämmten Bänken vor dem Schulgebäude, der Mensa über den Stundenplan, dem Hausmeister über den Safe, der Sicherheitsbeauftragten über die Vorgaben im Chemieraum, dem Schulentwicklungsteam, dem Personalrat, dem KM, dem Landesamt, der Regierung, dem Landesamt Finanzen, über Medienschienen, Schlüsselsysteme, Türschlösser, CO2-Messgeräte und -fühler, Dachbegrünungen, Rattenfallen, Drainagen (fehlenden), Wildzäunen, Schulgarten, dann gibt es an einem Tag drei KMSe und sie sind schon längst jenseits der Grenze dessen, was sie geistig und mental noch umfassen können.

Und dann kommt der Kollege oder die Kollegin und leitet ein mit: „…nur eine Minute.“

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-14

Auto, weil Regen und ich gestern spät heimgekommen bin und nur einen Parkplatz bis 8 Uhr bekam.


Erledigte Aufgaben

  • Personalunterlagen weiter geschickt
  • Unterricht Sozialkunde 10
  • Unterschriften eingeholt für Anträge
  • Gespräch Unterrichtsbesuch
  • Nachgeholter Papierkram zur Einstellung
  • Gespräch Sozialpädagoge
  • (Feuer)Alarm
  • Sitzung Medienkonzept
  • Telefonate Schulaufsicht (Terminabsprachen, Aufnahme von SchülerInnen)

Gründe es zu bereuen, Schulleiter geworden zu sein 10/10: Persönlichkeitsveränderung

Ich habe es anfangs immer mit einem Lächeln quittiert, wenn Leute, die mal irgendwann in meinem Leben eine Rolle spielten, mir sagten, dass sie nie gedacht hätten, mich mal in dieser Position zu sehen. Breiter Konsens. Nicht ich. Das nahm ich selten richtig ernst, weil niemand eigentlich wirklich einen Grund nannte. Nur so ein Bauchgefühl. Nur so ein „Ach, echt?“

Wirklich nachhängen tut aber ein halber Nebensatz (den ich nicht mehr wörtlich rekonstruieren kann), den mir eine Freundin sagte. Eine in diesem Zusammenhang besondere Freundin, besonders, weil sie bis 2003 meine Schülerin war, mich also als jungen Lehrer erlebte. Und mit der ich mich in den Jahren danach anfreundete, so dass sie also auch meine weitere Entwicklung erlebte.

Und sie sagte einfach mal, ganz direkt, dass ich nicht mehr kreativ sei, wie sie es von mir kannte. Oder so. Sie bedauerte es jedenfalls. Und hat recht. Irgendwie.

Dagegen spricht auch nicht, dass bald eine zweite Veröffentlichung ansteht. Nach einem Beitrag von mir in der Anthologie „Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge“ von 2015 hat ein früher Bekannter von mir vor einigen Jahren ein Projekt gestartet, in dem Kulturmenschen aus seinem Heimatort porträtiert werden sollten. Er rief mich an und fragte, ob ich dies für eine Künstlerin übernehmen könnte, die mittlerweile in Fürth wohnt. Und das war eine spannende Sache. Und nach ein paar Jahren Verzögerung kommt das Buch nun in den Druck.

Was mehr wäre möglich gewesen?