2021-04-19 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Morgens wenig Regen, auf der Rückfahrt umso mehr. Immer noch besser als Auto. Immer noch erholsamer.


Erledigte Aufgaben:

  • Unterrichtsbesuch, 10. Klasse, Mathematik, 1. Stunde mit Test
  • Klasseneinteilung für die UP
  • Aufgaben 7. Klasse durchgeschaut
  • Grundfragen iPad-Konzept zusammengeschrieben
  • bisschen delegiert
  • Beurteilungen Reffis gesichtet, Korrektur gelesen, in die Post gegeben
  • Gespräch Sozialpädagoge
  • Gespräch neuer Mitarbeiter für OGTS
  • zwei Stunden Unterricht 7. Geschichte: Michelangelo und das neue Menschenbild der Renaissance
  • Disziplinarausschuss
  • mehrere kleine Gespräche
  • Telefonische Absprachen mit dem Wahlamt wegen der Nutzung der Schule für die Bundestagswahlen (Auszählung), Besichtigungstermin vereinbart
  • Dem Stellvertreter, der Sekretärin und Herrn N. immer wieder dabei zugeschaut, wie sie 90 iPads organisiert haben (Respekt!!!)

Zwischendrin: Zeitweiser Ausfall des gesamten Internets im Schulhaus inklusive Telefonanlage.


Ich finde, der rote Strich rückt immer weiter nach rechts.

Die Disziplinarausschusssitzungen zeigen ganz deutlich die Verwerfungen der ganzen Coronasache. Mehr kann man dazu nicht sagen.


Außerdem haben wir ein neues Badge zum Aufhängen heute bekommen. Habe schon geätzt, dass wir das auf den Briefkopf packen können, zu den anderen Badges. Kenne Schulen, die so üppige Briefköpfe haben, dass man den Briefinhalt auf die Rückseite drucken muss.


PS: Ehrlicherweise war eine meiner ersten Änderungen, den Briefkopf zu reduzieren und die Badges zu streichen.


Auf der Heimfahrt beim Anziehen der Regenjacke in einer Unterführung Grüße vom Christkindle gefunden.

2021-04-16 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Wie angekündigt. Morgens leichter Schneefall, den ganzen Tag über 5 Grad und weniger.


Erledigte Aufgaben:

  • Unterricht Sozialkunde, Wechsel, 4 Stunden
  • Schulleitungsbesprechung 1,5 Stunden

Dann die Geschichte von der Milchflasche in Käswassser.

Es gibt eine Tour, die ich mir vornehme freitags zu radeln, wenn ich heim fahre. Sie ist nur 5km länger als der direkte Weg, aber eben Abwechslung zum Alltag. Während ich im Normalfall auf dem Heimweg von Westen nach Osten die Stadt Nürnberg durchfahre und dann irgendwann in Richtung Norden abbiege, fahre ich freitags schon in Nürnberg nach Norden, um dann in Richtung Osten abzubiegen.

Heute kommt hinzu, dass ich nach Igensdorf bin, um die Reifen am Fahrrad wechseln zu lassen und ein/zwei kleinere Mängel abzustellen. Am Ende war ich also rund 70km unterwegs gewesen den ganzen Tag über und mir war einfach kalt. 

Käswasser liegt hier in der Nähe unseres Dorfes und ist mir mal aufgefallen auf einer Radtour. Dort gab es nämlich recht viel Direktvermarktung am Straßenrand. Seitdem ich so viel mit dem Rad unterwegs bin, fallen mir diese Dinge erst  auf. Die letzte Möglichkeit ist ein Milch-Haus, wo ich mir neulich mal eine Flasche Milch mitnehmen wollte – aber leider gab es keine Flaschen mehr im Haus, so dass ich leer ausging. Heute wollte ich noch mal dran vorbei, habe mich dann aber für eine andere Strecke entschieden zwischendrin, so dass ich nicht mehr dran vorbeikam. 

Das wirklich Spannende bisher ist immer noch der Wechsel der unterschiedlichen Bereiche der Stadt, bzw. dann aufs Land zu kommen. Ich bin nicht sicher, ob meine Handyfotos vom Fahrrad aus aufgenommen, das widerspiegeln.

Einmal blieb ich stehen in Neunhof, um ein Holzofenbrot und Erdbeeren zu kaufen, später dann in Kalchreuth, um mir zwei hartgekochte gefärbte Eier und eine Dose Göttinger aus einem Automaten zu ziehen. In Igensdorf dann gab es Schokohörnchen und Capuccino. So also war ich dann auch noch recht satt als ich heimkam.

Zur Strecke noch kurz: Wenn ich von meine Schule aufbreche, 

– durchquere ich als erstes den alten Dorfkern von Großreuth, 

– um direkt danach in ein Gewerbegebiet zu gelangen (Sigmund/Leyerstraße). 

– Die Brücke ist eine Fußgängerbrücke über die A73 (Frankenschnellweg) mit Blick auf das Quellegelände und die Bahnstrecke Richtung Fürth. 

– Danach geht es durch eine Reihenhäusersiedlung zur Fürther Straße, die grad umgebaut wird an der Stelle, so dass man Umwege radeln muss

– nur 500m weiter gelangt man nach Schniegling, auch wieder mit altem Dorfkern mitten in der Großstadt

– danach die Ausläufer des Knoblauchlands, der Gemüseanbaugürtel im Norden, Lebensmittelindustrie halt

– am Flughafen vorbei

– alte Dörfer: Höfles (mit alten Industriegebäuden), Buch, Kraftshof, Neunhof

– schließlich in den Sebalder Reichswald

– nach 7km Kalchreuth auf dem Hügel

– diesmal abgebogen in Richtung Oberschöllenbach, Pettensiedl

– schließlich Stöckach, Affalterbach bis Igensdorf

– Heimweg über Eckental und Neunhof (ein anderes) und, mein Favorite-Ortsname, vorbei an Mausgesees


Es war den ganzen Tag kalt, am Ende war ich durchgefroren und fühlte mich grippig. Hunger hatte ich dann abends wirklich keinen mehr. Aber eine Scheibe von dem Holzofenbrot ging doch.


PS: Ja Birgit, ich weiß, dass ich ganz in der Nähe an dir vorbei bin. Irgendwann besuche ich dich da, heute ging es nicht.

Schule-Neunhof

Bild 1 von 21

#wasmachteigentlichderchef 2021-04-15

Auto. Weil halt. Morgen Fahrrad, weil Reifenwechsel, am Fahrrad. Später fahre ich die schon mal vorbei.


Erledigte Aufgaben:

  • gefühlt nix getan, dennoch überraschend, dass ich die zweiten IBU grad einwerfe
  • mal zusammenreißen:
    • Unterrichtsbesuch 1. Stunde, Selbsttest, Mathematik
    • Gespräch über Stunde
    • Rundgang Schulhaus, Räume für den Speaking Test angeschaut, Kollegen angesprochen
    • Anruf aus dem KM
    • Anruf aus der schulischen Vergangenheit
    • versucht schnell eine Serienbriefvorlage für die ASV als Lehrerbestätigung zu erstellen (ging nicht so intuitiv)
    • versucht die Flyervorlagen in Indesign zu öffnen, ging nicht, konnte das Problem nicht lösen
    • Schulleitertagung online
    • zwei Disziplinarausschusssitzungen
    • diverse Gespräche


Eine der wichtigen Sachen, die ich „gelernt“ habe in der Zeit bisher als Schulleiter, ist es, nicht mehr in Panik zu verfallen oder besser gesagt, sie auf Abstand halten zu können.

In den ersten 12-16 Monaten etwa neigte ich oft dazu, nur als Beispiel, morgens zwei Stunden vor dem Wecker aufzuwachen und mich sofort an etwas zu erinnern vom Vortag, bei dem ich versagt oder einen Fehler gemacht hatte, meiner Aufgabe nicht gerecht wurde oder aber einfach ein Dummkopf oder Arschloch war. Und in diese Gedanken fand ich mich ein, zwei Stunden lang und beleuchtete meine klägliche Existenz von allen Seiten.

Heute wache ich zwei Stunden vor dem Wecker auf, gehe pinkeln, leg mich wieder hin und schlafe weiter. (Ja, liebe KollegIn, mit dem Bild im Kopf müssen Sie mir morgen und in Zukunft begegnen.)

Das habe ich nicht wirklich „gelernt“. Aber ich finde heute mehr Abstand und kann die Grübelspiralen unterbrechen. Dies passiert manchmal auch einfach dadurch, dass ich Handlungsalternativen entwickelt habe, die ich in Konflikten und bei Problemen anwenden kann. Ich sehe mich solchen Störungen nicht mehr hilflos oder in meinem Handeln alternativlos gegenüber.

Einer meiner Lieblingsgedanken, mit dem ich dann übrigens an mir arbeite, ist:

Stell dir vor, du würdest mit einem Kind so reden, wie du mit dir selbst redest.

Quelle: Internet

Morgen fahre ich mit dem Rad einen großen Bogen heim und hoffentlich werde ich diesmal eine Flasche Milch bekommen in Käswasser. Das ist nur der Cliffhanger für die Fotos morgen.

#wasmachteigentlichderchef 2021-04-14

Home Office.


Erledigte Aufgaben:

  • Telefonat Schulaufsicht
  • KMS UP gelesen und erarbeitet (uff)
  • neue Dateien angelegt für die Zusammenarbeit in der Schulleitung
  • Flyer für die Schule neu angesetzt
  • Leistungsbesoldung gefeilt
  • Respizienz
  • Homepage bearbeitet für die Schule
  • Briefing geschrieben und versendet

Abends müde. Obwohl nur am Schreibtisch gesessen. So müde, dass ich nicht einschlafen konnte. Fange wieder an, Johanniskraut zu nehmen. Schlaf ist wichtig.

#wasmachteigentlichderchef 2021-04-13

Auto. Weil Schnee. Weil viele Unterlagen.



Erledigte Aufgaben:

  • erste Stunde Selbsttest durchgeführt bei, in und zusammen mit der 10b – negativ
  • Abfragen zur Leistungsbesoldung erledigt, dem Personalrat weitergeleitet
  • Telefonate wegen des Defis
  • Beurteilungen organisiert
  • Flyer der Schule als Datei gesucht (gefunden)
  • Schulhomepage bestückt mit Formularen
  • Respizienz erledigt
  • Gespräch SMV
  • Gespräch Hausmeister
  • Gespräch Pfadfinder, die weiteres Material in ihre neues Lager bei mir im Schulkeller gebracht haben
  • Ablage
  • Briefing für den Folgetag angelegt
  • Rundgang durchs Schulhaus, teilweise mit Hausmeister
  • KMS zur UP (Unterrichtsplanung 2021/22) gekommen, diesmal 60 Seiten

Als ich auf die Pfadfinder in der Aula gewartet habe, bisschen umher gelaufen. Fotos gemacht. Seltsam gefühlt.

Als die Pfadfinder da waren, wurde ich gefragt, wie sich das aktuell so anfühlt. Und irgendwie ja, es fühlt sich ein bisschen an wie in einer Pedale ohne Widerstand zu treten. Endlich fiel mir mal eine gute Metapher ein.

Ich habe 1997 meinen Referendariat angetreten in Erlangen. 22 Jahre lang in dem Trott des Schuljahres unterwegs gewesen. Und plötzlich trete ich ins Leere. Und auch wenn mir das KM ab einer bestimmten Stufe ab und an gehörig auf den Senkel geht, finde ich es manchmal sehr hilfreich, wenn diese anderen Dinge einfach so weiterlaufen, z.B. Beurteilungen (die mich so abturnen wie nur irgendwas) oder eben Unterrichtsplanung. Ich glaube, ich rufe morgen mal unter irgendeinem Vorwand an und gucke, ob meine Sachbearbeiterin Zeit hat.

Hausmeister und ich bedauern am meisten, dass die Mensa geschlossen ist. Und wir nehmen uns vor, wenn sie denn mal wieder offen ist, mit unserem Bezahlchip Party zu machen.

Aras Ören. Berliner Trilogie. Drei Poeme. Verbrecher Verlag.

Sehr stark.

Zum Buch.

Zum Autor

Geklaut von der Seite des Verlags:

»Aras Ören ist es gelungen, die Spannungen zwischen der trüben Umwelt der Naunynstraße und der Erinnerung an die Türkei, die sich mit den Jahren zur Illusion verdichtet, sowie die Illusion vom Leben in Deutschland und die soziale Realität in der Türkei in kräftigen Bildern und Handlungsabläufen wiederzugeben – ein Zeugnis der türkischen Odyssee und mehr, Zeugnis einer Erfahrung, die nicht nur auf die Türkei zurückwirken wird«, schrieb Ingeborg Drewitz 1973 im Tagesspiegel.

#wasmachteigentlichderchef 2021-04-12

Auto. Weil ich über die Stadt musste und beim Kollegen Hygienbeauftragten Material abholen für die Schule. Den Stadtteil wieder gesehen, in dem ich bis vor 13 Jahren selbst gewohnt habe. Außerdem schneite es.

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Erledigte Aufgaben:

  • Erste Stunde: Beiwohnen und Durchführung an eigener Nase der ersten Testrunde in den 10. Klassen in der 10d
  • Danach Beiwohnen beim Referat „Robert Oppenheimer – der Vater der Atombombe“
  • Suche nach dem Dechiffrierschlüssel für die Aufgaben der Englisch-Sprechfertigkeitsprüfung (erfolglos)
  • Mailwechsel/Telefonate mit abwechselnd der Bereitstellerfirma des Defibrillators in der Schule und einer von der Stadt beauftragten Prüffirma solcher Geräte geführt, man kann isch nicht einigen, ob geprüft wird oder nicht
  • Gespräch über ein Projekt Demokratieerziehung in den 9. Klassen unter Schirmherrschaft der Landeszentrale Politische Bildung
  • Zwei Stunden Unterricht 7. Klasse online Geschichte (Von den Kreuzzügen zur Mona Lisa), verspätet angefangen, weil Telefonat mit Schulaufsicht
  • Gespräche, Organisation von/über Testungen heute
  • Gespräch Hausmeister
  • Telefonat und Absprachen betreute Realschule für die Abschlussprüfung
  • kurze Beobachtung der Arbeiten in der Turnhalle
  • Sichtcheck des Defibrillators in der Aula
  • Ablage
  • Anruf Schulaufsicht wegen Dechiffrierschlüssel für die Aufgaben der Englisch-Sprechfertigkeitsprüfung

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Schulstatus:

  • Inzidenz der Stadt Nürnberg: 206
  • Distanzunterricht für Klassen 5-9
  • Wechselunterricht 10. Klasse, heute Gruppe B
  • Anwesende SchülerInnen: ca. 60 / 860

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Eigener Status:

Negativ, wie seit längerer Zeit.

#wasmachteigentlichderchef 2021-04-09

Fahrrad. Kühl, aber nicht kalt.

Gruß geht raus an Arne.

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Erledigte Aufgaben:

  • Schulleitungsrunde per Teams
  • Online-Sitzung mit Hygienebeauftragten
  • Papierkram: Masernschutz, Respizienz, Defibrillator
  • Gespräch Hausmeister, neue Teste sind gekommen
  • Selbsttest ausprobiert, passt schon
  • Elterninfo und Lehrerinfo vorbereiten

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Schon vor den Ferien gemerkt, dass an meiner Brücke im Wald gearbeitet wird. Gearbeitet ist untertrieben, man hat sie jetzt abgerissen. Damit komme ich nicht mehr auf direktem Weg durch den Wald in die Stadt, weil ich nicht über die A3 komme. Suche noch nach einer alternativen Route.

Ich vermisse meine Brücke.

Fahre jetzt heim, durch die Stadt in einem großen Bogen. Bin aktuell sehr überfordert, mental. Nachdenken endet oft in Grübelei. Müde. Resigniert. Innere Erosion.

Neulich mit einem Kollegen telefoniert, der nur halb so lang Schulleiter ist wie ich. Der also quasi Schulleitung nur unter Coronabedingungen kennt. Weiß nicht, ob ich ihn beneiden soll. Oder bedauern? Keine Ahnung.

#wasmachteigentlichderchef 21-03-17

Home-Office macht der Chef.

Die Schnapp-Atmung lassen wir mal wirken, lesen Sie weiter bis unten, bevor Sie sich beschweren.


Home-Office, geht als Schulleiter auch. Es passiert nicht viel Wesentliches in der Schule. Das war eine der ersten Erkenntnisse, die ich in Corona-Zeiten hatte: Den Großteil meines Stresses am Tag machen die Ereignisse aus, die ich nicht beeinflussen kann. Und viele dieser Sachen (Disziplinarisches, Rechtliches, Pädagogisches…) sind aktuell nur sehr eingeschränkt. Manches davon fehlt mir nicht.

Da fällt mir ein, es gab lange kein Sippentreffen mehr auf dem Parkplatz vor der Schule. Kennen Sie das? Zwei Parteien streiten sich in der Schule. Dann wird ihnen zugetragen, dass die eine Partei die „familia“ per Smartphone in der Stadt informiert hat. Und schon treffen PKW-Konvois auf dem Schulparkplatz ein. Und dann gehen sie hin, in ihrem Kopf spielt eine Mundharmonika, und sie weisen die Versammlung darauf hin, dass das Rauchen auf dem Schulgelände verboten ist. Und so fort.


Morgen wieder Fahrrad. Diesmal wohl meine ausgetüftelte Normalstrecke. Ich freue mich. Es soll schneien.


Home-Office.

Auch ich habe ein Leben neben dem Fahrradfahren und der Schulleitung. Zum Beispiel gehe ich Golfen (Sonntag der erste Termin in diesem Jahr) und Angeln (absolut zu selten). Weiterhin gebe ich mit anderen aus meinem Fischereiverein Kurse zur Erlangung des Fischereischeins. Und ab und an treffen wir uns daher, an der frischen Luft, auf Abstand, um besondere Dinge zu besprechen. So wie heute Nachmittag.

Und dabei eine einfache Grundmontage mit Mais. Aber es war zu kalt. Hat nix gebissen.

Aber es ist mal wieder ein Baum umgefallen.


Wenn du dich verbessern willst, sei damit zufrieden, ahnungslos oder dumm zu wirken, wenn es um irrelevante Dinge geht – tue nicht so, als wärest du besonders gescheit. Und wenn dich jemand wichtig findet, misstraue dir selbst.

Epiktet

#wasmachteigentlichderchef 21-03-16

Fahrradfahren. Habe gestern gemerkt, dass ich massiv große Bilder hochlade. Muss ich heute mal ändern. Ich lasse Sie mal an einem meiner Wege teilhaben. Und ein paar seltsamen Assoziationen.

Das Schöne am Radeln ist, dass ich viele verschiedene Touren habe mittlerweile, die ich je nach Laune wählen und kombinieren kann. Darüber hinaus sind sie in Kombination dann auch nicht länger oder zeitraubender. Eher kann ich dadurch auch mal hier einkaufen gehen oder dort am Hauptbahnhof im Kolb-Brezen-Shop meine geliebte Breze mit Kalbsleberwurst besorgen. Ohne Parkplatzsuche. Ohne Hektik.

Hier übrigens habe ich entdeckt, dass es wieder die Brezen mit zwei Nürnbergern auf Kraut gibt. Ich habe bisher nicht herausgefunden, wie das auf der Brezen hält. Ich war so überrascht, dass ich vergessen habe, ein Foto zu machen.

Letzte Woche schon habe ich mein Navi am Rad mal den Weg suchen lassen und „kürzeste Strecke“ gewählt. Und ja, ich war schneller als sonst. Aber eben nur auf der Hauptstraße. Dennoch dabei einen Schlenker kurz vor der Schule gemacht, der spannend war, weil er durch Schweinau/St. Leonhard führte, zwei Stadtteile, aus denen viele meiner Schüler kommen. Alte Bausubstanz, bisschen morbider Charme, man würde es vielleicht ein wenig als Scherbenviertel bezeichnen. Aber ich will nicht Städtebaukritiker werden oder was weiß ich. Ich mag diese Gegend. Sollte ich erwähnen, dass hier irgendwo Herr Söder aufgewachsen ist?

Grünstraße vor der Kreuzung Schweinauer Straße
Kirche St. Leonhard in der Schwabacher Straße, Schweinau
Gegenüber Industriegebiet jenseits der Schwabacher Straße

In der Gegend habe ich meinen ersten Alfa Romeo gekauft, leider wurde der Betrieb schon aufgegeben. Es gibt einen Mix-Markt in der Nähe unseres alten Schulgebäudes, also einen russischen Supermarkt, den ich mir mal von SchülerInnen habe zeigen lassen (während einer Doppelstunde *hust* bitte sagen Sie es nicht weiter). Eine Empfehlung war der gesalzene Fisch zum Wodka („gibts bei meinen Eltern immer“).

Außerdem gibt es ein jugoslawisches Restaurant (Restaurant Sarajewo), in dem ich mal zu einem gegrillten halben Schwein eingeladen war. Der TÜV ist in der Nähe, wo immer die Fahrprüfungen beginnen und der Legende nach auch enden, wenn man den Schulterblick beim Verlassen des Parkplatzes vergisst. Bei mir nicht.


Straße der Menschenrechte mit Germanischem Nationalmuseum
Blick von der Rosengasse in die Kühnertsgasse auf die Marientormauer
Und das schon die letzte Steigung vor meinem Schlafdorf

Schule war auch heute. Dienstgespräch Schulaufsicht. Dienstgespräch SPRINT. Emails. Drei Beurteilungen angesetzt. Unterschriften. Gespräche. Ordnungen.

Dann den Fehler begangen, eine Pressekonferenz anzuschauen.

Dann heimgeradelt, Schweinau fotografiert.


In meinem Kopf kullert seit einigen Wochen der Begriff der „Glaubenssätze“ herum. Hatte den schon öfter gelesen und fand das Dahinter ganz interessant, ohne es je mit Inhalt für mich füllen zu können. Finde jetzt auf Anhieb keine Beschreibung im Internet, die ich verlinken könnte, außer das hier, aber auch nur, weil ich die Domain so witzig finde.

Habe neulich aber entdeckt, dass z.B. einige meiner Glaubenssätze waren:

  • Ich werde nie mit dem Fahrrad zur Schule fahren können, weil 22km einfach zu weit sind.
  • Ich kann nie ohne Frühstück aus dem Haus gehen.
  • Ich werde nie Chef sein können.

Auch wenn es derzeit äußerlich nicht den Eindruck macht, aber es geht doch einiges voran.

#wasmachteigentlichderchef 2021-03-15

Fahrradfahren. Ich wusste, es soll regnen oder schneien. Auf dem Hinweg fand ich die Lücke, auf dem Rückweg eher nicht, konnte mich unterstellen, dann kam die Sonne. Aber es bleibt gerade zurzeit das einzige Moment, welches mir etwas bringt. Man mag es interpretieren als die Zeit, in der ich etwas unter Kontrolle habe. In der ich die Richtung vorgeben kann.

Es wird viel Holz gemacht.

Der Plan sah vor, dass wir heute alle Klassen im Wechselformat an die Schule holen. Bisher waren es nur die Abschlussklassen. Die Werte lagen schon am Donnerstag bei 90. Am Freitag lagen sie bei 100,3 (ja, das ist über 100, da können wir quatschen, was wir wollen). Bis 8.30 Uhr hatte ich die Lehrerinfo verschickt, bei der 25% aus Sätzen bestand wie „Genaueres erfahren wir noch“ oder „Es gilt das alte weiter, bis wir neue Anweisungen bekommen“. Eine Klassleiterstunde war angesetzt, den SchülerInnen sollte es erklärt werden. Bis 10 hatte ich den Elternbrief formuliert und wollte ihn grad versenden, als ich die erste Nachricht bekam, dass eine Mail mit der Absage des Unterrichts angekommen sei. Also Vollbremsung und eine Nachricht per Untis an alle Kollegen:


Ich lese in letzter Zeit so viel von Strategie und Konzept.

Hier eine bildliche Darstellung der bayerischen Teststrategie:

Zur Erklärung: Das sind 40 Kartons mit Schnelltests, die eines Tages im Sekretariat standen, ohne Begleitschreiben. Damit sollen die Lehrer getestet werden und alle SchülerInnen über 15. Oder doch alle Schüler? Oder nur die Lehrer? Auch die Sekretärinnen? Hausmeister? OGTS? Oder sind das die angekündigten Selbsttests? Ich schreibe an die Stadt. Drei Tage keine Antwort. Ich schreibe eine weitere Mail der Art, für die ich berüchtigt bin. Erhalte umgehend eine Antwort. Nach weiteren drei Tagen mit täglichen (wechselnden) Nachrichten bezüglich der bayerischen Test-Strategie habe ich einen Katalog von 10 Fragen an die vorgesetzte Behörde geschickt.

Wer soll testen? Ein Arzt, der uns zugeordnet wurde. Per Mail erfahren wir seinen Namen – mehr nicht. Ich lasse die Sekretärin anrufen, weil ich nun langsam an Erfahrung gewonnen habe. Ich will sichergehen, dass er dieselbe Information hat. Auf Nachfrage später erzählt er mir, dass es einen Aufruf gegeben habe zum Testen in der Schule, auf den er sich gemeldet hat. Dann habe man ihm den Namen meiner Schule gegeben. Mehr nicht. Er hat an einem Tag Zeit in der Woche. Ich freue mich, dass es ihn gibt.

Dann bekommen wir die nächste Lieferung: 1000 Selbsttests. Großer Karton, kein Begleitschreiben. Heute saß die Sekretärin da und hat die Pakete aufgeteilt für je zwei Lehrer.

Zwischendrin Informationen der Stadt, in langen Mails, die ein 5jähriger formatiert.

Ich sollte mich nicht zu sehr aufregen. Die bayerische Digitalisierungsstrategie sieht ähnlich aus. Als ich heute in die Schule kam, standen im Sekretariat vier große Kartons, schwarz. Inhalt: Aufbewahrungskoffer für je 16 iPads. Denn seit einiger Zeit bekommen wir in unregelmäßigen Abständen Sätze von iPads geliefert – ja wir hatten mal welche bestellt, jetzt gibt es irgendwo ein Leck und uns läuft die Bude mit iPads voll. Was wir nicht bekommen: Schnelleres Internet. Anschluss an ein schnelles Wlan. Eine Strategie. Einen Ansprechpartner. Einen Techniker. Auf meine Nachfrage, was meine Anfrage vom November macht (iPads der iPad Klassen an das interne Wlan anbinden), bekomme ich die Antwort, dass ich noch mal bei der Hotline anrufen soll.

Willkommen in meinem Leben.


Morgen soll es regnen und schneien. Ich fahre Rad.

https://islieb.de/

#wasmachteigentlichderchef 21-03-10

Gestern und heute auch damit verbracht, Briefe der 5c zu beantworten mit jeweils einer Postkarte. Ich hatte einer Kollegin erzählt, dass ich so wenig von den SchülerInnen daheim mitbekomme und nicht weiß, wie es ihnen geht. Daraufhin hat sie ihre Schüler animiert beim Thema „persönlicher Brief“ einen Brief an mich zu schreiben und abzuschicken. Also hatte ich gestern 22 Briefe in meiner Postmappe.

Und morgen bringe ich 22 Postkarten mit in die Schule und lege sie in die Hauspost.

Nächste Woche machen wir die Schule wieder ganz auf, Wechselunterricht in allen Jahrgangsstufen. Das ganze Drumherum (mit Testungen, Impfungen etc. usw.) tut meinem emotionalem Haushalt nicht ganz so gut, was vor allem dann kritisch wird, wenn ich mal nicht ganz bei der Sache bin und dann zu weit aufmache, so dass bestimmte Dinge viel zu nah an mich rankommen. Habe heute 3 Stunden (inklusive „Sport“ im Wald) gebraucht bis der Deckel wieder drauf war. Die Lektüre der Briefe hat mich nicht grad beruhigt, was die nächsten Monate angeht, aber es klang in jedem Brief Zuversicht an, die mir aktuell manchmal fehlt.

Am besten melde ich mich mal wieder bei meinem Freund, wie vor zwei Wochen, als nach einem Tag die Schulen wieder zugemacht wurden in Nürnberg:

#wasmachteigentlichderchef 5.3.2021

Einige Male mit dem Fahrrad. Es war kalt. Matschig. Die Brücke über die A3 wird ab und gesperrt scheint es mir. Anscheinend verlegen sie dort eine Drainage. Irgendwas. Neulich war der Kampfmittelräumdienst vor Ort. Ich weiß, die kommen vorsichtshalber und untersuchen, ob es sicher ist, irgendwo den Bagger einzusetzen.

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Und einmal war die Polizei dort.

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Morgens ist es halt neblig, manchmal.

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Aber Sonnenaufgang ist immer.

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Und wenn ich in der Stadt bin, wird es dann richtig hell.

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Und nein, ich bin keine Pimmelnase, was die Maske angeht. Das Problem ist eher, dass Brille und Visier beschlagen, wenn ich die Nase drunter stecke. So läuft sie zwar durchgehend, aber ich habe freie Sicht.

Und manchmal halte ich jetzt im Wald an und mache Vesper.

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Einfach so.